28.07.2016, 12:54 Uhr

So konsumentenfreundlich ist die Bundesliga

Fazit des VKI-Tests: Der Großteil der getesteten Vereine landete im Mittelfeld. (Foto: MEV Verlag GmbH)

Alle 20 Profiklubs hat der Verein für Konsumenteninformation (VKI) auf Kunden- und Fan-Freundlichkeit getestet. Das Ergebnis zeigt große Unterschiede in der Qualität.

ÖSTERREICH. Wie gut bedienen die Fußballklubs der Bundesliga die Bedürfnisse ihrer Fans online und vor Ort im Stadion? Sind die Stadien barrierefrei und gibt es auch ausreichend Angebote für Familien? Diesen und weiteren Fragen ist der VKI in einem Test auf den Grund gegangen. Untersucht wurden insgesamt 210 Kriterien.

Die Ergebnisse im Überblick:

  • Die Note "Sehr gut" erhielten drei der 20 geprüften Klubs.
  • "Gut" erreichten fünf Klubs.
  • "Durchschnittlich" fiel das Urteil bei sechs Klubs aus.
  • "Wenig zufriedenstellend" wurden sechs Klubs beurteilt.
  • Bei Familienfreundlichkeit und Web-Auftritt besteht Verbesserungsbedarf.

Bundesligavorstand Reinhard Herovits und der VKI präsentierten die Ergebnisse am 28. Juli in Wien. Der erhobene Verbesserungsbedarf soll helfen, die Tipico-Bundesliga sowie die Sky Go Erste Liga fit für die Zukunft zu machen. "Um unser Ziel – einen Zuschauerschnitt von 10.000 pro Spiel – bis 2020 zu erreichen, brauchen wir nicht nur spannende Spiele, sondern auch ein gutes Gesamtangebot", sagt Herovits. "Dazu gehören auch Dinge wie Familiensektoren, saubere Toiletten und insgesamt ein serviceorientiertes Angebot. "Wir werden die Ergebnisse des Tests in den Prozess miteinbeziehen."

Unterschiede in der Online-Information

Die Online-Präsenz der Vereine war ein Punkt im Test. Die Mindestanforderung: klar ausgewiesenen Kontaktmöglichkeiten (Telefon, E-Mail, Adresse). Während dieses Kriterium noch bei allen Klubs erfüllt wurde, fielen die Resultate bei "Infos zu An- und Abreise" bereits unterschiedlicher aus: Nur rund die Hälfte der Vereine stellt Informationen zur Anfahrt mit dem eigenen Auto sowie Parkplätzen bereit. Nur zwölf Klubs informieren über die Anreise mit Öffis.

In Bezug auf Ticketkauf und Preisen fiel das Ergebnis unterschiedlich aus. "Angaben zum Tagesticket fanden sich auf den Webseiten der meisten Klubs, lediglich beim FK Austria Wien, wo man die Kosten erst bei der Bestellung erfährt, sowie beim FC Liefering fehlte eine klare Preisauszeichnung", berichtet VKI-Projektleiter Walter Hager.

Red Bull Salzburg ist Info-Sieger

"Das beste Infoangebot fanden wir auf der Webseite des FC Red Bull Salzburg – sowie tendenziell auf den Seiten der Klubs, die in der Tipico Bundesliga spielen", fasst Hager zusammen. "Aber auch einige Vereine der Sky Go Ersten Liga punkteten mit einem guten Gesamtprodukt. Das zeigt, dass ein fanfreundlicher Webauftritt nicht ausschließlich eine finanzielle Frage ist."

Anreise, Barrierefreiheit und Stadion

Welche Gesamtnote ein Klub im Test erreichte, hing am Ende jedoch trotzdem oft mit seiner finanziellen Startposition zusammen. So zeigte die Erhebung auch in der Vor-Ort-Analyse eine erhebliche Kluft zwischen Bundesliga und Erster Liga. Hier stellte der SKN St. Pölten eine Ausnahme dar: Die "Wölfe" präsentierten sich als sehr gute Gastgeber und erreichten Topwerte was Anreise, Barrierefreiheit, VIP-Bereich und Stadioneinrichtungen betrifft. Im Ranking der 20 Klubs landete der SKN St. Pölten damit – hinter FC Red Bull Salzburg – an insgesamt zweiter Stelle.

Angebote für Familien

Beim FC Red Bull Salzburg hebt der VKI vor allem das Angebot für Kinder und Familien hervor. So ist beispielsweise Red Bull Salzburg derzeit der einzige Klub, der auf ein strenges Rauchverbot in den entsprechenden Sektoren achtet. In Sachen Familien- und Kinderfreundlichkeit erreichten sonst nur der SKN St. Pölten und der FK Austria Wien sehr gute Werte. Auch beim SK Sturm Graz, der mit 86 von 100 möglichen Punkten insgesamt an dritter Stelle landete, sahen die Tester in diesem Punkt noch Verbesserungspotenzial.

Fazit: Breites Mittelfeld

Der Großteil der getesteten Vereine landete im Mittelfeld. "Die Spannbreite der Ergebnisse ist hier – auch innerhalb einzelner Klubs – zum Teil sehr groß", erklärt Hager. "Es gibt Vereine, die beispielsweise mit ihrem gastronomischen Angebot überzeugen, im Bereich ,Gästesektor' aber klare Mängel aufweisen. Nicht jedem Klub gelingt es, seine individuellen Stärken in einem attraktiven Gesamtangebot zusammenzuführen." Generellen Aufholbedarf sieht Hager übrigens bei Mülltrennung und Recycling. "Das ist ein Thema, das keiner der Klubs bisher wirklich angepackt hat."
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