Petition gegen die Ausbeutung zukünftiger "U-Bahn-Stars" der Wiener Linien

Wie geht die Stadt Wien mit ihren "U-Bahn-Stars" um? Darauf will die Petition "Musik ist nicht wertlos – Quo Vadis, Musikstadt Wien?" hinweisen.
  • Wie geht die Stadt Wien mit ihren "U-Bahn-Stars" um? Darauf will die Petition "Musik ist nicht wertlos – Quo Vadis, Musikstadt Wien?" hinweisen.
  • Foto: OpenPetition.eu
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WIEN. Geht es nach Stadträtin Ulli Sima, so sollen in Zukunft Musiker den öffentlichen Raum in U-Bahnen bespielen. "Wenn man aus der U-Bahn aussteigt und von Fern schon die Klänge von einer Akustikgitarre hört", wirke das beruhigend, erklärte sie in einem Promo-Video. Die "U-Bahn-Stars" sollen einerseits die Stationen akustisch verschönern und andererseits für ein höheres Sicherheitsgefühl bei den Passagieren sorgen.

Weniger romantisch lesen sich allerdings die Teilnahmebedingungen. Das Casting verläuft in drei Phasen, steht dort. Einer Online-Bewerbung folgen die "Auditions" und danach kommt das Online-Voting. Mühsam genug, folgt der wesentliche Stein des Anstoßes erst später: Sollte ein Musiker in Phase 1 oder 2 ausgewählt werden, wird eine Bearbeitungsgebühr von 10 Euro eingehoben. Seitens der Wiener Linien wird aber weder bei den "Auditions", noch für die künftigen U-Bahn-Stars Strom zur Verfügung gestellt.

Weiters heißt es in dem Schriftstück der Verkehrsbetriebe: "Die konkreten Rahmenbedingungen und Modalitäten für Ihre „U-BahnStars“-Auftritte werden Ihnen dann bekanntgegeben (Standplatz, Auftrittszeiten und -frequenz, sicherheitsrelevante Regeln, Verhaltensvorgaben,…). Wenn Sie diese Rahmenbedingungen nicht einhalten, behält sich die Wiener Linien GmbH & Co KG das Recht vor, Sie in diesem Fall von den „U-Bahn-Stars“ auszuschließen."

Rechte uneingeschränkt für Wiener Linien nutzbar

Es scheint so, als würden die Musiker mit Regeln überhäuft, während sich die Wiener Linien andererseits sehr wohl das Recht vorbehalten, alle Künstler für hauseigene Marketing- und Kommunikationskampagnen namentlich zu nennen und ganz oder in Ausschnitten im Internet zu veröffentlichen. Mehr noch, sind die Wiener Linien laut Teilnahmebedingungen berechtigt, "die entsprechenden Rechte uneingeschränkt zu nutzen und auch Dritten einzuräumen".

Petition gegen ausbeuterisches Konzept

"Diese Bedingungen sind einerseits schlichtweg inakzeptabel, andererseits aber auch eine dreiste Verhöhnung der Musikerinnen und Musiker dieser Stadt. Ich fordere Frau Sima auf, sich klar von diesem ausbeuterischen Konzept zu distanzieren und umgehend für faire Arbeitsbedingungen zu sorgen", heißt es nun von Musiker Alex K. Yoshii, der eine "OpenPetition" gegen das Projekt "U-Bahn-Stars" gestartet hat. "Musik ist nicht wertlos – Quo Vadis, Musikstadt Wien?" hat bereits mehr als 1.700 Unterstützer.

Gemeinderat appeliert an Wiener Linien

Prominente Schützenhilfe kommt seitens des grünen Gemeinderats Martin Margulies. Der kommt in einem offenen Brief an die Wiener Linien im zweiten Absatz zum Punkt: "Werft die von euch vorgeschlagenen Teilnahmebedingungen so schnell wie möglich in den nächsten Mistkübel und überlegt euch doch bitte, wie man diese an sich gute Idee auf sinnvolle Beine stellen kann". Es sei nicht in Ordnung, von Künstlern zu erwarten, dass sie mehrmals pro Woche für je 1,5 Stunden live auftreten und ihnen dafür nichts zu bezahlen. Immerhin sollten die angedachten Musiker auch eine ganz konkrete Funktion erfüllen – nämlich die subjektive Sicherheit auf den Bahnsteigen zu erhöhen. Alle anderen Mitarbeiter würde man ja schließlich auch für einen Job bezahlen, so Margulies.

Die Wiener Linien sehen die Angelegenheit hingegen nicht so streng. Das Konzept von Straßenmusik sei, dass man für ein Hutgeld spiele, so eine Sprecherin gegenüber der Tageszeitung "Kurier". Weiters müsse niemand Rechte an seiner Musi abtreten. Mehr als 100 Musiker hätten sich bereits beworben, so die Sprecherin.

Hintergrund:

Bericht:Wiener Linien suchen U-Bahn-Stars

Autor:

Andreas Edler aus Wieden

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