NEOS testen Radwegenetz
Wiener Neustadts Radwege sind ein Flickenteppich, der Radler frustriert

Bei der pinken Radltour, die dem Erfahrungsbericht zugrunde liegt: Michael Klausner (als Vertretung der Radlobby), Theodor Harnisch, Bernhard Lutzer, Ewald Bechtloff, Uli Eichner. | Foto: NEOS
  • Bei der pinken Radltour, die dem Erfahrungsbericht zugrunde liegt: Michael Klausner (als Vertretung der Radlobby), Theodor Harnisch, Bernhard Lutzer, Ewald Bechtloff, Uli Eichner.
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Die NEOS unternahmen im Juni eine Fahrt mit dem Rad durch Wiener Neustadt. Nun veröffentlichten sie ihren Erfahrungsbericht zur Pinken Radltour. Fazit der NEOS: Es herrscht massiver Verbesserungsbedarf.

WIENER NEUSTADT. Anfang Juni testeten die NEOS einen Nachmittag lang das städtische Radwegenetz. Vor Kurzem legten sie ihren Erfahrungsbericht zur Pinken Radltour vor – mit klarer Benennung von Mängeln und konkreten Verbesserungsvorschlägen.

Die 5 wichtigsten Punkte

Die NEOS haben ihre in einem 26-seitigen Dokument zusammengefasst. Einer der Hauptkritikpunkte ist darin die mangelnde Alltagstauglichkeit des Wiener Neustädter Radwegenetzes. Die Forderung nach einem Gesamtkonzept wird laut. Im Folgenden die fünf wichtigsten Punkte aus dem Bericht:

  • Fleckerlteppich statt durchgängiges Radwegenetz

Das Radwegenetz in Wiener Neustadt bestehe aus vielen isolierten Abschnitten, die oft abrupt enden. Es fehle an durchgehenden, vernetzten Routen, die eine sichere und effiziente Fahrt durch die Stadt ermöglichen. Dies führe zu Unsicherheiten und Umwegen für Radfahrer:innen.

Beispiel: In der Kollonitschgasse endet der Radweg nach 30 Metern abrupt und zwingt Radfahrer:innen auf die Fahrbahn. Ein durchgehender, beidseitig befahrbarer Radweg wird gefordert, ist aber seit Jahren nur "in Planung". In der Wohlfahrtsgasse wechseln sich Radweg, Fahrstreifen und Geh- und Radweg mehrfach ab, was zu Unsicherheiten und Umwegen führt.

  • Bauliche und sicherheitstechnische Mängel

Viele Radwege seien in schlechtem Zustand (Schlaglöcher, Risse, holprige Übergänge). Sichtbehinderungen durch Sträucher, fehlende Verkehrsspiegel und unklare Vorrangsituationen erhöhen das Unfallrisiko. Besonders an Kreuzungen und Einfahrten bestehe Verbesserungsbedarf.

Beispiele: Die Josef-Mohr-Gasse ist von Schlaglöchern und Rissen übersät, was die Fahrt unsicher macht. Eine Sanierung wird dringend empfohlen. An der Bahnunterführung Pernerstorferstraße ist die Sicht auf den Verkehr stark eingeschränkt. Ein Verkehrsspiegel wird als Lösung vorgeschlagen. Der Abschnitt entlang der St. Christiana ist nicht asphaltiert und zu schmal, was zu Konflikten zwischen Fußgänger:innen und Radfahrer:innen führt. Eine Verbreiterung und Asphaltierung wird empfohlen.

  • Fehlende oder unklare Beschilderung und Markierung

An zahlreichen Stellen sei nicht klar, wie die Route weiterführt, ob ein Radweg beidseitig befahrbar ist oder wie der Anschluss an den nächsten Abschnitt erfolgt. Dies führt zu Verwirrung und erhöht das Konfliktpotenzial mit anderen Verkehrsteilnehmern.

Beispiel: Am Ende der Fischabachgasse fehlt eine Beschilderung, die auf alternative Routen und Radfahrerüberfahrten hinweist. Dies führt zu Verwirrung. Im Bereich des Biotops beim EKZ-Fischapark ist nicht klar, ob es sich um einen Radweg handelt. Ein Geh- und Radweg-Schild wird gefordert. An der Rampe der Fischauer Gasse ist die Markierung unzureichend und ein Verkehrsspiegel wird vorgeschlagen, um die Sicht zu verbessern.

  • Alltagstauglichkeit und Komfort werden nicht ausreichend berücksichtigt

Das bestehende Netz sei nicht auf die Bedürfnisse des Alltagsverkehrs ausgerichtet. Es fehlen direkte, komfortable und sichere Verbindungen zwischen wichtigen Stadtteilen und Zielen. Aspekte wie Sonnenschutz, Windschutz und ein angenehmes Höhenprofil werden kaum beachtet.

