24.06.2016, 15:39 Uhr

Brexit: Das sagen die "steirischen" Briten dazu

Der 23. Juni wird als "Black Friday" in die EU-Annalen eingehen: Dir Briten entscheiden sich in einem Referendum für den EU-Ausstieg. (Foto: pixabay)

Der Austritt hat nicht nur volkswirtschaftliche und politische Konsequenzen, sondern auch viele persönliche.

Was am 1. Jänner 1973 begann, wurde gestern jäh beendet: die Mitgliedschaft des Vereinigten Königreiches in der Europäischen Union. Die WOCHE hörte sich unter den Briten, die in der Steiermark leben, um und erlebte dabei eine großteils einhellige Stimmung des Schocks und der Frustration.

"EU-Grenzen mitten durch das Land"

"Ich bin seit vier Uhr Früh auf und habe alles sehr besorgt verfolgt", berichtet Andrew Gallacher, der seit mittlerweile 34 Jahren in Österreich lebt, die Entwicklungen in seinem Heimatland aber streng verfolgt. "Ich finde es schlimm, dass es in erster Linie gar nicht mehr um das Thema EU gegangen ist, sondern hauptsächlich um Migration", ist Gallacher beunruhigt. Skurril findet der Brite, dass "es die EU-Außengrenzen künftig mitten durch unser Land geben wird."

Richtig "frustriert oder fast verzweifelt" zeigt sich auch Helen Miles, die in Graz als Lektorin und Fremdenführerin tätig ist: " Mir geht es heute wirklich nicht gut, ich finde, es war eine schlechte Entscheidung." Besonders innenpolitisch zeigen sich für die Londonerin nun "tiefe Gräben" zwischen dem Norden, der die EU großteils befürwortet und dem Süden der Insel, wo die EU-Gegner zuhause sind.

Ein Weckruf an die EU

Zwiegespalten ist der Brite Neil Bird, der seit elf Jahren in Österreich lebt, und jetzt ernsthaft über einen Wechsel der Staatsbürgerschaft nachdenkt: "Wenn ich als Brite nicht mehr EU-Bürger bin, wird alles schwieriger. Das fängt beim Visum an und endet bei der Arbeitserlaubnis." Bird sieht das Abstimmungsergebnis vor allem als Weckruf an die EU-Kommission: "Die Frage ist, wie es jetzt weitergeht? Vielleicht bekommt Großbritannien eine Sonderstellung wie Norwegen oder die Schweiz, vielleicht verhallt der britische Weckruf aber auch nicht ungehört und es ändert sich vielleicht wirklich etwas an der EU", hofft der Brite.
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