Vienna Pride Week: Wien steht unter dem Regenbogen

Jedes Jahr ziehen an die 150.000 Menschen bei der Regenbogenparade gegen die Diskriminierung von Homosexuellen über den Ring.
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WIEN. Wien ist dieser Tage richtig queer. Der 9. Juni markiert den Start der "Vienna Pride"-Woche, gegen deren Ende hin am Samstag, den 17. Juni, die traditionelle Regenbogenparade ansteht. Starke Worte klingen aus dem vergangenen Jahr noch nach: "Ja, ich bin der Bundeskanzler und ich bin auf der Regenbogenparade. Na und? Es ist 2016 und die Zeit dafür war längst reif." Das sagte Regierungschef Christian Kern ebendort. Symbolisch ist das nicht zu unterschätzen, tummeln sich doch nicht viele Politiker dieser Flughöhe auf Veranstaltungen der queeren Community. Was in Wien normal zu sein scheint, kann anderswo den politischen Selbstmord bedeuten. Auch im Jahr 2017. Kern hat auch heuer seine Teilnahme angekündigt – und das in einem richtungsentscheidenden Wahljahr.

Die Bundeshauptstadt gilt hingegen in der LGBT-Community (lesbisch, schwul, bisexuell und transgender) als Vorzeigestadt der Gleichberechtigung. Zu Recht darf jedoch gefragt werden, warum man eine Stadt für etwas loben sollte, das im Jahr 2017 selbstverständlich sein müsste. Rund um die Regenbogenparade zeigt die Stadt jedenfalls ordentlich Flagge – und das buchstäblich. Auf Müllwägen der 48er sowie auf den Straßenbahnen der Wiener Linien wehen die Regenbogenfahnen. Ein deutliches Signal.

Ganz uneigennützig ist die Unterstützung natürlich nicht, hat sich die Stadt Wien doch schon vor 15 Jahren als Ziel für schwule und lesbische Touristen positioniert. Das ist keineswegs nur ein Akt der Toleranz, sondern auch eine Rechnung, die wirtschaftlich aufgeht. Die Stadt boomt als Reiseziel – und das nicht erst, seit im Zuge des Songcontests das Vorzeige-Testimonial Conchita Wurst gefeiert wurde.

Bewusste LGBT-Politik der Stadt

"Wien ist in Europa am aktivsten um die LGBT-Community bemüht", sagt HOSI-Wien-Obmann und Regenbogenparaden-Organisator Christian Högl. Seit dem Wechsel von Sandra Frauenberger ist Jürgen Czernohorszky als Integrationsstadtrat neuer Ansprechpartner der Szene. Und der habe überhaupt keine Berührungsängste, so Högl. Traditionell war dieser Job immer mit Frauen besetzt. Die hätten auch weniger Probleme mit dem Thema gehabt. " Doch Czernohorszky betreibt eine ganz bewusste LGBT-Politik und fördert die Community", sagt auch Wolfgang Wilhelm, Leiter der Antidiskriminierungsstelle. Das Wiener Antidiskriminierungsgesetz sei wesentlich stärker als jenes auf Bundesebene, so Wilhelm. Hinzu kommen gut ein Dutzend schwule und lesbische Bezirksräte und natürlich Markus Rumelhart, der homosexuelle Bezirksvorsteher "des schwulsten Bezirks der Stadt" – nirgendwo sonst ist die Dichte an Szene-Lokalen so groß wie in Mariahilf. "Der Support seitens der Wiener Stadtregierung ist groß", so Högl. Bürgermeister Michael Häupl zeige sich persönlich zwar selten im Rahmen von LGBT-Veranstaltungen, seine Unterstützung steht jedoch außer Frage. Man merke, dass das Interesse bestehe, zu helfen. In Wien laufe man diesbezüglich offene Türen ein.

Dennoch eine Minderheit

"Wir sind dennoch eine Minderheit", sagt Högl. Wien sei zwar Vorzeigestadt, das heiße aber nicht, dass alles eitel Wonne sei. "Schwul" sei nach wie vor ein Schimpfwort und gerade in Migranten-Communitys und bildungsfernen Schichten tue man sich heute mit Toleranz schwer. Ein Umstand, dem HOSI derzeit mit zahlreichen Projekten zu begegnen versucht. Aber auch am Arbeitsplatz und vor allem in Schulen sei Mobbing wegen der sexuellen Orientierung noch weit verbreitet, so Wilhelm. Und so entschlossen sich Kerns Rede 2016 anhörte, zur Gleichstellung der Ehe hat sie dennoch nicht geführt.

"Es ist nervenaufreibend, dass es Zusagen von Politikern gibt, Druck für eine Öffnung der Ehe zu machen, aber dann doch nichts passiert. Dass es im Jahr 2017 noch immer Diskussionen darüber geben muss, ob man den Menschen, den man liebt, heiraten darf, ist nur seltsam und frustrierend", sagt der queere Wiener Max. 150.000 Menschen marschieren am 17. Juni nicht nur zum Spaß, sondern auch aus Protest – und das schon seit 21 Jahren!

Events während der "Vienna Pride"-Woche:

Pride Day im Prater: Samstag, 10. Juni, 10 bis 19 Uhr. Live-Auftritte von Künstlern auf der Bühne am Riesenradplatz.
Party im Zoo: Sonntag, 11. Juni, 11 bis 15 Uhr. Schönbrunn steht im Zeichen der Vielfalt.
Eröffnung des Regenbogen-Familienzentrums: Dienstag, 13. Juni, 18 bis 22 Uhr. Beratung und Information für lesbische und schwule Eltern in Margareten (Franzensgasse 25/11).
Trachtenfest im Pride Village: Donnerstag, 15. Juni, 15 bis 17 Uhr. Vielfalt wird am Rathausplatz auch in Dirndl und Lederhose gelebt.

Alle Veranstaltungen sind auf der Homepage www.viennapride.at zu finden.

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