07.02.2018, 10:23 Uhr

"Der Konsul" im Landestheater: Bedrückend aktuell

Begeistert als Magda Sorel: Susanna von der Burg. (Foto: TLT/Rupert Larl)

Gian Carlo Menottis musikalisches Drama „Der Konsul“ erweist sich als Oper der Stunde – eine Theaterkritik von Christine FREI.

INNSBRUCK. Den avantgardistischen Komponistenkollegen wie auch der Fachwelt seiner Zeit war er schlichtweg zu konservativ, doch sein Publikum wusste ihn schon damals zu schätzen. Und das mehr als zurecht. Denn rein theatral betrachtet war er wiederum besagten Kollegen weit voraus. Menotti war tatsächlich ein Dramaturg erster Güte: Seine Oper „Der Konsul“ ist geradezu perfekt gebaut, die Empathie für seinen Stoff wie für seine Figuren in jeder Textzeile spürbar. Menotti schrieb ja nicht nur die Musik, sondern auch seine Libretti selbst. Und seine Texte sind in ihrer Poesie so unglaublich am Punkt, dass einen seine eindrücklichen Sätze sogar in der deutschen Übersetzung mitten ins Herz treffen. Beim Thema selbst erwies sich Menotti retrospektiv gesehen sogar als der eigentliche Avantgardist. Denn wie glasklar und akzentuiert er Verfolgung und Flucht, Machtmissbrauch und die inhumanen Strukturen der Bürokratie abhandelt, ließ einen bei der Premiere am Samstag regelrecht erschaudern. René Zisterer hat dieses in seiner Dramatik hochaktuelle Werk mit einem erstklassigen Ensemble und einem kongenialen Team auf die Bühne des Großen Hauses gebracht. Ein bewegender Theaterabend, der lange nachhallt.
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