Bergbahn-Pionier
"Besessen" vom Gedanken einer „Bergbahn“

Andrä Brandtner vor einer Karte der Steinplatte.
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  • Andrä Brandtner vor einer Karte der Steinplatte.
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Der Waidringer Seilbahnpionier und Ehrenbürger Andrä Brandtner feierte seinen 90. Geburtstag.

WAIDRING (rw/niko). Das mehrfach mit Bestnoten ausgezeichnete Skigebiet Steinplatte, im Dreiländereck Tirol-Salzburg-Bayern, gehört heute zu den modernsten Skidestinationen Österreichs. Und auch im Sommer ist die Steinplatte mit dem Kinderparadies „Triassic Park“ ein beliebtes Ausflugs- und Wandergebiet.
Diese Freizeitangebote haben bisherige und künftige Generationen dem Mut, der Risikobereitschaft und dem Pioniergeist eines Mannes zu verdanken. Andrä Brandtner (geb. 26. 1.1929), vor 50 Jahren Sägewerksbetreiber und Gastwirt, war damals vom Gedanken „Skilift und Bergbahn“ besessen. „Als begeisterter Skifahrer bekam ich durch meine erste Frau Hilda, sie war die Schwester von Toni Sailer, einen besonderen Bezug zum Wintersport. Ende der 1960er-Jahre gab es nur die Bergbahnen in Fieberbrunn, Kitzbühel, Ellmau und Söll. Warum nicht auch bei uns? Die Steinplatte, seit je her ein beliebtes Tourengebiet, war ideal dafür – allerdings war eine Talabfahrt unmöglich bzw. nicht finanzierbar", schildert der Waidringer Ehrenbürger (1997 wurde die Ehrenbürgerschaft verliehen, Anm.).

Erste Schlepplifte

„Das Gutachten des damaligen Skipapstes Prof. Friedl Wolfgang war vernichtend“, gesteht Brandtner. „Als Alternative zur Talabfahrt wurde auch ein möglicher Skiweg ins Tal aus Kosten- und Naturschutzgründen nicht genehmigt. Trotz Rückschlägen konnte ich meine Freunde und späteren Partner, Richard Larcher und Wenzel Pravda, von der Idee überzeugen. Nächste Hürde, das fehlende Eigenkapital. Bei der Vorstellung des Projekts schüttelte der Direktor meiner Hausbank in Innsbruck nur den Kopf und versicherte dann nach langer Überlegung: „Herr Brandtner wir machen das Projekt auf ihren Namen und enttäuschen Sie mich nicht.“

Mit diesem Vertrauensvorschuss und den gewährten Darlehen wurde am 2. Juni 1972 die Steinplatte Aufschließungs GesmbH & Co. KG gegründet. Vier Wochen später war Baubeginn für die ersten drei Schlepplifte (Plattenkogel, Kammerkör 1, Schwarzlofer). „Wir mussten tagelang die vorhandene „Latschenwüste“ roden und schafften damit rund 40 % mehr Weidefläche“.

Zuvor hatte man bereits im Frühjahr 1972, mit Zustimmung der Grundeigentümer (Bauern, Bundes- und Saalforste), mit dem zweispurigen Ausbau der Zufahrtsstraße auf die Steinplatte begonnen, im Dezember 1972 gingen die Schlepplifte in Betrieb. Investitionssumme damals: 18 Mio. Schilling.

Erfolgsgeschichte seit 1972

„Es war alles neu, wir hatten überhaupt keine Erfahrung, aber ich habe niemals die Arbeit und das Risiko gescheut“, versichert Andrä rückblickend. Heute wäre ein solches Projekt nicht mehr möglich, damals bescherte der aufstrebende Tourismus der Region einen enormen infrastrukturellen Aufschwung.
Nach dem ersten Winterbetrieb 1972/73 ging es auf der Steinplatte bautechnisch Schlag auf Schlag. Doppelsesselbahnen, neue Abfahrten, Erschließung durch die Tiwag, Umstellung der ersten Lifte von Diesel- auf Stromantrieb, laufende Qualitätsverbesserungen mit schnellen 4er, 6er und 8er Sesselbahnen mit Hauben und Sitzheizungen, Speicherteiche und Schneeanlage, Gondelbahnen Steinplatte und Reith im Winkl, Triassic Park …

Innovationen & Impulsgeber

Aus der Praxis des Liftbetriebes heraus hat Andrä Brandtner auch zur technischen Weiterentwicklung der Seilbahnbranche beigetragen. „Ich erinnere mich noch gut: Am Einstieg der kuppelbaren 4er-Sesselbahn Bäreck (neben Bad Hofgastein damals die zweite kuppelbare Bahn Österreichs) herrschte zu Weihnachten 1985 Chaos, weil es den Gästen nicht möglich war einzusteigen. Abhilfe schafften die mit Brandtner entwickelten Förderbänder mit Anhalte- und Balkensystem. Doppelmayr setzte seine revolutionäre Idee um und sorgte damit für einen reibungslosen Einstieg und Abtransport der Gäste. „Mit dem Förderband konnten die täglichen Lift-Anhaltungen von 100 auf 10 reduziert werden. Die Einstiegshilfen wurden zum Standard, es gibt keine kuppelbaren Bahnen mehr ohne Förderband.“

