Forschungsprojekt
Wie Linienbusse über Artenvielfalt informieren
- V.l.: Rudi Spiegel (Buslenker Postbus AG), Diedo Gross (Nachhaltigkeitsbeauftragter der Postbus AG) Marjana Ljubisavljevic (Uni Innsbruck, IBM-Projektkoordinatorin) und Michael Traugott (Uni Innsbruck, IBM-Projektleiter) inklusive Werkzeug vor dem Monitoring-Bus.
- Foto: Jan Thönnessen
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Postbusse können mehr als nur Fahrgäste von A nach B transportieren, das zeigt ein neues Forschungsprojekt der Universität Innsbruck. Mittels DNA-Analysen werden die auf den Windschutzscheiben der Busse erfassten Fluginsekten untersucht. Das Ergebnis: 3.455 verschiedene Insektenarten konnten über diese Methode nachgewiesen werden. Ein essenzieller Schritt, um das Thema Insektenschutz genauer zu erforschen.
INNSBRUCK. Ein halbes Jahr sammelten Forscherinnen und Forscher am Institut für Zoologie Proben für das „Insekten-Bus-Monitoring“ Programm. Mit insgesamt 16 Busstrecken in vier verschiedenen Bundesländern entstand dieses Projekt in Zusammenarbeit mit der Postbus AG der ÖBB. Die Erkenntnis übertraf die Erwartungen und man konnte relevante Informationen über invasive und schädliche Arten, den generellen Bestand sowie vermeintlich ausgestorbene Arten sammeln.
- V.L: Marjana Ljubisavljevic (Uni Innsbruck, IBM-Projektkoordinatorin) und Michael Traugott (Uni Innsbruck, IBM-Projektleiter) gaben im Bus Auskunft über die Ergebnisse des Projekts.
- Foto: Jan Thönnessen
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Vom Mikrofasertuch zur DNA
Fluginsekten werden häufig im Stadtverkehr erfasst. Durch den Einsatz eines Busses kamen dabei keine zusätzlichen Lebewesen zu Schaden. Dreimal pro Monat reinigten Forschende den Frontbereich der Busse mit einem Mikrofasertuch, um die dort aufgeprallten Insekten gezielt zu erfassen. Nach dem Auswaschen der Tücher konnte mithilfe des gewonnenen Wassers und spezieller Filter Insekten-DNA isoliert werden. Im Labor wurden die Proben anschließend sorgfältig untersucht und mit einer internationalen Datenbank abgeglichen.
Projektleiter Professor Michael Traugott lobte den Ansatz: Er bezeichnete die Methode als ressourcenschonend und zeitsparend.
- Darstellung eines speziellen Filters für die Insekten-DNA Gewinnung.
- Foto: Jan Thönnessen
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Artenvielfalt
Unter den 40.000 in Österreich einheimischen Insektenarten, seien laut Traugott zumindest 80 Prozent teilweise flugfähig. Mit dem Projekt wurden 3.455 Arten, also rund neun Prozent der beheimateten Spezies, nachgewiesen. Unter ihnen sind unterschiedliche Insekten-, sowie Spinnen- und andere Arthropodenarten (Gliederfüßer). Zweiflügler wie Schwebfliegen, Stubenfliegen und Stechmücken wurden, gefolgt von Käfern und Schmetterlingen, am häufigsten gezählt. Besonders erfreulich - mithilfe des Busmonitorings konnten auch lokale Arten entdeckt werden. Zwischen 250 und 500 Exemplare wurden nur in je einem Bundesland entdeckt.
- Ein Kreisdiagramm zur Darstellung der gefundenen Insektenarten.
- Foto: Universität Innsbruck
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Lang tot geglaubt
Bei den Funden stieß man auf eine seltene Art: Die kleine Höckerschrecke. Sie wurde 1960 das letzte Mal in Tirol nachgewiesen und galt lange Zeit als ausgestorben. Ebenso bemerkenswert: Auch invasive Arten aus Ostasien schafften es in die Tiroler Berge. Dazu zählen beispielsweise die Marmorierte Baumwanze oder die Kirschessigfliege, beide potenziell schädlich für Obst-, Gemüse- und Weinbau. Auch einen gesundheitlichen Nutzen enthält das Projekt: Regionale Vorkommen der potenziell krankheitsübertragenden Stechmücke können erfasst werden und damit mögliche Gesundheitsrisiken rechtzeitig erkannt werden.
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