20.08.2016, 11:28 Uhr

Die alte Eiche im Kaiserwald

Die mächtige 140-jährige Eiche mit dem "Zwiesel"/ dem Zwillingsstamm, Foto Schaffer Franz cr 2016
Dobl: DI Petz | Die alte Eiche im Kaiserwald
Eine Geschichte von Schaffer Franz aus Dobl!
Recherche & Fotos von DI Petz Erwin im August 2016

Die Schlägerung unserer riesigen vom Alter gezeichneten Eiche erfolgte am 23.11.2012 im Herzen des Kaiserwaldes. Schon während der Fällung musste ich immer wieder an das Lied „Der Baum“ von Konstantin Wecker denken, in dem er die Fällung einer deutschen Eiche aus der Sicht des Baumes besingt.

Das Alter des Baumes schätze ich auf ca. 140 Jahre nach Zählung der Jahresringe. Der Baumriese erreichte eine Höhe von rund 25m und hatte am Stock einen Durchmesser von 110 cm.
Das Erste Eichenbloch wurde 2013 als Furnierbloch versteigert. Auf einer Stammhöhe von ca. 2,5 m hat sich der Baum geteilt und zu einem sogenannten Zwiesel ausgewachsen. Dieser schön ausgeprägte Stammabschnitt hat bereits nach der Fällung mein Interesse geweckt!
Sollte man so schön gemasertes Holz zu Brennholz verarbeiten? Nein, deshalb wurde der 1,2 m hohe Stammabschnitt mal gelagert!
Im Sommer 2016 - 4 Jahre später- war es dann soweit.
Die Idee war geboren: Ich mache daraus Stehtische!
Die ersten Baumscheiben wurden mit der Motorsäge herunter geschnitten und bearbeitet. Die Ergebnisse seht ihr in den nachfolgenden Bildern.
Resumee: Unser Eichenbaum hat in seinem Baumleben viel geleistet! Unmengen von CO2 hat er gespeichert und dabei wertvollen Sauerstoff produziert. Seine Früchte, die nahrhaften Eicheln haben die Tiere im Wald ernährt damit sie die kalten Winter vergangener Jahre überleben konnten. Sein kostbarer Samen wurde von Vögeln und Eichkätzchen über weite Flächen des Kaiserwaldes verteilt, aus diesem Erbgut sind wieder Bäume gewachsen. Somit hat sich der Kreislauf der Natur wieder schließen können. Sein Laub wurde gesammelt und als Streu für die Kühe im Stall verwendet. Wir Kinder konnten darunter Indianer spielen, uns Geschichten ausdenken oder nur seinen kühlenden Schatten in der Sommerhitze genießen.
Sein wertvoller Stamm mit seiner feinen Maserung wurde zu Furnier verarbeitet, ziert vielleicht Möbel und erzeugt sicher Freude bei den Besitzern. Das restliche Holz wurde noch im Fällbereich gespalten und als Brennholz aufgescheitert. Zwei Winter lang hat er mit seiner Wärmeenergie die Kachelöfen in der Umgebung versorgt. Die letzten Baumstücke wurden nun zu Tischen verarbeitet. An diesen wird zusammengestanden, geplaudert und gelacht. Wieder werden Fragen gestellt, woher kommen diese Holzscheiben, wo ist der Baum gestanden usw. Geschichten werden über ihn erzählt, nein sein Dasein war nicht umsonst, die ersten jungen Eichenpflanzen zieren bereits die Lücke die er hinterlassen hat und so wird uns der alte Baumriese noch lange in würdiger Erinnerung bleiben.
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