Beispiel: An der Stadionstraße gibt es nur einen Zebrastreifen, was das Queren für Radfahrer:innen erschwert. Eine Blinkampel und Warnhinweise werden als praktikable Lösung vorgeschlagen. Der Geh- und Radweg an der Volksbadgasse ist zu schmal, besonders an Bushaltestellen. Eine Verbreiterung und bessere Führung des Radwegs werden empfohlen. An der Ampel beim Fischapark müssen Radfahrer:innen an Feiertagen lange warten, obwohl kaum Verkehr herrscht.

  • Konkrete Verbesserungsvorschläge und Forderung nach einem Gesamtkonzept

Der Bericht enthält zahlreiche konkrete Vorschläge, z.B. für durchgehende Radwege, bessere Beschilderung, Sanierung von Problemstellen und die Schaffung sicherer Querungen. Die NEOS fordern ein stadtweites, alltagstaugliches Gesamtkonzept, das auf empirischen Daten und den tatsächlichen Bedürfnissen der Radfahrer:innen basiert.

Verbesserungsvorschläge im Detail

Hier einige Beispiele der Verbesserungsvorschläge, die die NEOs aufgrund ihrer eigenen Radtour erstellt haben:

Durchgängigkeit und Vernetzung des Radwegenetzes

  • Problem: Das bestehende Netz ist ein "Fleckerlteppich" aus isolierten Abschnitten, die oft abrupt enden.
  • Vorschläge:
  • Schaffung durchgehender, vernetzter Routen zwischen allen Stadtteilen.
  • Beispiel: Ein beidseitig befahrbarer Radweg entlang der gesamten Kollonitschgasse und Wohlfahrtsgasse, statt mehrfacher Unterbrechungen und Wechsel zwischen Fahrbahn und Radweg.
  • Vermeidung von Umwegen und Zick-Zack-Führungen, z.B. an der Kreuzung Wohlfahrtsgasse/Fischabachgasse.

Bauliche Qualität und Sicherheit

  • Problem: Viele Radwege sind in schlechtem Zustand (Schlaglöcher, Risse, holprige Übergänge), Sichtbehinderungen und unklare Vorrangsituationen erhöhen das Unfallrisiko.
  • Vorschläge:
  • Sanierung von Radwegen (z.B. Josef-Mohr-Gasse, Glitschwertgasse, Zehnergürtel).
  • Installation von Verkehrsspiegeln an schlecht einsehbaren Kreuzungen (z.B. Bahnunterführung Pernerstorferstraße, Gröhrmühlgasse).
  • Verbreiterung und Asphaltierung von Engstellen (z.B. Abschnitt entlang der St. Christiana).

Beschilderung und Markierung

  • Problem: Fehlende oder unklare Beschilderung erschwert die Orientierung und führt zu Konflikten.
  • Vorschläge:
  • Klare Beschilderung an Weggabelungen und Enden von Radwegen (z.B. am Biotop beim EKZ-Fischapark, Ende der Nebengasse an der Fischauer Gasse).
  • Markierung beidseitig befahrbarer Abschnitte und eindeutige Hinweise auf alternative Routen.
  • Farbige Bodenmarkierungen und zusätzliche Verkehrsspiegel an kritischen Stellen (z.B. Rampe an der Fischauer Gasse).

Komfort und Alltagstauglichkeit

  • Problem: Das Netz ist nicht auf die Bedürfnisse des Alltagsverkehrs ausgerichtet (fehlender Sonnenschutz, Windschutz, angenehmes Höhenprofil, zu schmale Wege).
  • Vorschläge:
  • Verbreiterung und bauliche Trennung von Geh- und Radwegen, insbesondere an stark frequentierten Stellen (z.B. Volksbadgasse, Stadionstraße).
  • Prüfung von Unterführungen oder alternativen Querungen an stark befahrenen Straßen.
  • Anpassung von Ampelschaltungen (z.B. Feiertags-/Sonntagsmodus an der Ampel beim Fischapark).

Gesamtkonzept und Beteiligung der Nutzer:innen

  • Problem: Einzelmaßnahmen ohne Gesamtkonzept führen zu ineffizienten Lösungen.
  • Vorschläge:
  • Entwicklung eines stadtweiten, alltagstauglichen Radverkehrskonzepts auf Basis empirischer Daten und Nutzerfeedback.
  • Durchführung von Umfragen und Testfahrten mit Entscheidungsträger:innen.
  • Integration der Vorschläge in die Radverkehrsoffensive und den Stadtentwicklungsplan.

„Radfahren muss sicher, bequem und effizient sein. Kurz gesagt: alltagstauglich“, betont Gemeinderat Bernhard Lutzer. „Unser Bericht zeigt nicht nur auf, wo unser Radwegenetz darin versagt – wir haben auch direkt niedrigschwellige, leicht umsetzbare Lösungen erarbeitet.“

Die NEOS laden alle Leser:innen ein, von ihren eigenen Erfahrungen zu berichten: „Wer eine der vielen beschriebenen Stellen wiedererkennt, kann uns gerne eigene Verbesserungsvorschläge schicken. Bei Verkehrspolitik zählt vor allem Alltagswissen“, so Lutzer.

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