Insolvenzstatistik
Mehr Firmenpleiten und immer mehr Totalausfälle in Wien

Der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) hat sich die Insolvenzstatistik für das erste Halbjahr in Wien angesehen. Immer öfter können Verfahren nicht einmal mehr eröffnet werden. (Symbolbild) | Foto: pexels / Markus Spiske
3Bilder
  • Der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) hat sich die Insolvenzstatistik für das erste Halbjahr in Wien angesehen. Immer öfter können Verfahren nicht einmal mehr eröffnet werden. (Symbolbild)
  • Foto: pexels / Markus Spiske
  • hochgeladen von Johannes Reiterits

Der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) hat sich die Wiener Insolvenzstatistik für das abgelaufene erste Halbjahr 2026 angesehen. Es gab einen Rückgang bei den eröffneten Insolvenzverfahren. Der Haken: Liegt daran, dass bei vielen kaum mehr was zu holen ist. Zählt man diese zu den eröffneten Verfahren hinzu, stieg die Zahl an Firmenpleiten zum Vergleichszeitraum 2025.

WIEN. Wenn es wirtschaftlich gar nicht mehr gut für die Firma rennt, bleibt oft nur mehr der Gang zum Wiener Handelsgericht. Das ist sowohl für das kleine Unternehmen von nebenan wie auch für die großen Konzerne gleich. In Erinnerung blieben etwa die beachtlichen Immo-Pleiten der jüngsten Jahre.

Der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) schaut sich dazu in regelmäßigen Abständen die Insolvenzstatistik an, dieses Mal für das gerade abgelaufene erste Halbjahr 2026. Viel Positives überwiegt wieder nicht, wenn man ins Detail geht.

Weniger Verfahrenseröffnungen

Zunächst zum Lichtblick: Im ersten Halbjahr gab es einen doch recht deutlichen Rückgang an eröffneten Insolvenzverfahren. Beispiele für solche Verfahren sind Sanierungsvorhaben, bei denen Gläubigern eine gewisse Rückzahlungsquote angeboten wird. 685 solche Entschuldungsvorgänge mussten in Gang gesetzt werden, gleich um 14,27 Prozent weniger als noch im Vergleichszeitraum 2025 (damals 799 Insolvenzeröffnungen). 

Mindestens 4.000 Euro sind für ein kostendeckendes Verfahren erforderlich. Ist dieses Vermögen nicht vorhanden, wird der Entschuldungsprozess nicht in Gang gesetzt. (Symbolbild) | Foto: pexels / Jakub Zerdzicki
  • Mindestens 4.000 Euro sind für ein kostendeckendes Verfahren erforderlich. Ist dieses Vermögen nicht vorhanden, wird der Entschuldungsprozess nicht in Gang gesetzt. (Symbolbild)
  • Foto: pexels / Jakub Zerdzicki
  • hochgeladen von Johannes Reiterits

Bereits im zweiten Halbjahr 2025 war ein leichter Rückgang bemerkbar, dieser Trend manifestiert sich jetzt. Zwei Gründe machen die AKV-Experten dafür fest. Einerseits schlittern zuletzt weniger Immobilienkonzerne in den tiefroten Zahlen. Die Branche war bekanntermaßen besonders von den wirtschaftlich negativen Rahmenbedingungen der jüngeren Vergangenheit betroffen.

Andererseits – und genau das löst große Sorgenfalten beim AKV aus – werden immer öfter Verfahren gleich zu Beginn abgewiesen. Das passiert vor allem dann, wenn nicht einmal mehr genug Vermögenswerte vorhanden sind, um die Kosten zur Abwicklung von 4.000 Euro zu decken.

Totalausfälle mehren sich

Ist das der Fall, kommt es zu sogenannten Verfahrensabweisungsbeschlüssen. 28,22 Prozent mehr solche Fälle gab es im ersten Halbjahr 2026 (727 an der Zahl) verglichen zu den ersten sechs Monaten 2025 (567). Nicht nur sei dies bedenklich, das ändert auch den Blick auf die Statistik. Zählt man nämlich eröffnete Verfahren und Abweisungen zusammen, bleiben gesamt 1.412 Pleiten unterm Strich in Wien. Das sind um 3,37 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2025 (damals 1.366).

