01.12.2016, 09:00 Uhr

Innsbruck wie es früher war

Martin Reiter mit seinem neuesten Werk „Innsbruck auf alten Ansichtskarten“. (Foto: Martin Reiter)

Wenn man sich durch das neu erschienene Buch von Martin Reiter blättert, fühlt man sich in eine längst vergangene Zeit zurückversetzt: historische Aufnahmen zeigen viele Raritäten aus allen Stadtteilen, wie beispielsweise Pradl, Wilten, Amras, Hötting, Mühlau oder Arzl. "Innsbruck auf alten Ansichtskarten" zeigt 260 historische Korrespondenz- und Ansichtskarten aus der Zeit zwischen 1890 und 1925.

STADTBLATT: Wie sind Sie auf die Idee für das Buch gekommen?
Martin Reiter: Auf die Idee kam ich, als ich bei mir zu Hause alte Ortsansichten angeschaut habe und gesehen habe, wie sich die Orte in den vergangenen Jahrhunderten verändert haben. Meist waren es nur Kirche und ein paar Häuser, heute stehen auf den damals leeren Feldern ringsum riesige Siedlungen. Das ist der Reiz und natürlich auch die Tatsache, dass heute kaum noch Ansichtskarten verschickt werden.

Wie ist das Buch aufgebaut?
Ich würde das Werk fast als „Bilderbuch“ bezeichnen, denn die historischen Ansichtskarten dominieren und werden nur durch ganz kurze Texte beschrieben. Im Buch mache ich quasi einen Spaziergang durch die heutigen Innsbrucker Stadtteile, ausgehend vom ehemals eigenständigen Igls herunter über Vill und Ambras bzw. Amras nach Pradl und quer durch die Stadt bis Mühlau sowie von der anderen Seite, der ehemals eigenständigen Gemeinde Wilten mit dem Bergisel bisn ach Hötting und Kranebitten.

Was kann man sich als Leser vom Buch erwarten?
Die Leser können sich eine bunte Vielfalt an alten Postkarten und Ansichtskarten erwarten. Teilweise erkennt man auch heute noch nahezu gleich aussehende Häuser, Straßenzüge usw. wieder, teilweise sieht man aber auch Bauwerke, die schon längst nicht mehr existieren. Außerdem sind viele künstlerisch wertvolle Karten von damals zu finden und alle möglichen grafischen Gestaltungen.

Wie schwierig ist es, an solche alten Postkarten zu kommen?
Es ist nicht schwierig an alte Postkarten zu kommen. Schwierig ist es, an wirklich einmalige, seltene und interessante alte Postkarten zu kommen, denn die sind natürlich sehr rar und dünn gesät. Das ist der Clou. Es gibt aber einige Sammler, die ganz tolle Karten ihr Eigen nennen. So zum Beispiel Otto Praxmarer senior und junior, die zum Buch sehr viele seltene Karten beigetragen haben. Der Rest kommt aus meiner Privatsammlung.

Welche Assoziationen/Erinnerungen haben Sie persönlich mit Postkarten?
Als wir Kinder waren und auf Urlaub fuhren, wurde von überall und an jeden eine Karte geschrieben, ebenso zu Geburts- und Namenstagen, zu Weihnachten und zu Ostern. Das hat sich aufgrund der neuen Technologien fast aufgehört. Man kann sagen, dass die Postkarten eigentlich die SMS der „guten alten Zeit“ waren – Kurznachrichten eben. Was früher die Ansichtskarte „transportierte“, erledigen heute Facebook, Whats App, Snapchat, SMS, Email usw. Am besten erinnere ich mich noch, dass mir jedes Jahr Anfang Dezember entweder der Nikolaus oder der Krampus eine Karte geschrieben hat. Das war ein ganz komisches Gefühl und ich hatte gehörigen Respekt vor den Worten auf der Karte, teils ermahnend, teils belobigend. Erst viel später kam ich drauf, dass es eigentlich meine Patin aus Kärnten war und nicht Nikolaus oder Teufel.
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