Öziv für Tirol
„Wohnschirm“ für Menschen mit Behinderung

Der Anteil an barrierefreien Wohnungen in Tirol viel zu gering. | Foto: stock.adobe/H_Ko
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Menschen mit Behinderungen und altersbedingten Einschränkungen sind auf barrierefreie und leistbare Wohnräume angewiesen - durch Teuerung und hohe Energiekosten geraten viele zusätzlich in immer stärkere finanzielle Notlagen.

INNSBRUCK. Anlässlich des Internationalen Tages der Menschen mit Behinderungen am 3. Dezember fordert der ÖZIV Tirol als Interessenvertretung, dass insbesondere auch für Menschen mit Behinderungen ein „Wohnschirm“ aufgespannt wird. Neben finanziellen Unterstützungen braucht es dazu auch strukturelle und gesetzliche Änderungen!

Hohe Kosten – Hohe Belastung

Finanzielle Unterstützungen, wie der Wohnschirm des Sozialministeriums oder der Tirol Zuschuss, sollen Menschen helfen, die sich das Wohnen oder Heizen nicht mehr leisten können. Gerade auch für Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen sind die hohen Energie- und Wohnkosten noch einmal belastender. Auf Grund immer noch fehlender inklusiver Bildungs- und Arbeitschancen und gesundheitlicher Einschränkungen, die oft nur eine Teilzeitarbeit möglich machen, sind sie in einem besonderen Ausmaß einer Armutsgefährdung ausgesetzt. Barrierefreiheit und Leistbarkeit einer Wohnung sind in Kombination dabei eine besondere Herausforderung.

Zu wenig und zu teurer Wohnraum

Die Wohnkosten in Tirol sind ohnehin schon hoch, speziell in Ballungsräumen, wo es aber die meisten Chancen auf eine barrierefreie Wohnung gibt und auch eine für Menschen mit Behinderungen wichtige barrierefreie Infrastruktur, wie Arztpraxen oder Apotheken, eher vorhanden ist. Oft findet sich Barrierefreiheit, die für ein selbstständiges inklusives Wohnen unabdingbar ist, zudem meist nur im teuren Neubau.

„Da zeigen sich nun auch die Fehler aus der Vergangenheit, indem in den Bauordnungen lange Zeit kaum Anforderungen an die Barrierefreiheit Berücksichtigung fanden und teilweise bis heute noch nicht konsequent umgesetzt werden,“ merkt ÖZIV Tirol Geschäftsleiter Hannes Lichtner an.

Auch dadurch ist der Anteil an barrierefreien Wohnungen in Tirol viel zu gering. Schätzungen zufolge, da konkrete Zahlen fehlen, beläuft sich der Anteil an barrierefreiem Wohnraum in Tirol auf nur etwa vier Prozent. Wenn man bedenkt, dass auch sehr viele ältere Menschen mit Einschränkungen hinsichtlich der Möglichkeit des „Alterns in den eigenen vier Wänden“ von diesem Thema stark betroffen sind, zeigt sich allein durch die demographische Entwicklung hier eine große gesellschaftliche Herausforderung für die Zukunft.

Die Barrierefreiheit ist wichtig, um sich im Eigenheim wohl zu fühlen. | Foto: ÖZIV
  • Die Barrierefreiheit ist wichtig, um sich im Eigenheim wohl zu fühlen.
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Es muss an mehreren Schrauben gedreht werden

Auch die barrierefreie Adaptierung von Altbestand muss forciert werden: „Neben kurzfristigen Zuschüssen zur Abfederung der Teuerung und Energiekostensteigerungen braucht es für die Entwicklung von mehr leistbarem barrierefreiem Wohnraum in Tirol aber auch mittel- und langfristig zusätzliche gesetzliche und strukturelle Maßnahmen,“ ist der ÖZIV Tirol überzeugt. Dazu gehörten auch notwendige Anpassungen an die Tiroler Bauordnung, wie zum Beispiel die Rücknahme der Regelung, dass erst ab sieben Wohnungen eine Wohnanlage barrierefrei gestaltet werden muss. Das ist gerade auch für den ländlichen Raum mit oft kleinen Wohnanlagen kontraproduktiv, worauf auch der Tiroler Monitoringausschuss vor kurzem in einer Aussendung hingewiesen hat. Auch die bautechnischen Vorschriften müssten bezüglich der Normen für Barrierefreiheit nachgeschärft werden und die rechtliche Durchsetzbarkeit von Barrierefreiheit verbessert werden, wie es auch für kurzem die Staatenprüfung zur Umsetzung der UN-Behindertenrechts-konvention von Österreich gefordert hat.

„Wir brauchen jedoch auch kurzfristige Lösungen,“ weiß Lichtner, „und es muss daher auch die barrierefreie Adaptierung von Wohnungsaltbestand weiter ausgebaut und forciert werden!“

Dazu braucht es einerseits die Sicherung von finanziellen Förderungen, die an die aktuelle Teuerung im Bausektor angepasst werden und andererseits eine gute begleitende Beratung. „Viele sind mit dem komplexen Fördersystem und den technischen Lösungen überfordert", weiß der ÖZIV, der jährlich rund 200 Klientinnen und Klienten bei barrierefreien Umbauten des eigenen Zuhauses begleitet, aufgrund fehlender Ressourcen vor allem aber nur im Ballungsraum Innsbruck. Das Angebot müsste dringend Tirol weit ausgebaut werden und der ÖZIV will dazu Gespräche mit dem Land Tirol führen.

Barrierefreiheit und Leistbarkeit einer Wohnung sind in Kombination dabei eine besondere Herausforderung.
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