Radverkehr in Wiener Neustadt
620.000 Euro investiert, doch die Opposition sieht nur leere Worte
- Die Grünen sehen Verbesserungsbedarf: Gemeinderätin Elke Szalai und Gemeinderat Michael Diller-Hnelozub am Ende des Radweg-Abschnitts in der Wohlfahrtgasse.
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Wiener Neustadts bunte Stadtregierung investiert rund 620.000 Euro in den Radverkehr. Doch Grüne und NEOS sehen den Plan noch skeptisch. Von "fehlender Vision" bis zu "leeren Worten und Taten" ist die Rede.
WIENER NEUSTADT. Vergangenen Freitag hat die bunte Stadtregierung sie angekündigt: die große Radverkehrsoffensive 2026. Rund 620.000 Euro werden in die Hand genommen und in den Ausbau und die Attraktivierung des Radverkehrs gesteckt. Doch die Oppositionsparteien sehen die Maßnahmen kritisch. Den Grünen fehlt die Vision (Wohlfahrtgasse), sie können aber verschiedenen Maßnahmen etwas Positives abgewinnen (Ausbau von nextbike). Die NEOS sehen wiederum "nur leere Worte und Taten". Vor allem, dass der Ausbau der Kollonitschgasse nun nicht einmal mehr berücksichtigt sei, stößt den NEOS sauer auf.
Nur leere Worte und Taten
Die NEOS zeigen sich von der Radverkehrsoffensive 2026 nicht überzeugt. „Jedes Jahr das gleiche Schauspiel: Die Stadtregierung kündigt eine große ‚Offensive‘ an. Die Hälfte davon ist reine Instandhaltung oder Farbmarkierungen. Die andere Hälfte besteht aus Versprechen, die nie eingelöst werden. Echter Fortschritt lässt sich schon lange nicht mehr erkennen“, kritisiert NEOS-Gemeinderat Bernhard Lutzer.
- Bernhard Lutzer (NEOS) zur Radoffensive: "Bei solchen halbherzigen Maßnahmen denkt niemand ernsthaft darüber nach, öfters mit dem Rad zu fahren."
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Als Beispiel führen die NEOS den Radweg in der Kollonitschgasse an: 2023 angekündigt, angeblich in Planung – doch heuer fehlt jede Erwähnung. „Seit Jahren setzt die Stadtregierung auf wenig sinnvolle Radwege in Nebenstraßen, statt für sichere Hauptverkehrsrouten zu sorgen. Bei solchen halbherzigen Maßnahmen denkt niemand ernsthaft darüber nach, öfters mit dem Rad zu fahren“, so Lutzer.
Klare Vision fehlt
Die Grünen Wiener Neustadt begrüßen zwar einzelne Verbesserungen der neuen Radverkehrsstrategie 2026, sehen insgesamt aber weiterhin keine klare Vision für die Mobilität der Zukunft. Verzögerungen, Nachbesserungen und selbst verursachte Lücken würden den Radwegebau in Wiener Neustadt seit Jahren prägen.
- Gemeinderätin DI Elke Szalai und Gemeinderat Michael Diller-Hnelozub am Ende des Radweg-Abschnitts in der Wohlfahrtgasse.
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„Wie schon in den Vorjahren sehen wir auch 2026, dass die Ankündigungen die Taten übertreffen. Noch immer fehlt die langfristige Vision“, erklärt Gemeinderätin DI Elke Szalai.
Positiv bewerten die Grünen unter anderem den Lückenschluss entlang der Aspanger Zeile, zusätzliche Radüberfahrten sowie den Ausbau des nextbike-Systems. Gleichzeitig kritisieren sie jedoch, dass viele Projekte verspätet, unkoordiniert oder nur abschnittsweise umgesetzt werden.
Besonders sichtbar sei das rund um die Wohlfahrtgasse. Dort werde seit Jahren umgebaut und nachgebessert, ohne dass ein klares Gesamtkonzept erkennbar sei. „Die Wohlfahrtgasse bleibt wohl bis zur nächsten Gemeinderatswahl eine Baustelle. Das häppchenweise Vorgehen wirft auch die Frage auf, ob eine gesamtheitliche Planung und Umsetzung nicht günstiger wäre“, so Gemeinderat Michael Diller-Hnelozub.
Auch bei der Aspanger Zeile habe die Stadt zuerst die Fertigstellung der Bahnunterführung abgewartet, bevor überhaupt mit der Planung des anschließenden Radwegs begonnen wurde. Ähnlich sei die Situation beim Alten Stadion und dem Doppel-Kreisverkehr bei der Merkur City: Erst Jahre nach Fertigstellung werde nun über eine sichere Einbindung des Radverkehrs aus der Bierenz-Gasse nachgedacht.
Fehlende Umsetzung
Kritisch sehen die Grünen außerdem die fehlende Umsetzung der Neugestaltung des Hochstetter-Platzes und der Nestroystraße mit sicheren Radwegen und Tempo 30. Auch die Absage bereits geplanter Maßnahmen in der Ungargasse und der Kollonitschgasse schade der Sicherheit und Attraktivität des Radverkehrs.
Die angekündigten Investitionen von rund 620.000 Euro seien zudem wenig ambitioniert. Vorreiter Städte gleicher Größe investieren bis zu 1 Million Euro und schaffen es damit bereits auf durchgehende Hauptradrouten, baulich getrennte Radwege und Verkehrsberuhigung zu setzen, während in Wiener Neustadt weiterhin Mischwege und punktuelle Einzelmaßnahmen dominieren. Damit bleibt Radfahren in Wiener Neustadt nicht ungefährlich, die Maßnahmen ein Flickwerk.
Plan gefordert
Die Grünen fordern daher einen öffentlich einsehbaren Radverkehrs-Masterplan, ein klares Hauptradwegenetz, sichere Radwege auf Hauptachsen sowie mehr Verkehrsberuhigung und bessere Verbindungen zu Bahn und Bus.
„Wiener Neustadt hat großes Potenzial für den Alltagsradverkehr. Aber dafür braucht es mehr als kleine Einzelmaßnahmen – es braucht endlich eine klare Vision“, so die Grünen Wiener Neustadt abschließend.
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