13.04.2016, 08:00 Uhr

"Handy am Steuer ist wie 0,8 Promille"

1477 Unfälle im Straßenverkehr passierten im Jahr 2015 im Bezirk Kufstein. Im Bild: Autoabsturz kurz vor dem Jahreswechsel in Thiersee. (Foto: ZOOM-Tirol)

Zwar weniger Unfälle im Bezirk Kufstein, aber Ablenkung durch Handys steigt. Ablenkung ist Unfallursache Nummer eins Hauptunfallursache

KUFSTEIN (mel). Der tirolweite Rückgang bei den Verkehrsunfällen zeigt sich auch im Bezirk Kufstein: Gab es 2014 noch 1574 Unfälle mit Sachschaden, sank diese Zahl im vergangenen Jahr auf 1477. Auch bei den Verletzten setzt sich der erfreuliche Abwärtstrend fort: 411 Menschen wurden im Jahr 2014 im Straßenverkehr verletzt, 2015 waren es 389, davon sieben Todesopfer. "Jeder Toter ist einer zu viel. Zwei Radfahrer, zwei Fußgänger und drei Autoinsassen", so Polizei-Verkehrsreferent Viktor Horvath. Dennoch sei die Zahl der Verletzten der niedrigste seit 2002.

37 Alkunfälle im Bezirk

37 Unfälle waren im vergangenen Jahr auf Alkohol am Steuer zurückzuführen, das sind drei weniger als noch 2014. "Die Prävention greift, aber nach wie vor setzen sich Betrunkene ans Steuer, wie die Statistik zeigt", sagt Horvath.
Aus den insgesamt 18675 Alkovortests (2014: 20844) resultierten im vergangenen Jahr 378 Alkoholanzeigen (2014: 435). "Aufgrund anderer Einsätze wie etwa aufgrund von Einbruchsserien, G7-Gipfel und Flüchtlingskrise haben wir im Jahr 2015 weniger intensiv kontrolliert", so Bezirkspolizeikommandant Walter Meingassner. 249 Personen mussten wegen Alkohol am Steuer ihren Führerschein bei der Bezirkshauptmannschaft Kufstein abgeben, davon hatten 63 Lenker über 1,6 Promille. Wiederholungsdelikte aufgrund von Alkohol am Steuer zählt die Bezirkshauptmannschaft 37.

Viele zu schnell unterwegs

Insgesamt 85.000 Anzeigen ergingen 2015 an die BH Kufstein, 16.000 Mal blitzte allein der Frontradar an der Autobahn bei Wörgl, 9642 Mal die Radarkästen in Wörgl und rund 3000 Mal die Radarboxen in Kufstein.


Motorradstrecken im Visier

Je 55 Unfälle gab es im vergangenen Jahr mit Mopeds und Motorrädern. "Wir werden auch im heurigen Sommer wieder die beliebten Motorradstrecken, wie zum Beispiel Thiersee oder Reintaler See, im Auge behalten", erklärt Horvath. Im letzten Jahr wurden 42 getunte Mopeds aus dem Verkehr gezogen. Dies kann mitunter sehr gefährlich und teuer werden: "Die Fahrzeuge sind technisch nicht auf diese Geschwinedigkeit ausgelegt, getunte Mopeds sind kein Kavaliersdelikt."

Gurtenmoral sinkt

1959 Autoinsassen waren im vergangenen Jahr nicht angeschnallt. "Die Gurtenmoral sinkt, auch Kinder sind oft nicht angegurtet", weiß Horvath. Am ehesten schnallen sich Autofahrer auf Kurzstrecken nicht an. "Mit vermehrten Kontrollen im Ortsgebiet wollen wir dem entgegenwirken", kündigt Meingassner an.

Ablenkung ist die Hauptunfallursache

Jeder dritte Unfall im Bezirk passiert aufgrund von Ablenkung oder Unachtsamkeit. 1035 Autolenker wurden von der Polizei beim Telefonieren erwischt, auch SMS oder Mails werden immer öfter während der Fahrt getippt. "Laut Studien beeinträchtigt eine Handybedienung am Steuer gleich stark wie 0,8 Promille Alkohol. Es ist unverständlich, dass es dafür unverhältnismäßig niedrige Strafen gibt", so Herbert Haberl, Leiter Verkehrsabteilung der BH Kufstein. Laut Haberl komme aber bald eine Gesetzesnovelle, die jegliche Handynutzung - außer mit Freisprecheinrichtung oder als Navi (nur mit Halterung) - verbietet.

Polizeiliche Schwerpunkte 2016

Heuer plant die Polizei zusätzlich zu den Schwerpunktkontrollen und Planquadraten neue Kampagnen zum Thema Ablenkung. "Wir appellieren nochmals an die Vernunft der Verkehrsteilnehmer", so Meingassner abschließend.


Ob sich eine Gesetzesnovelle zur Handynutzung am Steuer etwas bringt? Hier geht es zum Kommentar der Autorin

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