26.09.2016, 12:01 Uhr

4. Tag der Demenz: Herz und Körper vergessen nicht

GR Arno Maier, Caritasdirektor Herbert Beiglböck, Bereichsleiterin Petra Prattes und Rektor Wilfried Eichlseder freuten sich über den regen Andrang beim 4. Tag der Demenz. (Foto: Margit Kundigraber)
LEOBEN. Zum 4. Tag der Demenz der Caritas konnten Montanuni-Rektor Wilfried Eichlseder, Gemeinderat Arno Maier und Caritasdirektor Herbert Beiglböck etwa 150 Betroffene, Angehörige und Interessierte im Audimax der Montanuniversität begrüßen. „Jeder Mensch ist ein einzigartiges Geschöpf, der von Anfang bis zum Ende auf ein Leben in Würde ausgerichtet ist", sagte Beiglböck in seinen Grußworten. Gelassenheit, Wissen und Kompetenz seien für eine gute Betreuung notwendig, aber es müssten auch die politischen Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit die Pflege Betroffener solidarisch getragen wird.

Informationen zum Thema Demenz

Interessante Vorträge über das herausfordernde Verhalten bei Demenz und der Umgang damit (Alexis Matzawrakos) oder das Thema Angst bei Angehörigen, Pflegenden und Betroffenen (Sabine Oswald). „Nicht der Klient ist gestört, sondern die Interaktion mit dem Umfeld", sagte Matzawrakos. Daher ist es wichtig, den Betroffenen körperlich gesund zu halten und in erster Linie nicht-medikamentöse Maßnahmen zu finden, wie zum Beispiel die Funktion des Verhaltens zu verstehen oder über die Biographiearbeit den Grund dafür zu finden. Denn das Herz und der Körper vergessen nicht.
„Demenz ist eine langsame Erkrankung, Sie haben Zeit, sich an die Situation zu gewöhnen“, appellierte Oswald an die Zuhörer. Wesentlich sei es, die Angst zu erkennen und Menschen mit Demenz die Wertschätzung zu geben, die sie sich selbst nicht mehr geben können.

Der Nachmittag wurde dazu verwendet, die Angebote der Caritas im Bereich Demenz darzustellen. In diesem Rahmen präsentierten Hausleiter Klaus Hinger und Pflegedienstleitung Manuela Haindl vom Senioren- und Pflegewohnhaus Leoben ihre „Demenzgruppe“, in der von Demenz betroffene Bewohner eine Tagesstruktur erfahren und ihre noch vorhandenen Fähigkeiten und Ressourcen gefördert werden.

Persönliche Erfahrungen einer Angehörigen

Als Abschluss erzählte eine Angehörige von ihrer an Demenz erkrankten Mutter und ihrem Umgang damit, als sie ins Pflegewohnhaus übersiedelte. „Ich dachte mir, das gibt´s ja nicht, dass ich das nicht schaffe, meine Mutter 24 Stunden zu betreuen,“ erzählt sie, „aber dann konnte ich plötzlich selber nicht mehr schlafen“. Als sie feststellte, wie wohl sich die Mutter in der neuen Umgebung fühlt, hatte sie auch kein schlechtes Gewissen mehr und freut sich über die Ruhe, mit der sie ihrer Mutter nun begegnen kann. „Und auch wenn sie jetzt oft ganz anders ist als früher in ihrem Leben, so freue ich mich sehr, dass ich sie noch habe und dass sie mich kennt.“
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