Interview Peter Hacker
"Wir brauchen andere Covid-19-Testverfahren"

Peter Hacker ist seit Mai 2018 Stadtrat für Gesundheit, Soziales und Sport. Davor war er Geschäftsführer des Fonds Soziales Wien.
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  • Foto: Markus Spitzauer
  • hochgeladen von Nicole Gretz-Blanckenstein

Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) über neue Coronatests im Herbst, die Sinnhaftigkeit der Maskenpflicht in ausgewählten Geschäften und die Kosten des KH Nord.

Wie geht es aktuell dem Wiener Gesundheitssystem?
PETER HACKER: Aktuell geht es dem Wiener Gesundheitssystem ganz gut. Das Problem ist, dass wir sehr eng geknüpfte Verträge zwischen dem Bund, den Ländern und der Sozialversicherung haben. Kurz gesagt, je mehr Steuern zahlen, umso mehr Geld fürs Gesundheitssystem. Das ist in Zeiten des Wirtschaftswachstums eine brauchbare Formel. Doch jetzt haben wir eine andere Situation. Wir haben ein negatives Wirtschaftswachstum, und das bedeutet weniger Geld für das Gesundheitssystem. Der Bund muss die notwendigen Mittel zur Verfügung stellen, um das Gesundheitssystem auf seinem jetzigen Status zu halten.

Die Wiener Patientenanwaltschaft kritisiert, dass das Hochfahren der Spitäler zu langsam und zu unorganisiert verlaufen sei. War das so?
Das Gesundheitssystem ist ein Bereich, in dem allein in den Wiener Spitälern, die der Stadt gehören, mehr als 30.000 Personen tätig sind. Die haben alle ihre Diensträder, ihre Routinen. Das sind Teams, die sich gegenseitig brauchen, um wieder in Betrieb kommen zu können, das geht nicht auf Knopfdruck. Ich finde, dass das unterm Strich sehr gut funktioniert hat. Auch während der Pandemie fanden 15.000 Operationen im Wiener Gesundheitsverbund statt.

Wie gut funktioniert die Zusammenarbeit mit den Ordensspitälern?
Sehr gut. Die Ordensspitäler sind auf bestimmte Themenfelder spezialisiert und machen dort einen hervorragenden Job ergänzend zum öffentlichen Gesundheitssystem. Genau genommen sind sie ein Teil des öffentlichen Gesundheitssystems.

Die Ermittlungen gegen das KH Nord wurden eingestellt. Dennoch bleibt die Frage offen, wie viel der Bau denn jetzt gekostet hat.
Es wird sicher noch zwei, drei Jahre dauern, bis sämtliche Abrechnungen stattgefunden haben. Wir sind in der Gewährleistungsphase und natürlich gibt es da mit Baufirmen immer Diskussionen darüber, wie viel von dem, was sie gearbeitet haben, der ursprüngliche Auftrag war und wie viel sie reparieren mussten, weil sie schlampig gearbeitet haben. Es gibt aktuell keinen Zwischenbericht, der mich daran zweifeln lässt, dass sie sich nicht an den Finanzrahmen von 1,341 Milliarden Euro halten werden.

Wie gut ist Wien für den Herbst gerüstet?
Wir sind gut gerüstet. Wir haben im ersten Halbjahr viel dazugelernt: von der Beschaffung von Schutzausrüstung bis zur besseren Behandlung von Covid-19-Patienten im Spital. Die Hotline 1450 ist darauf vorbereitet, dass sie ein Zehnfaches der Anrufe abarbeiten kann. Denn genau das wird im Herbst passieren, wenn sich Husten, Schnupfen und Heiserkeit verbreiten. Wir brauchen andere Testverfahren – da stehen wir kurz vor einem großen Schritt.

Meinen Sie die Gurgeltests?

Genau. Das Ziel ist, vom Abstrichnehmen wegzukommen. Dadurch wären die Abläufe, bis wir zu einem Test und einem Testgerät kommen, wesentlich einfacher und schneller.

Ab wann wäre das denkbar?
Ab Herbst. Genaueres kann ich noch nicht sagen. Ich gehöre nicht zu denjenigen, die etwas ankündigen, sondern erst gackern, wenn das Ei gelegt ist.

Sind Sie für eine Maskenpflicht auf stark frequentierten Plätzen?
Ich glaube, dass wir aus der Wissenschaft schon lernen können, dass die Ansteckungsgefahr unter freiem Himmel sehr gering ist. Anders schaut es im geschlossenen Raum aus. Ich finde es im Augenblick ein bisschen unschlüssig, dass man in manchen Geschäften eine Maske tragen muss und in anderen nicht. Denn dem Virus ist es ziemlich wurscht, ob es ein Schuhgeschäft, ein Supermarkt oder eine Apotheke ist. Wenn wir der Meinung sind, dass es jetzt schon notwendig ist, in Geschäften eine Maske zu tragen, dann sollte das für alle Geschäfte gelten.

Soll es auch in Schulen und Kindergärten eine Maskenpflicht geben?
Wir wissen, dass Kinder und Jugendliche bei der Ansteckung und Verbreitung des Virus eine geringe Rolle spielen. Es gibt keinen Grund dafür, dass Schülerinnen und Schüler sowie Kindergartenkinder eine Maske tragen.

Werden die Schulen normal starten?
Wir können nicht verlangen, dass die Leute jeden Tag in der Früh hoffen, dass keiner anruft und sagt, die Schule oder der Kindergarten hat geschlossen. Das geht nicht. Wir müssen Betriebssicherheit garantieren.

Sie sind einer der wenigen Politiker, die regelmäßig sehr direkt ihre Meinung sagen und die Maßnahmen der Regierung hinterfragen. Fühlen Sie sich da nicht ein bisschen wie Don Quijote?
Nein, überhaupt nicht. Manchmal denke ich mir, es liegt wahrscheinlich daran, dass ich so alt bin wie der Bundeskanzler und ein Minister zusammen. Ich habe so viel Lebens- und Berufserfahrung hinter mir, ich sehe keinen Grund, warum ich einen auf Zahnstocher machen soll. Die Bevölkerung erwartet sich von uns, dass wir sie gut durch die Krise führen. Und wenn ich der Meinung bin, dass das in einigen Bereichen nicht stattfindet, dann gibt es für mich keinen Grund dafür, das runterzuschlucken und den Diener zu machen.

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