"Wege des Widerstands" mit Standing Ovations
Elisabeth de Roo verkörperte den Tod selbst

Oberst Hannes Apfolterer von der Militärmusik Tirol war Dirigent und in ausgewählten Szenen im Dialog mit Elisabeth de Roo auf der Bühne. | Foto: Tatschl
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  • Oberst Hannes Apfolterer von der Militärmusik Tirol war Dirigent und in ausgewählten Szenen im Dialog mit Elisabeth de Roo auf der Bühne.
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Mit minutenlanger Stille, gespannter Aufmerksamkeit und tief berührten Gesichtern endete am 7.5.2026 die Derniere des Musiktheaters „Wege des Widerstands“ von Elisabeth de Roo, die Autorin, Sängerin und Schauspielerin der Produktion ist. Im Zentrum stehen zwei Persönlichkeiten der österreichischen Zeitgeschichte: die Pazifistin Irene Harand und General Wilhelm Zehner, die Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur leisteten. Im Vorfeld wurde die Produktion bereits im ORF-Tirol-Studio 3 und im Landhaus aufgeführt.

MIEMING: Unterschiedlicher könnten ihre Lebenswege kaum sein – und doch eint sie ihr mutiger Widerstand gegen das NS-Regime. Harand kämpfte bereits früh mit Aufklärung und publizistischen Mitteln gegen Antisemitismus. Mit ihrer Schrift „Sein Kampf – Antwort an Hitler“ stellte sie sich offen gegen die Ideologie des Nationalsozialismus – lange bevor viele die Gefahr von Krieg und Massenmord erkannten. Zehner bereitete als Militär den Widerstand gegen Hitler vor.

Maria Thurnwalder, Kulturmanagerin in Mieming,
machte eine Anmoderation, bei der es sogar Zwischenapplaus gab:

„Erinnern ist schmerzhaft und wohl die qualvollste Art zu vergessen, aber wir wissen es alle: unbedingt notwendig. Denn was begleitet uns in den letzten Wochen – leider schon seit Jahren? Rassismus, Antifeminismus, Antisemitismus, Intoleranz, Ausgrenzung und andere demokratiefeindliche Ideologien. Diese dürfen keinen Platz in unserer Gesellschaft haben und sind vor allem keine Relikte der Vergangenheit. Im Gegenteil: Die Hetze ist nicht nur analog, sondern auch digital. Es macht mir wirklich viel Hoffnung, dass diese Produktion rund 350 Schülerinnen und Schüler gesehen haben – Mittel- und Unterstufe. Die Idee und die Texte stammen von Elisabeth de Roo, unterstützt wird sie von der Militärmusik Tirol. Eine Idee braucht immer Unterstützung. Maßgeblich dafür war das Kulturservice Tirol. Wer Elisabeth de Roo kennt, weiß: Sie gibt ganz besonderen Menschen in unserer Gesellschaft immer wieder eine Stimme.“

Ein bewegender Musiktheaterabend zwischen Musik, Mut, Menschlichkeit und Grauen

Irene Harand und General Wilhelm Zehner verband derselbe Mut, sich dem Nationalsozialismus entgegenzustellen, und genau dieser Mut wurde in der Produktion eindrücklich dargestellt.

Regisseur Thomas Lackner
erklärte bewegt nach der Vorpremiere des genialen musikalischen Erinnerungsprojekts über Mut, Verantwortung und die Frage, wie viel Widerstand ein Mensch leisten konnte:

„Elisabeth de Roo erzählt als spielfreudiger Tod die Lebensgeschichten von Wilhelm Zehner und Irene Harand mit einer Intensität, die unter die Haut geht. Sie schlüpft in mehr als zehn Rollen, sang Werke von Mahler, Korngold, Berg und vielen anderen – und erschuf gemeinsam mit der Militärmusik Tirol einen Abend voller Kraft, Schmerz und Menschlichkeit.“

„Ihr Kampf – Irene Harand gegen Adolf Hitler“

Harand kämpfte früh mit Worten gegen Antisemitismus und Hetze. Bereits 1930 gründete sie gemeinsam mit dem jüdischen Anwalt Dr. Moritz Zalmann die „Weltbewegung gegen Rassenhass und Menschennot“.

Wilhelm Zehner bereitete als General des österreichischen Bundesheeres den militärischen Widerstand gegen Hitler vor. Gemeinsam mit Generalstabschef Alfred Jansa entwickelte er Verteidigungsstrategien gegen einen Einmarsch der Nationalsozialisten. Nach dem „Anschluss“ wurde Zehner tot aufgefunden, er wurde von SS Männern ermordet, es wurde jedoch dreist als Selbstmord getarnt. 

Die ORF-Dokumentation mit Julia Stemberger als Irene Harand - „Ihr Kampf – Irene Harand gegen Adolf Hitler“ zeigt die historischen Zusammenhänge auf. De Roo spannte auf geniale Weise einen roten Faden über die Zeit vor dem ersten Weltkrieg, die beiden Weltkriege bis in die Gegenwart. So bewegte der historische Stoff tief, zumal sie auch den Tod selbst verkörperte, der die Soldaten vom Schlachtfeld in die andere Welt nahm.

Musikalisch getragen von der Militärmusik Tirol


Oberst Prof. Hannes Apfolterer war Dirigent
, und Elisabeth de Roo band auch einzelne Mitglieder der Militärmusik in ihren Plot ein.

Foto: Tatschl
In dieser Szenen spielten Mitglieder der Militärmusik mit.  | Foto: Tatschl
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So wurden sie Teil der aufwühlenden Geschichte. Besonders beklemmend war, dass die Nationalsozialisten Irene Harand „zum Abschuss freigegeben“ hatten: Es gab den Befehl, sie bei Sicht zu erschießen und es war ein Kopfgeld auf sie ausgesetzt. Nur durch viel Glück überlebte sie.

„Auf und hinter der Bühne standen Soldatinnen und Soldaten sowie Zivilistinnen und Zivilisten gemeinsam hinter einer Botschaft: für Demokratie, Menschlichkeit und die Verantwortung, aus der Geschichte zu lernen“, so Elisabeth de Roo.

Starke visuelle Akzente auf der Bühne wurden von der Bühnen- und Kostümbildnerin Esther Frommann gesetzt.

Demokratiebildung als Auftrag

Gemeinsam mit der Bildungsdirektion Tirol gab es begleitende Gespräche und Diskussionen für Schulklassen zu Themen wie Zivilcourage, Propaganda und Demokratie. Gerade in einer Zeit wachsender gesellschaftlicher Spannungen setzte das Projekt ein klares Zeichen: gegen das Vergessen, gegen Gleichgültigkeit – und für den Mut, Haltung zu zeigen.

Das Publikum erlebte einen intensiven, musikalisch hochkarätigen Musiktheaterabend, der Vergangenheit und Gegenwart auf eindringliche Weise miteinander verband.

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