Wertschöpfung & Jobs
Wiens Industrie würde von Mercosur stark profitieren
- Kommt es zum Vertragsabschluss beim Mercosur-Abkommen, so würde die Wiener Industrie stark von den Effekten profitieren. (Symbolbild)
- Foto: Janno Nivergall/Pixabay
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Nach jahrzehntelangen Verhandlungen zum Mercosur-Abkommen kommt auf EU-Ebene Bewegung in die Sache rein. In Wien würde die Industrie vom Freihandelsabkommen deutlich profitieren. Die jährliche Wertschöpfung durch den Wegfall von Zöllen und Co. würde sich um jährlich knapp 40 Millionen Euro erhöhen. Zusätzlich würden durch Einmaleffekte rund 300 neue Arbeitsplätze geschaffen.
SÜDAMERIKA/WIEN. Der Begriff "Mercado Común del Sur" sagt wohl den meisten in Österreich nur wenig. Viel prägender ist die Abkürzung, ist sie doch seit Jahren in den Schlagzeilen: Mercosur. Unter dem Wirtschaftsbündnis vereinigen sich derzeit fünf südamerikanische Staaten: Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay und Bolivien. Auch wenn Venezuela seit 2016 dauerhaft aus der Wirtschaftsunion suspendiert wurde, gilt Mercosur als drittgrößter Markt der Welt. Sind doch auch die restlichen Länder Südamerikas assoziierte Staaten, also keine Vollmitglieder bei Mercosur, jedoch durch einzelne Vereinbarungen an dem Handelsbündnis beteiligt.
Nicht umsonst ist die Europäische Union (EU) bereits seit Jahrzehnten um ein Freihandelsabkommen zwischen dem südamerikanischen und europäischen Wirtschaftsraum bemüht. 2019 einigte man sich auf das Mercosur-Abkommen. Ein großer Teil der Zölle soll reduziert bzw. gestrichen werden. Aber auch die Anpassung von Warenstandards steht im Raum, um den Handel zwischen den Wirtschaftsräumen zu erleichtern. Dies stößt gerade der europäischen Landwirtschaft und bei Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace sauer auf. Es geht also um die Details.
- Beim Freihandelsabkommen zwischen der südamerikanischen und europäischen Wirtschaftsunion geht es um die Details. Wie so oft liegt aber genau hier der Haken in der Sache.
- Foto: Rupert Oberhaeuser / Caro / picturedesk.com
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Während der Widerstand in großen Teilen der EU groß ist, arbeitet man in Brüssel an der Ausarbeitung der genauen Inhalte des Abkommens. Vorgegebenes Ziel ist der größtmögliche Schutz heimischer Produzenten beim gleichzeitigen Abbau von Export-Hindernissen. Anfang September hat sich die EU-Kommission als eine der nötigen Gremien grünes Licht für eine entsprechend ausgearbeitete Fassung gegeben. Jetzt müssen noch die EU-Mitgliedsstaaten und das Europaparlament dem zustimmen. Immerhin würde die österreichische Industrie stark profitieren, wie jetzt die Bank Austria analysiert hat.
300 neue Jobs in Wiener Industrie
2024 generierte die Nachfrage der Mercosur-Staaten nach Gütern – direkt oder über Zulieferketten – eine Wertschöpfung in Österreich von rund 700 Millionen Euro, daran hängen rund 5.000 Arbeitsplätze in der Industrie, rechnet man vor: "Nach Schätzungen der Europäischen Kommission könnte das Abkommen die EU-Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen nach Südamerika um rund 40 Prozent steigern."
Auf Österreich umgerechnet würde dies eine jährlich generierte zusätzliche Wertschöpfung von rund 300 Millionen Euro bringen. 2.000 zusätzliche Industriearbeitsplätze würden so geschaffen. Unter den deutlichen Gewinner-Bundesländern wäre da auch Wien. Derzeit exportiert man aus der Bundeshauptstadt vor allem pharmazeutische Produkte nach Südamerika. Aber auch die Zuliefererbranche für den Fahrzeug- sowie der Maschinenbau könnte Vorteile vom Freihandelsabkommen haben, heißt es vom Bankenhaus gegenüber MeinBezirk.
- Österreich exportiert in Richtung Südamerika zuletzt vor allem nach Brasilien und Argentinien.
- Foto: UniCredit, Statistik Austria
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Knapp 40 Millionen Euro mehr Wertschöpfung für die Wiener Industriebetriebe würden jährlich durch einen positiven Vertragsabschluss zwischen der EU und den Mercosur-Staaten entstehen, rechnet die Analyseabteilung der Bank Austria vor. Zusätzlich würden durch Einmaleffekte über die ersten Jahre bis zu 300 neue Industriearbeitsplätze in der Hauptstadt geschaffen werden.
Auch Abseits blicken
Soviel zu den Positiv-Effekten und auch nur in der Industrie. Bei der Bank Austria betont man, dass man sich nur diese genauer angesehen hat. Eventuelle Negativeffekte, gerade aus anderen Branchen, werden dabei nicht in Daten gegossen. Man betont jedenfalls, dass der Druck auf die heimische Landwirtschaft durch billigere Fleischimporte aus Südamerika wachsen würde.
Da zeigt sich auch Greenpeace alarmiert. Man habe das bereits von der EU-Kommission abgesegnete Paket genauer studiert: "Tritt der umstrittene Handelspakt in Kraft, wird vor allem der Handel mit umweltzerstörerischen Produkten wie Rindfleisch, Zucker oder Mais aus Südamerika, massiv zunehmen."
- Österreich exportiert in Richtung Südamerika zuletzt vor allem nach Brasilien und Argentinien.
- Foto: UniCredit, Statistik Austria
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Gleichzeitig sollte man das Gewicht eines Freihandels mit Südamerika nicht überbewerten, so der Bank Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer: "Das Mercosur-Abkommen ist eine wichtige Ergänzung zu bestehenden Handelsbeziehungen, ersetzt diese aber nicht – die Wirtschaftskraft der Mercosur-Staaten beträgt nur rund zehn Prozent jener der USA." Österreichs Bundesregierung zeigte sich jedenfalls schonmal zurückhaltend, aber grundsätzlich positiv gestimmt zum neu ausverhandelten Vorschlag aus Brüssel. Man würde jedoch noch auf die Details warten, hieß es zuletzt. 2021 stimmten noch alle Parteien bis auf Neos gegen das Mercosur-Abkommen. Mit dem neuen Entwurf dazu könnte sich das jetzt durchaus verändern.
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