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"Bakerzyste": schmerzende Schwellung in der Kniekehle

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BezirksRundschau: Sg. Hr. Prim. Pehn, Sie sind Leiter der Abteilung für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie am Landes-Krankenhaus Kirchdorf. Das heutige Thema ist die Bakerzyste. Man hört den Begriff sehr oft, es sind auch sehr viele Menschen von dieser Erkrankung betroffen. Aber was versteht man darunter?

Primar Robert Pehn: Bei einer Baker-Cyste kommt es zu einer Schwellung im Kniegelenk. Sie ist eine sackförmige, mit Flüssigkeit gefüllte Aussackung in der mittigen (medialen) Kniekehle. Diese Aussackung entsteht Druck auf die Umgebung, die Schmerzen verursachen kann. 
Man muss sich das so vorstellen: Ein Türscharnier braucht Fett, um geschmeidig zu laufen und die Reibung zwischen den einzelnen beweglichen Teilen zu reduzieren. Außerdem wird dadurch die Abnutzung vermindert. In ähnlicher Weise benötigen die Bänder und der Knorpel in den Knien ein flüssiges Gleitmittel, die Synovialflüssigkeit. Sie trägt dazu bei, dass sich die Beine geschmeidig bewegen und vermindert die Reibung zwischen den beweglichen Teilen des Kniegelenks. Die Synovialflüssigkeit zirkuliert im gesamten Kniegelenk und tritt durch verschiedene Schleimbeutel ein und aus. Es existiert ein ventilartiges System zwischen dem Kniegelenk und der Bursa der Kniekehle. Dieser Mechanismus reguliert die Menge der ynovialflüssigkeit, die aus der Bursa aus- und einfließt. Manchmal produziert das Knie jedoch zu viel Synovialflüssigkeit. Häufigste Ursache sind Entzündungen des Kniegelenks, beispielsweise bei verschiedenen Arten der Arthritis oder nach einer Knieverletzung, letzteres besonders bei Meniskusrissen. Die Bursa in der Kniekehle ist am anfälligsten für eine Schwellung durch überschüssige Synovialflüssigkeit. Wenn sich die Bursa mit Flüssigkeit füllt und ausdehnt, ist eine „Beule“ die Folge, die so genannte Bakerzyste. Ihrer Struktur nach ist sie einem mit Flüssigkeit gefüllten Ballon ähnlich.

Mit welchen Symptomen äußert sich eine Bakerzyste?
In manchen Fällen verursacht die Bakerzyste keine Schmerzen und wird nicht bemerkt. Meistens jedoch treten Symptome wie Schmerzen beim Gehen, Spannungsgefühl in der Kniekehle, Schwellung des Beins und des Fußes und Rötung des Kniegelenks auf. Das Ausmaß der Beschwerden hängt jedoch vom Aktivitätsgrad der Flüssigkeitbildung ab. Nach Belastung schwillt eine Bakerzyste typischerweise stark an und kann unter Schonung nach einigen Tagen nicht mehr nachweisbar sein. Dementsprechend schwanken die Beschwerden meist mit dem Grad der Belastung, entsprechend der Spannung der flüssigkeitsgefüllten Zyste.
Hat die Baker - Zyste erst einmal eine bestimmte Größe erreicht können die Schmerzen auch völlig belastungsunabhängig auftreten. Selten platzt die Zyste und die Synovialflüssigkeit läuft in die Wadenregion aus. Dies verursacht einen stechenden Schmerz im Knie sowie Schwellung und Rötung der Wade.
 Diese Symptome ähneln denen einer tiefen Venenthrombose (Blutgerinnsel) im Bein. Treten sie auf, müssen Sie sofort zum Arzt gehen, denn eine Thrombose muss sofort behandelt werden.

Gibt es besondere Risikogruppen, bei denen eine Bakercyste auftreten kann?
Bakerzysten treten am häufigsten bei Personen im Alter zwischen 50 und 60 Jahren auf. Das liegt daran, dass diese Personengruppe mit zunehmendem Alter für Arthrose und Knieverletzungen anfälliger wird.

Was genau ist die Ursache einer Bakerzyste?
Die Ursache für die Ausbildung einer Bakerzyste in der Kniekehle ist die vermehrte Produktion von Gelenkflüssigkeit in das Kniegelenk. Der Auslöser dafür kann verschieden sein.
Meist durch einen Schaden im Kniegelenk, wie z.B. eine Arthrose, ein länger bestehender Meniskusschaden oder eine entzündliche Grunderkrankung wie z.B. eine rheumatoide Arthritis. Verantwortlich für die Ausbildung einer Baker-Zyste ist in den überwiegenden Fällen jedoch eine verschleißbedingte Ursache, also eine Arthrose oder ein Meniskusriss.
Das Kniegelenk versucht durch vermehrte Produktion von “Gelenkschmiere” die Funktion des Kniegelenkes wieder zu verbessern. Hierdurch kommt es zur permanenten Erhöhung des Gelenkinnendrucks. Die schwächste Stelle des Kniegelenkskapsel gibt und nach und bildet die Bakerzyste.

