Pandemie-Barometer
Konflikte häufen sich auch auf dem Land

Die Polizei merkt auch in Innsbruck-Land, dass die Lage in den Familien angespannt ist und muss häufiger zur Streitschlichtung ausrücken wie noch vor der Pandemie.
  • Die Polizei merkt auch in Innsbruck-Land, dass die Lage in den Familien angespannt ist und muss häufiger zur Streitschlichtung ausrücken wie noch vor der Pandemie.
  • hochgeladen von Agnes Czingulszki (acz)

Die Pandemie nagt an den Nerven. Das merkt auch die Polizei in Innsbruck-Land, die jetzt häufiger zur Streitschlichtung ausrückt.

INNSBRUCK-LAND. In der Stadt Innsbruck zeigt sich ein dramatisches Bild. Hier muss die Polizei fast doppelt so viele Wegweisungen im Jänner 2021 aussprechen als noch ein Jahr zuvor (24 statt 14). Auf dem Land kommt es zwar nicht vermehrt zu Wegweisungen – die als letztes und drastischstes Mittel gelten –, dafür aber zu mehr Ausrückungen der Streife. Wie Stefan Margreiter, Kriminalreferent des Bezirkskommandos Innsbruck-Land weiß: "Die erste Lockdown-Phase, wo man sogar das Haus nicht hätte verlassen sollen, haben wir sehr gespürt. Im April und Mai kam es zu einer Steigerung der Einsätze bei Streitschlichtungen." Sonst geht es am Land so zu wie immer. In den vergangenen vier Jahren schwankte die Zahl der Wegweisungen zwischen 30 und 38, 2021 waren es im Jänner und Februar 23. "Das hängt auch damit zusammen, dass aktuell anders gezählt wird als noch vor Jahren", erklärt Margreiter. So können Wegweisungen öfters aufscheinen: Es zählt wie viele Opfer betroffen sind. Ein Täter kann zwei Wegweisungen bekommen, wenn er z. B. seine Frau und sein Kind gefährdet.

Mehr Platz auf dem Land = weniger Konflikte

Margreiter hat auch eine Erklärung dafür, warum in der Stadt mehr Fälle passieren als auf dem Land: "Es ist oft ein Thema des Sozialsystems. In der Stadt ist man anonymer, aber auch mehr auf sich alleine gelassen und die Lebensverhältnisse können prekärer sein. Hier gibt es sicherlich auch ein Problem mit dem Platz. Es ist was anderes, wenn man einen Garten hat und einen Wald in der Nähe, wo man sich mal bewegen kann, als längerfristig in einer kleinen Wohnung zusammen eingesperrt zu sein."

Neue Konflikte

Neben den klassischen Beziehungskonflikten zwischen Mann und Frau, kommt es aktuell auch vermehrt zu Konflikten in anderen Beziehungskonstellationen, weiß auch Maria Rösslhumer , Leiterin des AÖF (Verein der Autonomen Frauenhäuser Österreich": "Wir merken, dass auch Kinder mit ihren Eltern vermehrt gewalttätiger umgehen. Seit Corona ist dieser Trend neu." Um Abhilfe zu schaffen, bietet der AÖF eine Frauenhelpline (0800/222-555) an, die rund um die Uhr besetzt ist. Vor Corona bearbeitete man zirka 20 Anrufe am Tag, während der Pandemie waren es an einem Spitzentag sogar 38. Derzeit hat es sich auf zirka 30 eingependelt.

Lösungsansätze

Eva Pawlata, Leiterin des Tiroler Gewaltschutzzentrums, sieht die aktuelle Lage zwar als prekär, aber nicht prekärer als vor der Pandemie. Sie gibt zu bedenken: "Man sollte mit der Interpretation der Zahlen vorsichtig sein. Die Zahlen steigen nicht derart stark, dass man von einem Anstieg von Gewaltbeziehungen ausgehen kann. Ich bin der Ansicht, dass sich aktuell auch mehr Leute Hilfe holen." Wo es auch bisher Probleme gegeben hat, wurden sie durch die Pandemie verstärkt – darin sind sich Rösslhumer und Pawlata einig. Lösungsansätze sieht Rösslhumer z. B. in der Anhebung des Arbeitslosengeldes: "55 Prozent des Einkommens reichen nicht. Frauen brauchen finanzielle Unabhängigkeit, um aus einer Gewaltspirale rauskommen zu können." Pawlata sieht außerdem Präventionsarbeit, Bildungsarbeit, Ausbau der Frauenhaus-Plätze, Druck auf Arbeitgeber, die Frauen in prekären Dienstverhältnissen halten, und das Offenhalten der Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen als Mittel zum Zweck.

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