Gedanken
Ausbau der Katharina-Wärmestube

Caritasdirektor Georg Schärmer, Caritas-Bereichsleiter Jürgen Gschnell, Leiterin der Katharina-Stube Gertraud Gscheidlinger, Landeshauptmann Günther Platter, Generaloberin Schwester Pauline Thorer, Landesrätin Gabriele Fischer, Bischof Hermann Glettler, Bürgermeister Georg Willi und Vizebgm. Franz X. Gruber präsentierten die Angebotserweiterung.
  • Caritasdirektor Georg Schärmer, Caritas-Bereichsleiter Jürgen Gschnell, Leiterin der Katharina-Stube Gertraud Gscheidlinger, Landeshauptmann Günther Platter, Generaloberin Schwester Pauline Thorer, Landesrätin Gabriele Fischer, Bischof Hermann Glettler, Bürgermeister Georg Willi und Vizebgm. Franz X. Gruber präsentierten die Angebotserweiterung.
  • Foto: Caritas Tirol
  • hochgeladen von Arno Cincelli

Soziale Herausforderungen gemeinsam meistern

(caritas). Vor kurzem wurde das Angebot der Katharina-Wärmestube, die von der Caritas Tirol und den Barmherzigen Schwestern betrieben wird, ausgebaut: die Öffnungszeiten wurden von Montag-Samstag (9-14 Uhr) ausgedehnt, ein/e zusätzliche/r SozialarbeiteIn ist ab sofort immer vor Ort, zum bisherigen Mittagessen wird ein Frühstück ausgegeben und die Duschmöglichkeiten wurden von zweieinhalb auf fünf Stunden täglich erweitert. Auch Hygieneartikel können zu diesen Zeiten bezogen werden. Bisher wurde die Katharina-Stube von den Barmherzigen Schwestern und der Caritas alleine getragen, jetzt beteiligen sich das Land mit 97.000 Euro jährlich und die Stadt Innsbruck mit 52.000 Euro. Bei der heutigen Pressekonferenz wurde die Ergänzung des Angebots präsentiert.

200-jähriges Projekt wird erweitert

„Die Gesellschaft ist bedroht, am Kältetod des Mitgefühls zugrunde zu gehen“, machte Caritasdirektor Georg Schärmer eingangs auf die Bedeutung der Investitionen in den Sozialbereich aufmerksam. Gertraud Gscheidlinger, Leiterin der Katharina-Stube und Jürgen Gschnell (Bereichsleiter Rat und Hilfe) stellten im Anschluss die Katharina-Stube und die Wohnungslosenhilfe der Caritas vor. In der niederschwelligen Tagesaufenthaltsstätte kann jede/r kommen – meist sind es wohnungslose Menschen, Mindestpensionist/innen, Alleinstehende und Arbeitsmigrant/innen. Neben der Basisversorgung mit Essen gibt es Dusch- und Gesprächsmöglichkeiten, eine Sozialberatung über rechtliche Ansprüche und Beratung über Arbeits- und Wohnmöglichkeiten sowie eine medizinische Basisversorgung. Insgesamt wurden alleine im Jahr 2018 30.000 Essen ausgegeben. Darüber hinaus werden auch noch Decken, Schlafsäcke, Socken und Hygieneartikel verteilt.

„Do schmeckt’s guat, verhungern toan ma nit“

Sagte ein Besucher der Katharina-Stube vor der Pressekonferenz zu Bischof Hermann Glettler. „Den Hungrigen Essen zu geben und den Durstigen trinken zu geben“, werde nach dem Leitsatz des Evangeliums in der Katharina-Stube ermöglicht, befindet der Bischof: „Der Mensch braucht aber noch ein Grundnahrungsmittel – Wertschätzung und Zuwendung. Dieses Grundnahrungsmittel baut den Menschen auf. Danke für diesen Ort, an dem es dieses Grundnahrungsmittel gibt.“

Erfolgreiche Kooperation

Seit 2016 betreiben die Barmherzigen Schwestern und die Caritas Tirol die Katharina-Stube gemeinsam. Pflege und Ausspeisung waren auch die ersten Angebote seit die Barmherzigen Schwestern 1839 in Innsbruck tätig wurden. 1935 wurde die Katharina-Stube am jetzigen Standort eröffnet. „Dadurch, dass weniger junge Menschen in unsere Gemeinschaft einsteigen, haben wir die Caritas vor drei Jahren um Unterstützung gebeten“, hält Generaloberin Schwester Pauline Thorer fest.