Wie wird eine Bakercyste diagnostiziert?
Die Diagnose einer Bakerzyste kann im allgemeinen, relativ leicht aus der Kombination von Krankengeschichte, Beschwerden, klinischer und diagnostischer Untersuchung gestellt werden. Bei ausgeprägten Formen wölbt sich die Bakerzyste in der Kniekehle hervor, mittlere Größen können meist an klassischer Stelle ertastet werden, kleine Bakerzysten können meist nur mit bildgebenden Methoden dargestellt werden. Wie z.B. dem ultraschall, Röntgen oder MRT.

Wann wird welche Methode eingesetzt?
Eine Ultraschall-Untersuchung (Sonographie) der Kniekehle kann eine Baker - Zyste nachweisen, sowie ihre Lokalisation und Ausmaße darstellen. Konventionelles Röntgen kann arthrotische Veränderungen (Verschleiß als Ursache der Zyste) des Kniegelenks aufzeigen. Eine Magnetresonanztomographie (MRT) kann im weiteren die genaue anatomische Lokalisation und die Verbindung zur Gelenkapsel darstellen. Mitunter bereiten Bakerzysten wegen ungewöhnlich bizarrer, auch sehr langstreckiger schlauchförmiger Konfigurationen bei Einblutungen mit und ohne Rupturen jedoch diagnostische Probleme. Für den Nachweis einer klassischen Baker - Zyste ist ein MRT sicherlich nicht notwendig.
Da jedoch immer die Ursache einer Bakerzste mitbehandelt werden muss, liefert das MRT hilfreiche Zusatzinformationen über Begleitverletzungen, wie Meniskusrisse oder den Grad der Arthrose.

Wie sehen die Therapiemöglichkeiten aus?
Prinzipiell kann man bei der Bakerzyste konservative und operative Behandlungsmöglichkeiten unterscheiden. Grundsätzlich beginnt man die Therapie mit konservativen Ansätzen und versucht somit, eine Operation zu umgehen. Wenn diese nicht-operativen Methoden jedoch nach sechs Monaten keine Heilung oder zumindest eine deutliche Besserung der Symptome erbringen können, sollte dann doch ein chirurgischer Eingriff in Erwägung gezogen werden.
In manchen Fällen ist es sinnvoll, direkt über eine Operation nachzudenken, zum Beispiel, wenn die Bakerzyste als Folge eines Meniskusschadens entstanden ist, um zu verhindern, dass sich erneut Zysten ausbilden. Natürlich ist die Ursache der Bakerzyste (neben dem Ausmaß der Beschwerden wie Schmerzen und die Schwellung) generell ein Kriterium, nach dem sich die Entscheidung zwischen konservativer und operativer Therapie unter anderem richtet.

Gibt es auch Bakerzysten, die keine Beschwerden machen?
Wenn eine Bakerzyste mittels Zufallsbefund diagnostiziert wird beziehungsweise nicht groß ist und keine Beschwerden macht, ist im Regelfall gar keine Therapie notwendig, was gar nicht selten der Fall ist.

Welche konservativen Möglichkeiten gibt es?
Die konservative Therapie richtet sich nicht primär gegen die Ursache der Bakerzyste, also den Verschleißvorgang im Kniegelenk. Nur wenn es zu einer Verbesserung der Kniegelenksfunktion kommt, ist mit einer dauerhaften Verbesserung der Beschwerden in der Kniekehle zu rechnen.
Besonders wirksam haben sich in den letzten Jahren bei der Behandlung der Bakerzyste die Therapie mit Hyaluronsäure entwickelt. Hierbei handelt es sich um körpereigene Substanzen, die die Qualität des verbliebenen Knorpels verbessern können. Hierdurch kann die "Wasserbildung" reduziert werden und im Idealfall bildet sich die Bakerzyste zurück.Die Hyaluronsäurebehandlung wird nicht direkt an der Bakerzyste durchgeführt sondern am Kniegelenk, wo das Wasser für die Bakerzyste produziert wird.
Punktion der Zyste: Der Inhalt der Zyste kann auch mit einer Spritze herausgesaugt werden. Mit einem Wiederauftreten der Zyste muss jedoch gerechnet werden, da um es bildlich zu beschreiben “der See leergepumpt wird, aber der zuführende Fluss weiter läuft”.

Welche Operationsmöglichkeiten gibt es?
Im Vordergrund steht hierbei die Sanierung der der Zyste zugrunde liegenden Knieerkrankung, also der Meniskusschaden oder die Arthrose (Knorpelabrieb).

Kann der Knieschaden z.B. durch eine Arthroskopie behoben werden, bildet sich die Bakerzyste in 2/3 der Fälle von selbst wieder zurück. Eine Operation der Baker - Zyste an sich ist daher meist nicht notwendig. Ausnahme bilden die Rheumatiker. Da sich entzündlich verändertes Kapselgewebe in der Zyste befindet, sollte dieses grundsätzlich entfernt werden.

Fotos: gespag

Autor:

Martina Weymayer aus Kirchdorf

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