Wien
Studierende entwickeln Mini-Bim-Haltestelle für den Schreibtisch
- Ein Instagram Reel geht derzeit in Wien durch die Decke. Es zeigt das Produkt "Straba", die Mini-Öffi-Haltestelle mit Echtzeitinfos, ideal für den Schreibtisch.
- Foto: Straba
- hochgeladen von Antonio Šećerović
Ein Instagram Reel geht derzeit in Wien durch die Decke. Es zeigt das Produkt "Straba", die Mini-Öffi-Haltestelle mit Echtzeitinfos, ideal für den Schreibtisch. Hinter dem Projekt stehen drei Studierende der TU Wien. MeinBezirk hat mit einem der Entwickler sowie mit den Wiener Linien gesprochen.
WIEN. Auf Wiens Straßen kann man seit Herbst 2021 das neue Design von Bim- und Bus-Haltestellen sehen. Dieses wurde von den Wiener Linien entwickelt, um Fahrgäste mit vielen nützlichen Informationen zu versorgen. Oben am Mast befindet sich ein großer Abfahrtsmonitor, der in Echtzeit die nächsten Abfahrten anzeigt, und unten befindet sich ein E-Fahrplan mit einigen Zusatzfunktionen. MeinBezirk berichtete damals:
Im Zuge dessen hat das städtische Verkehrsunternehmen drei Arten von neuen Haltestellenstangen in Wien aufgestellt, entweder ohne oder mit E-Fahrplan oder mit E-Paper und der digitalen Anzeigentafel dazu. Die Haltestelle ist großteils rot, die Spitze ist weiß, geschmückt mit dem Logo der Wiener Linien. Zusätzlich dazu befinden sich auch die Logos der jeweiligen Bim- und Buslinien auf der Stange mit dem Namen der Station.
Instagram Reel geht durch die Decke
Etwa dreieinhalb Jahre später gibt es diese Haltestelle als Mini-USB-Option für den Schreibtisch. „Straba“ heißt das Produkt, die Mini-Öffi-Haltestelle mit Echtzeitinfo. Ein Instagram Reel geht gerade durch die Decke, darin wird das Produkt, welches viele Öffi-Herzen höherschlagen lässt, präsentiert. Die Insta-Nutzer sind begeistert: „Wo? Wann? Wie viel? Ok, vergisst die letzte Frage und nimm mein Geld“, „Das ist absolut genial“ und „Wenn das so geht, wäre schon krank“. Nur der Preis von 97 Euro wird kritisch gesehen.
„Straba“ zeigt tatsächlich die Echtzeit-Abfahrten von deinen Lieblingsstationen, kann mit WLAN verbunden werden und passt auf jeden Schreib- oder Nachttisch oder ins Regal. Hinter dem Projekt stehen drei Studierende der Technischen Universität (TU) Wien mit einer „großen Liebe zu den Öffis“, heißt es auf der Website.
Identische Kopien nicht erlaubt
MeinBezirk sprach mit dem Entwickler des Produkts, Paul Nowak. Der 21-Jährige studiert Raumplanung und -ordnung an der TU Wien und betreibt den YouTube-Kanal "aufschiene": „Das Projekt ist ursprünglich im Freundeskreis entstanden. Wir haben ein kleines Modell der Haltestelle gebastelt, das optisch an das bekannte Stadtbild erinnert, und es zunächst verschenkt. Aufgrund des wachsenden Interesses haben wir das Projekt weiterentwickelt – dabei aber besonderen Wert darauf gelegt, alle rechtlichen Rahmenbedingungen einzuhalten.“
- Auf Wiens Straßen kann man seit Herbst 2021 das neue Design von Bim- und Bus-Haltestellen sehen.
