Wasser als Politikum

Die anhaltende Dürre in Ostafrika lässt Tiere verenden und Menschenmassen flüchten.
  • Die anhaltende Dürre in Ostafrika lässt Tiere verenden und Menschenmassen flüchten.
  • Foto: Caritas Linz
  • hochgeladen von Bernrich Lukhard

(kuli). Sie ist noch nicht lange her, die Diskussion über die Privatisierung des Trinkwassers in Österreich. Ob der ungehinderte Zugang zu sauberem Wasser für jeden Bürger quasi als Menschenrecht weiterhin selbstverständlich erlaubt ist, wird infrage gestellt. Denn Konzerne können mit dem edlen Nass Milliarden machen, sollten sie erst einmal die Kontrolle über die Quellen im Lande haben. Süßwasser, das Überlebensmittel Nummer eins für (Nutz-) Pflanzen, Tiere und Menschen wird nämlich in zweifacher Hinsicht rarer: Erstens sind natürlich saubere Quellen wegen steigender Umweltbelastung immer seltener geworden, und zweitens wächst die Weltbevölkerung rasant, und alle brauchen Wasser. „Wer auf der Quelle sitzt, hält die Hand auf“, sagt ein arabisches Sprichwort. Ein Giga-Lebensmittelkonzern mit Stammsitz in der Schweiz gibt unumwunden zu, eben diesen Umstand zum äußerst gewinnbringenden Geschäftsmodell mit Ziel des weltweiten Monopols transformieren zu wollen (Film „We Feed The World“). Und das kleine Land Österreich hat ja so viel mehr allerbestes Wasser, als es selbst verbrauchen kann. Deswegen wird hier alles andere als sparsam damit umgegangen, zum Entsetzen von Besuchern aus ariden = ewig trockenen Gebieten, z.B. Ägypten.
Anderswo werden härtere Bandagen angelegt. Seit Jahrzehnten graben sich Türken und Syrer im Kurdenkonflikt gegenseitig das Wasser aus Euphrat (Firat Nehri, fließt nach Süden) und Orontes (Asi Nehri; fließt nach Norden) ab. Jeder bewässert wenn’s geht mehr als nötig, um ja nur dem Nachbarn so wenig wie möglich abzugeben und damit zu schädigen.
Oder schauen wir nach Afrika. Langzeit-Dürren lassen immer wieder Millionen von Menschen dahin fliehen, wo es noch etwas mehr von unbedenklich genießbarem Trinkwasser gibt. Aber dafür muss teuer bezahlt werden. Wer zu arm ist, muss verdursten oder, wegen an mindestens einem der unzähligen Keime im getrunkenem Brauchwasser erkrankt, dahinsiechen. Oft müssen europäische Ingenieurskunst und Spendenbeiträge wie von „Nachbar in Not“ herangezogen werden, um wenigstens einen Teil der Migranten zu retten. Österreichische Wasseraufbereitungsanlagen arbeiten aktuell z.B. in Uganda, wo Nilwasser zu Trinkwasser gemacht wird und in das Lager von der Größe Wiens für Flüchtlinge aus dem komplett ausgetrockneten Südsudan gebracht wird.
Es ist leider nicht auszuschließen, dass es in nicht allzu ferner Zukunft weltweit kriegerische Auseinandersetzungen geben wird, diesmal nicht ums Erdöl, sondern ums Trinkwasser. Denn wie sagte jüngst LK-Präsident Hermann Schultes so treffend: „Wer das Wasser hat, gestaltet die Zukunft!“. Da ging es zwar „nur“ um den Fortbestand der intensiven Gemüsekulturen in Ostösterreich, es hat aber – unfreiwillig – globale Bedeutung.

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