Frauenministerin und Polizei
Warnung vor weiteren häuslichen Gewaltdelikten

Familien sind jetzt besonderem Stress ausgesetzt.
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Sind Menschen auf engem Raum über mehrere Tage zusammen, kann dies Aggressionen hervorrufen oder steigern. Frauenministerin Raab erklärt im Gespräch mit RMA-Chefredakteurin Maria Jelenko, mit welchen Maßnahmen die Regierung gegenlenkt und Polizeipsychologen geben Tipps, wie Aggressionen in der Familie abgebaut werden können.

ÖSTERREICH. Das durch Ausgangsbeschränkungen bedingte Fehlen sozialer Kontakte, dazu noch Stressfaktoren wie fehlende Rückzugsmöglichkeiten, mediale Reizüberflutung, Zukunftsangst oder gar Arbeitslosigkeit führen derzeit in vielen Familien zu angespannten Situationen, die leicht kippen können.

Bereits im März ließ sich eine leichte Steigerung häuslicher Gewalt aufgrund der Maßnahmen gegen das Coronavirus feststellen. Ein prominentes Opfer: Ex-Außenministerin Karin Kneissl, gegen deren Ehemann nach einem eskalierten Streit rund um ihre Hunde und einem Polizeieinsatz ein Betretungsverbot in ihrem Bauernhaus in Niederösterreich verhängt wurde (sie selbst wurde danach offenbar laut Medienberichten wegen Tierquälerei angezeigt). Die meisten Gewaltdelikte gab es im März in Wien, gefolgt von Niederösterreich und Oberösterreich. 

RMA: Frau Ministerin, im März war eine leichte Steigerung der Gewaltdelikte in Österreich bemerkbar. Sie haben nun eine Gewaltschutzkampagne angekündigt. Was ist da konkret enthalten?

SUSANNE RAAB: Ich habe mit Innenminister Nehammer neuerlich eine breite Informationsoffensive gegen häusliche Gewalt gestartet, wo wir auf folgende Dinge hinweisen: Erstens gibt es für jede Frau, die Opfer von Gewalt wird oder die Sorge hat, dass ihre Kinder Opfer werden, Unterstützung. Wir haben die Frauenhelpline unter 0800 222 555 finanziell und personell gestärkt. Über diese gibt es 24 Stunden, sieben Tage die Woche, Unterstützung für jede Frau, und das in mehreren Sprachen. Das wird bisher sehr gut angenommen, wir verzeichnen eine Steigerung von 71 Prozent an Anrufen seit Beginn des Angebots vor drei Wochen. Des Weiteren haben wir einen Online-Chat unter haltdergewalt.at eingerichtet - ein Angebot für Frauen, die im gemeinsamen Haushalt aufgrund der Umstände nicht telefonieren können. Auch dieses Angebot steht in mehreren Sprachen zur Verfügung. Zudem ist es uns wichtig, dass jede Frau weiß, dass es in den Frauenhäusern aller Bundesländer genug Kapazitäten und Ausweichquartiere gibt. Diesbezüglich bin ich im ständigen Austausch mit den zuständigen Landesrätinnen. Und schließlich sollen Frauen, die Opfer von Gewalt werden, wissen, dass die Polizei trotz Corona jederzeit einsatzbereit ist. Die Polizei nimmt auch jetzt, in Zeiten der Quarantäne, Wegweisungen vor, auch, wenn es sich um einen Corona-Fall handelt.

RMA: Wie kommunizieren Sie die Informationskampagne an nicht deutschsprachige Frauen?

Als Integrationsministerin ist es mir wichtig, dass alle Menschen, egal, welcher Muttersprache, die Verhaltensregeln in der Corona-Krise kennen und Unterstützung erfahren, wenn sie Opfer von Gewalt werden. Wir haben die Verhaltensregeln in der Corona-Krise in 16 verschiedene Sprachen übersetzt. Darüber hinaus haben wir insgesamt 300.000 Menschen mit Migrationshintergrund wie Flüchtlinge, Migranten und Asylberechtigte via Info-SMS, E-Mails oder Online-Kontakte in verschiedenen Muttersprachen erreicht. Wir schalten Inserate in Zeitungen und online und mehr als 100.000 Folder werden in den Supermärkten verteilt.

RMA: Gibt es über die Sonderpflegefreistellung hinaus weitere Förderungen speziell für berufstätige, alleinerziehende Frauen in dieser Situation?

Finanziell gibt es für Selbständige den Härtefonds, den man in der Wirtschaftskammer beantragen kann. Wir haben die Einkommensgrenzen des Bezugs nach unten und oben nachgeschärft, sodass die Hilfe nun flexibler gestaltet ist. Das hilft vor allem Menschen mit geringerem Einkommen. Für Alleinerzieherinnen ist wichtig: Wenn man nicht im gemeinsamen Haushalt lebt, können sich beide Elternteile um das Kind kümmern. Das bildet eine Ausnahme bei den Ausgangsbeschränkungen. 

Druck auf Eltern steigt

"Durch das schöne Wetter wird das Problem immer größer, wenn die Menschen drinnenbleiben müssen. Solange die Schulen geschlossen halten, ist der Druck besonders groß", so Gerhard Lang, Direktor des Bundeskriminalamts gegenüber den Regionalmedien. Meist lastet auf den Frauen die Verantwortung für ein geregeltes Alltagsleben. Im Rahmen der Aktion "Gemeinsam.Sicher" geben Polizeipsychologen Familien Tipps gegen Gewalt. Im Namen der Polizeipsychologen empfiehlt Lang dringend geregelte Tagesabläufe einzuführen, welche "normale Tage" simulieren, und das Vermeiden von übermäßigem Alkoholkonsum, da Alkohol Emotionen verstärke.

Weitere Tipps der Polizeipsychologen: Versuchen Sie Themen, die immer zu Stress führen, zu umgehen, überlegen Sie im Vorfeld eine akzeptable Antwort. Wertschätzender Umgang mit dem Partner, Kindern die momentane Situation altersgerecht erklären, gemeinsam zukünftige Projekte, wie Urlaube, Ausflüge und Tätigkeiten im häuslichen Bereich planen, weiterhin soziale Kontakte etwa via E-Mail, Telefon, soziale Medien, aufrechterhalten, Reizüberflutung vermeiden, und: Gönen Sie sich eine Auszeit!

Hilfe von außen

Notrufnummer, Gewaltschutzzentren, Frauenhelpline und der Männernotruf sind 24 Stunden erreichbar. 
Rat auf Draht für Kinder: 147
Rat für Eltern: 0676/8666 4668
Krisen-Hotline: 0800/500154
Rat für Frauen: 0800 222 555
Internet: haltdergewalt.at

Der Helpchat haltdergewalt.at bietet anonyme und vertrauliche Hilfestellung. Der Helpchat ist eine virtuelle Beratungsstelle für Frauen und Mädchen, die in ihrem Lebensumfeld von Gewalt in jeder Form – psychisch, physisch, sexuell – betroffen sind. Die seitens des BMI geförderten OTA (Opferschutzorientierte Täterarbeit) Einrichtungen sind auch jetzt telefonisch erreichbar. Psychotherapie und andere Betreuungsangebote sind auch über Skype möglich.

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