Krankentransporte: Vorerst kein Streik bei den Rettungssanitätern

Noch vor wenigen Jahren haben die Blaulichtorganisationen drei Viertel aller Krankentransporte übernommen. Danach begann ein starker Rückgang zugunsten von Fahrtendiensten.
  • Noch vor wenigen Jahren haben die Blaulichtorganisationen drei Viertel aller Krankentransporte übernommen. Danach begann ein starker Rückgang zugunsten von Fahrtendiensten.
  • Foto: Rotes Kreuz
  • hochgeladen von Christine Bazalka

WIEN. Immer mehr Krankentransporte werden nicht von den etablierten Blaulichtorganisationen durchgeführt, sondern von Fahrtendiensten. Das kritisieren die Organisationen Rotes Kreuz, Johanniter, Malteser und Samariterbund und auch deren Beschäftigten, die davon natürlich am meisten betroffen sind - jüngst wurden beim Roten Kreuz 35 Menschen gekündigt. "Das ist aber nur der letzte Teil einer Entwicklung, die sich schon länger zieht: In den letzten zwei Jahren wurden über natürlichen Abgang bereits 100 Rettungssanitäter-Stellen abgebaut", sagt der Wiener Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft vida, Richard Kocica. Insgesamt sei ein Drittel der Transporte in den letzten Jahren zu privaten Fahrtendiensten abgewandert.

Gestern versammelten sich rund 450 Beschäftigte der Blaulichtorganisationen unter dem Dach der Gewerkschaft und beschlossen mit einer großen Mehrheit von 99 Prozent weitere Kampfmaßnahmen gegen diese Entwicklung. Von einem Streik sehen sie allerdings vorerst ab, die Versorgung werde nicht beeinträchtigt. "Aber die Maßnahmen werden sichtbar sein", kündigt Kocica an. Das Gegenüber in den Verhandlungen sind Stadt Wien und Gebietskrankenkasse, die die Transporte finanzieren. Ein gemeinsamer runder Tisch wurde für August angekündigt. Bis dahin will die Gewerkschaft weiterhin auf die Situation aufmerksam machen.

Gewerkschaft befürchtet Risiko für Kranke

Kocica erklärt, dass es der Gewerkschaft nicht allein um die Arbeitsplätze ihrer Mitglieder gehe: "Wir fürchten, dass Risiken entstehen, wenn Kranke nicht mit der Rettung und in Begleitung eines Sanitäters, sondern allein mit einem nicht ausgebildeteten Fahrer transportiert werden." Er gibt ein Beispiel: "Eine 75-Jährige, die zur Dialyse gebracht wird, braucht auf der Hinfahrt keine besondere Betreuung. Am Weg zurück ist sie aber vielleicht geschwächt und desorientiert. Wir würden sie lieber in qualifizierten Händen sehen." Über Kostensenkungen könne man allerdings diskutieren.

Thomas Haller, der mit Hallermobil einen von sechs Fahrtendiensten betreibt, die sich zur Durchführung von Krankenbeförderungen zu einer Leitstelle zusammengeschlossen haben, wehrt sich gegen die Vorwürfe. "Wir befördern ausschließlich jene Personen, die während der Fahrt keine medizinische Versorgung benötigen. Welche das sind, entscheidet der behandelnde Arzt." Zu Risikosituationen sei es in seinem Unternehmen noch nicht gekommen.

Fahrtendienste mit großen Auftragssteigerungen

Haller bestätigt auch, dass es eine Verschiebung in Richtung Fahrtendienste gegeben habe. "Ja, unser Auftragsvolumen hat in den letzten Jahren um etwa ein Drittel zugenommen, alle Fahrtendienste gemeinsam haben 2016 407.000 Fahrten übernommen." Er und die anderen Fahrtendienste hätten der Krankenkasse in dieser Zeit aber auch 8 Millionen Euro erspart - wenn man die Kosten mit regulären Rettungstransporten vergleiche.

Ein weiterer Vorwurf der Gewerkschaft lautet, dass die Fahrer der Fahrtendienste laut Kollektivvertrag nur etwa 1.200 Euro brutto verdienen würden, während Rettungssanitäter bei mindestens 1450 Euro einsteigen. "Hier wird gespart, nur damit die Stadt dann auf der anderen Seite Mietkostenzuschuss zahlen muss, das ist doch unsinnig", sagt Kocica. Zumindest er bezahle seine Mitarbeiter weit über dem kollektivvertraglich festgesetzten Mindestlohn, wehrt sich Haller.

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