06.04.2016, 12:36 Uhr

Mehr Kraft für den Tierschutz

Tierschutzgipfel: Wolfgang Weber, Karl Obenaus, Alexandra Gruber, Monika Grossmann, Ulrike Odreitz, Mario Eustacchio, Barbara Fiala-Köck, Fritz Lichtenegger, Gabriele Walzer (Foto: geopho.com)

"Elefantenrunde" zum Thema Tierschutz in Graz – Experten fordern Gesetzesnovellen.

Großer Tierschutzgipfel im Rathaus: Erstmals lud der zuständige Stadtrat Mario Eustacchio sämtliche involvierten Personen und Institutionen an einen Tisch. Die WOCHE war exklusiv als einziges Medium dabei. "Diese Gesprächsrunde kann aber nur ein Anfang sein – künftig werden wir diese Treffen regelmäßig abhalten", stellte Eustacchio zu Beginn klar.
Themen gibt’s jedenfalls zur Genüge. So etwa die Tatsache, dass von der Behörde abgenommene Tiere unverhältnismäßig lange im Tierheim verwahrt werden, ohne die Chance zu bekommen, neu vermittelt zu werden. "Wir haben", erklärt Alexandra Gruber, Leiterin des Veterinärreferats, "eine Katze, die mittlerweile seit einem Jahr im Tierheim sitzt und das Verfahren gegen die Halterin noch immer nicht abgeschlossen ist."
Ein Problem, das auch der Tierschutzombudsfrau Barbara Fiala-Köck bekannt ist. "Dieser lange Instanzenweg ist absolut nicht nachvollziehbar. Warum ist es nicht möglich, dass Amtsärzte psychologische Gutachten durchführen, ob eben eine Person überhaupt fähig ist, Tiere zu halten?"
Es scheint fraglich, ob dies bei jenem älteren Grazer der Fall ist, der knapp 50 Giftschlangen im fünften Stock eines Mehrparteienhaus hält. "Doch vom Bundesgesetzgeber sind uns da die Hände gebunden", schüttelt Wolfgang Weber, Referatsleiter für Straf- und Vollstreckungsangelegenheiten, den Kopf. "Hier ist eine Novellierung der Mindestanforderungen, besonders für die Haltung von Reptilien, dringend erforderlich", fordert Fiala-Köck.

Genauere Kontrollen

Eine Neuerung braucht’s laut der Expertenrunde auch beim Landes-Sicherheitsgesetz. "Aktuell müssen sich Halter von gefährlichen Tieren einmalig registrieren – das ist viel zu wenig. Künftig sollten die Besitzer regelmäßig den aktuellen Stand melden müssen", fordert Eustacchio. Unverständlich ist auch die Tatsache, dass etwa in Wien die Haltung von Giftschlangen überhaupt verboten ist – während es allein in Graz dafür 30 Bewilligungen gibt. "Und die Dunkelziffer ist noch einmal deutlich höher", ist sich Alexandra Gruber bewusst. "Es ist für mich auch unverständlich, dass die Haltung von Wildtieren in der Steiermark ohne Sachkundenachweis möglich ist – auch hier könnte man im Landes-Sicherheitsgesetz Änderungen herbeiführen", fordert Fiala-Köck.

"Volle Rückendeckung"

Augenscheinlich wird, dass den Behörden durch den Bundesgesetzgeber oft die Hände gebunden sind. Eustacchio: "Hier gehört dringend nachgeschärft. Und ich appelliere auch an alle Verantwortlichen, diese Schwachstellen aufzuzeigen und zu melden – ich kann jedenfalls meine volle Rückendeckung garantieren."
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