- Foto: Weingartner-Foto / picturedesk.com
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Denn einige fragen sich natürlich, so gut die Idee ist, ob das überhaupt erlaubt ist und nicht Designraub wäre? Eine Sprecherin der Wiener Linien sagte auf MeinBezirk-Anfrage, dass das Produkt dem Unternehmen bekannt ist, es handelt sich dabei jedoch um keine Kooperation und ist deshalb nicht im Shop erhältlich. Während die Echtzeitdaten („Open Data“) für Entwickler verfügbar sind und diese verwendet werden dürfen, müssen die "Straba"-Entwickler das Markenrecht berücksichtigen, denn: „Identische Kopien von Designs sowie die Verwendung des Logos sind nicht erlaubt“, sagt Sprecherin Katharina Steinwendtner.
Modell vollständig überarbeitet
Nowak schildert, dass man in der Entwicklungsphase mit den Wiener Linien in Kontakt stand und dem Trio wurde deutlich gemacht, dass die Designs, Logos sowie die Marken der Wiener Linien "immaterialgüterrechtlich geschützt" sind. Also habe man das Modell vollständig überarbeitet und weder Logo noch die Original-Schriftarten oder die Farben verwendet. Auch wurden keine originalgetreuen Proportionen oder Maße benutzt sowie auf Designelemente, wie etwa dem transparenten Lichtkasten an der Spitze, verzichtet.
- Der 21-jährige Paul Nowak studiert Raumplanung und -ordnung an der TU Wien und betreibt einen YouTube-Kanal über Mobilität.
- Foto: Straba
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Um keine Verwechslungsgefahr zu schaffen, enthalten die „Straba“-Modelle auch keine weißen Markierungsstreifen. „Wir sehen unser Produkt somit als eigenständige, urbane Miniatur-Interpretation, die zwar inspiriert ist vom Stadtbild, aber alle geschützten Designmerkmale bewusst vermeidet. Bislang haben wir keine Beanstandung seitens der Wiener Linien erhalten – wir stehen ja in Kontakt, und sie verfügen über unsere Kontaktdaten“, schildert Nowak. Gemeinsam arbeitet er mit dem Wirtschaftsingenieurwesen-Studenten Julius und Raumplanungsstudentin Elli.
Warum es fast 100 Euro kostet
Die drei Studierenden hatten ursprünglich die Idee, die Mini-Haltestelle im Webshop der Wiener Linien zu verkaufen. Jedoch würde laut MeinBezirk-Informationen die Firma ausschließlich Produkte unter 60 Euro anbieten, die man in großen Mengen produzieren kann.
„Wir sind Öffi-Fans, wohnen in Wien und machen jetzt ein Produkt für Öffi-Nutzerinnen und -Nutzer sowie Supporterinnen und Supporter. Das Coole daran ist: Es ist nicht irgendein generisches Ding – es ist wirklich für Wien gemacht. Und das finden wir einfach so cool“, meint Novak abschließend.
- Die drei Studierenden hatten ursprünglich die Idee, die Mini-Haltestelle im Webshop der Wiener Linien zu verkaufen.
- Foto: Straba
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Die Produktionskosten liegen bei 55 Euro. Da ausschließlich in Wien produziert wird und alles handgemacht sei, verlangt man eben einen Preis von mehr als 90 Euro. Man produziere bewusst in der Hauptstadt und verwendet recyceltes Polylactide (PLA), das "ungefähr doppelt so viel kostet wie herkömmliches Filament". Auch setze man auf ein "sehr hohes Qualitätsmanagement", weil jede Station vor der Auslieferung einmal auf Fehler überprüft wird.
Bald auch mit ÖBB verbunden?
Für die Zukunft plant das Trio eine Integration mit den ÖBB: "Perspektivisch wollen wir das System auf die deutschen Städte wie München, Hamburg oder Nürnberg ausweiten." Man sei überwältigt vom Feedback und Support. Die "Straba"-Mini-Haltestelle ist unter straba.at um 97 Euro in roter oder blauer Farbe erhältlich. Geliefert wird laut eigenen Angaben in ein bis zwei Wochen.
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