Kammer auf Bezirkstour
Regionale Landwirtschaft im Fokus
- LK-Präsident Josef Hechenberger, Stefan, Andrea, Leonie und David Greuter, Andrea Lechleitner, Bezirksobmann-Stv. Benedikt van Staa, Vizepräsidentin Helga Brunschmid, Otmar Juen, Andreas Gstrein und Hans Greuter.
- Foto: LK Tirol
- hochgeladen von Clemens Perktold
Im Rahmen der Landwirtschaftskammer-Bezirksrunde besuchte eine Abordnung von Funktionären den Hof von Familie Greuter in Tarrenz.
TARRENZ. Die Vereinten Nationen (UN) haben das Jahr 2026 zum „Internationalen Jahr der Bäuerinnen“ erklärt. Die Landwirtschaftskammer Tirol und die LK Bäuerinnen Tirol nehmen dies zum Anlass, um die Leistungen der Frauen in der Landwirtschaft verstärkt sichtbar zu machen und inhaltliche Schwerpunkte zu setzen.
In Tirol wird jede fünfte Landwirtschaft von einer Frau geführt. Das sind 2.168 Betriebe[1] - Tendenz steigend. Österreichweit gesehen ist dieser Anteil etwas höher: 36 % der Betriebe sind weiblich geführt, was EU-weit der zweithöchste Anteil ist. Landesbäuerin und LK-Vizepräsidentin Helga Brunschmid freut sich über diese Entwicklung: „Bäuerinnen sind seit jeher das Herz und der Motor jeden Hofes. Dass ihre Rolle sich über die Jahrzehnte weiterentwickelt hat und mittlerweile auch immer mehr Frauen als Betriebsführerinnen tätig sind, ist absolut begrüßenswert. Viel wichtiger ist mir allerdings, dass viele Frauen die Möglichkeiten erkennen, die ein Bauernhof bietet und sich so ein Einkommensstandbein bzw. ihren individuellen Arbeitsplatz am Bauernhof schaffen. Dazu braucht es eine partnerschaftliche Zusammenarbeit in der Familie auf Augenhöhe.“
Motivierte Bäuerinnen gefragt
Frauenpower ist nicht nur am Hof, sondern auch bei den lk Bäuerinnen Tirol gefragt. Mit rund 21.500 Frauen bilden sie das größte Frauennetzwerk Tirols, das von Orts- bis auf Bundesebene vernetzt ist. Alle sechs Jahre werden die Gremien neu gewählt, auch heuer ist es im August wieder soweit. Dass sich das Engagement auch persönlich auszahlt, weiß Bezirksbäuerin Andrea Lechleitner aus eigener Erfahrung: „Das Amt der Ortsbäuerin bedeutete für mich damals Ankommen in der Gemeinde. Unser Hof liegt nicht sehr zentral, daher war die Funktion für mich das Sprungbrett in die Dorfgemeinschaft und darüber hinaus. Ich habe nicht nur großartige Frauen kennengelernt, sondern auch Einblicke in andere Höfe erhalten und bin sehr oft mit neuer Motivation von Terminen nach Hause gefahren. Natürlich muss man sich für die Termine freispielen, aber man profitiert in vielerlei Hinsicht vom Einsatz bei den Bäuerinnen.“
Zahlen stabil
Einen Überblick über die aktuelle land- und forstwirtschaftliche Struktur des Bezirkes Imst gab Bezirksobmann Andreas Gstrein. „Aktuell haben wir rund 1.360 Betriebe, erfreulicherweise ist diese Zahl in den letzten Jahren stabil geblieben. Auch die bewirtschaftete Fläche mit rund 21.000 Hektar ist in etwa gleichbleibend. Auch wenn diese Entwicklung grundsätzlich sehr positiv ist, sehen wir, dass die Betriebe mit den steigenden Kosten zu kämpfen haben. Die Preise für Betriebsmittel sind in den letzten Monaten durch die Bank sehr hoch gewesen, was natürlich herausfordernd ist. Die höheren Aufwände müssen in einem akzeptablen Verhältnis zur Wertschöpfung stehen, da ist die Situation in den einzelnen Produktionssparten aktuell unterschiedlich.“
Wirtschaftliche Perspektiven
Damit Investitionen möglich sind, braucht es eine stabile wirtschaftliche Grundlage sowie verlässliche, langfristige Planbarkeit. In der europäischen Landwirtschaft hängen diese Faktoren maßgeblich von der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) auf EU-Ebene ab, die jeweils im Rahmen eines siebenjährigen Finanzplans ausgestaltet wird.
„Mit der Gemeinsamen Agrarpolitik stellen wir die Weichen für die Landwirtschaft der Zukunft. Derzeit laufen die Verhandlungen für die nächste Förderperiode, wobei grundlegende Änderungen im Raum stehen. Für uns ist jedoch klar: Gerade in unsicheren Zeiten voller Herausforderungen darf die Landwirtschaft, als eine der letzten autark funktionierenden Produktionssparten Europas nicht ins Hintertreffen geraten. Es braucht klare politische Rahmenbedingungen – weniger Bürokratie, gezielte Investitionsförderungen und faire Wettbewerbsregeln mit Hausverstand. Nur so können unsere bäuerlichen Familienbetriebe nachhaltig wirtschaften und ihre zentrale Rolle für Versorgungssicherheit, Landschaftspflege und regionale Wertschöpfung auch künftig erfüllen“, stellt LK-Präsident Josef Hechenberger klar.
Vielseitig im Vollerwerb
Im Rahmen der Bezirksrunde wurde Betrieb der Familie Greuter in Tarrenz besucht. Auf 33 Hektar werden neben Heu, Grassilage, Silomais und Getreide auch Braugerste für Starkenberger Bier und Kartoffeln für die Direktvermarktung eingebracht. Stefan Greuter führt den Hof im Vollerwerb gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Andrea und den Kindern David und Leonie. Bereits mit 18 Jahren hat er den Betrieb übernommen. 2017 wurde in einen modernen Laufstall mit Melkroboter und Liegeboxen investiert, wo die insgesamt rund 75 Rinder, davon 36 Milchkühe, Platz finden.
Während Stefan im Winter auch als Dienstleister für den Maschinenring und die Gemeinde Tarrenz unterwegs ist, betreibt er im Sommer mit der Unterstützung seiner Eltern Hans und Rosa eine Almwirtschaft im Almdorf Fallerschein im Lechtal. Dort wird das gesamte Vieh gealpt, die Milch wird ins Tal gebracht. Auch ein Ausschank ist dabei, wobei die Gäste hauptsächlich mit Produkten aus der eigenen Landwirtschaft bewirtet werden.
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