11.08.2016, 10:01 Uhr

Eine Wissenschaft für sich

Herbert Glöckler kennt sich im Wald bestens aus. Foto: Bärnthaler
Pilzexperte Herbert Glöckler verrät seine besten Tipps und Tricks.

ZELTWEG. Wussten Sie, dass in unseren Wäldern einer der derzeit teuersten Pilze der Welt wächst? Für den „Knoblauchschwindling“, so heißt er, werden im getrockneten Zustand für ein Kilo rund 5.000 Euro gezahlt. Er ist vor allem in der französischen Küche ein beliebter Würzpilz.

Mykologe

Aber künftig nur mehr nach ihnen Ausschau zu halten, wäre dumm, denn in der Region wachsen wahre Köstlichkeiten und so manche Pilzrarität. Einer der es wissen muss, ist Hobbymykologe Herbert Glöckler. Der passionierte Pilzkenner ist zwölf Monate im Jahr im Wald unterwegs. Zwar nicht jeden Tag, „aber so oft es geht“. Und ja, auch im Winter. „Es gibt Pilze, wie beispielsweise den Austernseitling, der braucht für seine Fruchtbildung einen Kältereiz, quasi den ersten Frost“.

Unglaubliche Vielfalt

Wer mit Herbert Glöckler unterwegs ist, sieht den Wald plötzlich mit ganz anderen Augen. Der Jagdinstinkt wird geweckt, die Neugierde packt einen anhand der unglaublichen Vielfalt. An die zehntausend Arten dürfte es in Österreich geben. So ähnlich ist es dem gebürtigen Oberösterreicher vor rund 35 Jahren selbst auch ergangen. Zu Beginn landeten Eierschwammerl, Steinpilze und Co. in Glöcklers Bratpfanne. Nach und nach begann er, sich in die Materie einzuarbeiten. Sein unglaubliches Fachwissen hat sich der pensionierte Fliegeroffizier größtenteils im Schwarzwald angeeignet. Sein Know-how gibt er in zahlreichen Workshops als Instruktor beim „Naturwissenschaftlichen Verein in Kärnten“ und als Ehrenobmann der „Arbeitsgemeinschaft österreichischer Pilzberater“ gerne weiter.

Geprüfter Pilzberater

Von „seiner Sorte“ (geprüfter Pilzberater) gibt es rund 40 und einige Aspiranten. Mittlerweile hat Glöckler alle gängigen Speisepilze selbst verkostet. Eierschwammerl kommen ihm keine mehr ins Haus, stattdessen brät er sich viel lieber Trompetenpfifferlinge, Rotfußröhrlinge oder einmal einen Perlpilz, der roh giftig, aber gekocht essbar ist. Apropos kochen: Pilze sollte man mindestens 10 bis 15 Minuten bei über 60 Grad am Feuer haben, um eventuell enthaltene Giftstoffe unschädlich zu machen.

Geschenke

Die meisten Pilze verschenkt Glöckler aber, zum Beispiel an die Freunde und Kollegen im Tischtennisclub Zeltweg. „Inzwischen nehmen sie alle Pilze von mir, auch wenn diese mal blau anlaufen“, scherzt er. Einen der giftigsten Pilze überhaupt, nämlich den Grünen Knollenblätterpilz, hat Glöckler vor Jahren einmal am Sulzberg gefunden. „Das ist ungewöhnlich, da dieser bei uns nicht heimisch ist“. Der Ruf des Fliegenpilzes dagegen ist schlechter als seine Wirkung. „Er wird in Sachen Giftigkeit weit überschätzt. Vergiftungserscheinungen ähneln einem Alkoholrausch“, so der Experte.

Verhalten

Abgesehen vom Wissen über Pilze geht es dem Zeltweger darum, den Menschen das richtige Verhalten im Wald näherzubringen. „Wer sich mit Pilzen und Schwammerl beschäftigt, sollte auch vom Wald eine Ahnung haben. Denn viele Pilze leben mit Bäumen in einer Symbiose, in der jeder vom anderen profitiert“.
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