„Auf die soziale Ausgewogenheit achten“

97.000 Euro nimmt das Land Tirol für die Katharina-Stube künftig zusätzlich jährlich in die Hand: „Wir müssen auf die soziale Ausgewogenheit im Land schauen“, bekräftigt Landeshauptmann Günther Platter. Aufgrund des guten Wirtschaftsstandorts und der hohen Beschäftigung im Land könne man sich diese Investitionen auch leisten. „Wir müssen jenen eine Stimme geben, die sie nicht mehr erheben können, die sich kein Essen beschaffen und nicht mehr kommunizieren können – in der Katharina-Stube ist beides möglich. Ein breites Umfeld ist notwendig, damit wir behaupten können, es gibt ein soziales Tirol - wir arbeiten täglich daran.“

Sozialer Friede als hoher Wert

„Ich kenne Menschen, die nie geglaubt hätten, je aus der Bahn geworfen zu werden. Es kann aber jede/n von uns erwischen“, streicht Bürgermeister Georg Willi die Bedeutung eines sozialen Netzes hervor. „In der Katharina-Stube werden die Grundbedürfnisse des Menschen abgedeckt. Profis und Freiwillige arbeiten daran, dass niemand auf der Strecke bleibt.“ Der soziale Friede sei in einer solidarischen Gesellschaft ein extrem hoher Wert.

„Jede/r Obdachlose ist eine/r zu viel“

Oft seien es einfache Dinge, die einen Menschen aus der Bahn werfen können. „In der Katharina-Stube wird ein warmes Essen, die Möglichkeit der Körperpflege und vor allem eine Tagesstruktur geboten, denn das Gefühl, nicht dazu zu gehören, ist oft schlimmer, als die Kälte auf der Straße“, so Landesrätin Gabriele Fischer.

Innsbruck – eine soziale Stadt

„In den nächsten Monaten werden die Angebote der Stadt noch weiter ausgebaut. Wir haben große Herausforderungen vor uns und wir bleiben gefordert.“, geht Vizebürgermeister Franz X. Gruber auf künftige Aufgaben im Sozialbereich ein: „Wir haben keine spezielle Zielgruppe, weil man nicht sagen kann, wen es trifft.“ Die öffentliche Hand könne daher nicht die gesamte soziale Arbeit der Stadt abdecken, darum seien Kooperationen wichtig. Auch wenn es immer wieder Diskussionen und unterschiedliche Auffassungen gebe: „Der Weg ist das Ziel.“

Mindestsicherung Neu

Am Rande der Pressekonferenz wurde auch über die neue Mindestsicherung gesprochen. Für Bischof Hermann Glettler habe die Bundesregierung zu wenig auf die Expertise jener gehört, die täglich mit Menschen in Not arbeiten. Landeshauptmann Günther Platter zeigt sich darüber erleichtert, dass es bei den Wohnkosten künftig 30 Prozent Flexibilität gibt – dafür habe er sich persönlich eingesetzt. Man werde die neue Mindestsicherung beurteilen, wenn Daten und Fakten auf dem Tisch liegen.

Großer Wunsch

Caritasdirektor Georg Schärmer formulierte abschließend noch einen großen Wunsch: „Die Katharina-Stube ist räumlich zu klein. Mehr Duschmöglichkeiten, Krankenzimmer für Obdachlose und Notschlafzimmer wären wünschenswert.“ Zudem sei auch der Rückenwind aus der Bevölkerung und von den Barmherzigen Schwestern da.

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