Für die Gläubiger, aber auch die betroffenen Schuldnerunternehmen sind solche Verfahrensabweisungen alles andere als ideal. Könnten Betriebe doch etwa durch ein Sanierungsverfahren wieder auf solide wirtschaftliche Beine gestellt und Schuldenstände zumindest teilweise getilgt werden.

Aber selbst wenn solche Insolvenzverfahren in Gang gebracht werden, bleibt die Lage angespannt. Im ersten Halbjahr konnten nur mehr in 14,59 Prozent der Fälle die Sanierungspläne von den Gläubigern angenommen werden. Im Gesamtjahr 2025 waren es noch 21,48 Prozent. In beinahe jedem zweiten Verfahren (47,72 Prozent) kam es 2026 dann zu einem Totalausfall für die Gläubiger. 2025 waren es noch 36,57 Prozent.

Weniger Passiva und betroffene Dienstnehmer

Was den Gesamtschuldenstand der neuen Insolvenzen angeht, so gibt es einen großen Rückgang. Auch hier wieder: liegt zum Teil an deutlich mehr abgewiesenen Verfahren. Aber auch die Entspannung am Immobiliensektor, wo gerade große Schuldensummen im Spiel sind, hilft. So sank das Gesamtpassiva um beachtliche 74,91 Prozent zum Vorjahreszeitraum (2026: 1,23 Milliarden Euro zu 2025: 5,1 Milliarden Euro).

Besonders im März wurden viele Firmeninsolvenzen in Wien eröffnet. | Foto: Screenshot AKV
  • Besonders im März wurden viele Firmeninsolvenzen in Wien eröffnet.
  • Foto: Screenshot AKV
  • hochgeladen von Johannes Reiterits

Trotz Entspannung gehören zu den Top-Insolvenzen bis dato aber wieder Immounternehmen. Die Georg Coch Platz Immobilien GmbH & GmbH OG führt mit 320 Millionen Euro Passiva. Diese stammt aus dem Signa-Universum und war Eigentümerin des Postsparkassen-Gebäudes. Es folgt ein Einzelunternehmen (nicht näher genannt) aus dem 2. Bezirk mit gerundet 57,8 Millionen Euro. Auch Hagenauer Austria – als Generalunternehmer für den Umbau des alten Handelsgerichts zum "Mandarin Oriental Wien" eins tätig – ist mit rund 44,2 Millionen Euro unter den Top 3, gefolgt von der Hafen Korneuburg Immobilien GmbH & Co KG – ebenfalls ein Signa-Altbestand – mit 39 Millionen Euro.

Auch mussten zumindest bei den eröffneten Insolvenzen weniger Menschen um ihre Jobs fürchten als noch im ersten Halbjahr 2025. Die Anzahl der bei Insolvenzeröffnung beschäftigten Dienstnehmer ist in Wien um 13,23 Prozent auf 1.784 betroffene Arbeitnehmer gesunken (2025: 2.056).

Mehr zum Thema:

2025 war nächstes Rekordpleitenjahr für Wiener Betriebe
Rechtsstreit rund um Wiener Luxushotel endet mit Insolvenz
Fast 40 Prozent aller Pleiten treffen im ersten Halbjahr 2026 Wien
Der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) hat sich die Insolvenzstatistik für das erste Halbjahr in Wien angesehen. Immer öfter können Verfahren nicht einmal mehr eröffnet werden. (Symbolbild) | Foto: pexels / Markus Spiske
Mindestens 4.000 Euro sind für ein kostendeckendes Verfahren erforderlich. Ist dieses Vermögen nicht vorhanden, wird der Entschuldungsprozess nicht in Gang gesetzt. (Symbolbild) | Foto: pexels / Jakub Zerdzicki
Besonders im März wurden viele Firmeninsolvenzen in Wien eröffnet. | Foto: Screenshot AKV

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

UP TO DATE BLEIBEN


Hier gehts zu den aktuellen Nachrichten aus Wien

Breaking News als Push-Nachricht direkt aufs Handy

MeinBezirk auf Facebook

MeinBezirk auf Instagram

MeinBezirk auf Twitter

MeinBezirk auf WhatsApp

ePaper jetzt gleich digital durchblättern

Storys aus deinem Bezirk und coole Gewinnspiele im wöchentlichen MeinBezirk.at-Newsletter


Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Foto des Tages einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Du möchtest selbst beitragen?

Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.