Maschinelle Beschneiung

Es lief sehr gut, volle Parkplätze und Steigerungen jedes Jahr – bis es 1988 zu Weihnachten nur 30 cm Naturschnee gab. Die ganze Mannschaft war zum „Steinen“ eingeteilt, es gelang über Weihnachten die Pisten zu präparieren, nach den Feiertagen mussten wir zusperren. Erst am 4. Februar konnte wiedereröffnet werden, der Jänner 1989 brachte eine Einbuße von 40%. Auch andere Bergbahnen hatten Probleme mit der Schneesicherheit, im ganzen Land arbeitete man an Beschneiungsprojekten.

Als Vorreiter im Bezirk Kitzbühel, nicht einmal Kitzbühel hatte damals Schneekanonen, investierte Familie Brandtner Anfang der 1990er Jahre in die künstliche Beschneiung – den Anfang machten acht Schneekanonen, verteilt auf jedem Hügel der Hauptabfahrt Kapellen.

In den letzten Jahrzehnten liegt das Hauptaugenmerk auf der Modernisierung der Schnee- und Betriebsanlagen – Qualität und Komfort stehen dabei immer im Vordergrund. Heute gewährleisten vier Speicherteiche und 200 Schneeerzeuger das gesamte Skigebiet (9 Lifte/Bahnen, 21 Abfahrten, 42 Pistenkilometer) innerhalb einer Woche maschinell zu beschneien.

Zubringerbahn & Jurassic Park

Große Meilenstein in der Geschichte der Steinplatte waren die Errichtung der beiden Gondelbahnen. 1998 vom Waidringer Ortszentrum auf die Steinplatte und 2009 die Erschließung des Gebietes mit der Gondelbahn Winklmoos auf bayrischer Seite von Reit im Winkl aus. Einzigartiges hat man vor zehn Jahren mit der Eröffnung des Triassic Park & Center geschaffen.

Ab heurigem Frühsommer startet der Ausbau zur Vollbeschneiung, mit Jahresende ist das Skigebiet dann zu 100 Prozent maschinell beschneibar. Der Austausch der 1995 eröffneten Kapellen-Bahn ist für 2020/2021 geplant.

Durch den frühen Tod der beiden Mitbetreiber (Larcher & Pravda) hat bereits vor mehr als 30 Jahren Sohn Andreas Brandtner den größten Teil der Geschäftsführung übernommen. Heute ist mit den Enkelsöhnen Andreas jun. und Florian die dritte Generation in der Geschäftsführung des Familienunternehmens tätig. Der Firmengründer dazu: „Ich habe mich vor zehn Jahren aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und mir selbst den Beobachter-Status auferlegt. Ich konnte in den letzten Jahren mit meiner Frau Anni den nördlichen Teil der Erde bereisen und bin dankbar noch bei bester Gesundheit zu sein“, erzählt der vierfache Opa und dreifache Ur-Opa.

Bergbahnen Steinplatte Waidring
9 Aufstiegshilfen, 21 Abfahrten, 42 Pistenkilometer, Triassic Park & Center;
Mitarbeiter: 30 Sommer, 80 Winter.

Facts Steinplatte

1973 – Schlepplift Kammerkör 2
1975 – Doppelsesselbahn Plattenkogel
1977 – Bärecklift (Dieselantrieb)
1978 – Stromversorgung durch Tiwag
1979 – Kapellenlift „Kurvenlift“
1980 – Doppelsesselbahn Kammerkör
1983 – Kammerkörlift 3
1985 – 4er-Sesselbahn Bäreck
1988 – 4er-Sesselbahn Steinplatte, Bau Möserlift, Abwasserkanal an örtliches Kanalnetz
1991 – Kapellenspeicherteich, Schneeanlage
1995 – 6er-Sesselbahn Kapellen
1998 – Gondelbahn Steinplatte Waidring
1999 – Speicherteich Plattenkogel
2000 – 4er Sesselbahn Schwarzlofer
2001 – 4er Sesselbahn Mösern
2003 – 6er Sesselbahn Plattenkogel (Sitzheizung)
2005 – 8er Sesselbahn Steinplatte (3.800 P/h, Heizung)
2007 – Speicherteich Mösern
2008 – Eröffnung Triassic Park & Center
2009 – Gondelbahn Seegatterl Reit im Winkl
2009 – Aussichtsplattform
2011 – Erweiterungen Triassic Park
2016 – 6er Sesselbahn Kammerkör (Sitzheizung)
2017 – Speicherteich Gipfel Steinplatte
2019 – Ausbau zu 100 % Beschneiung
2020/21 – Neue 6er Sesselbahn Kapellen

Fotos: Wörgötter

Hier geht's zum Kurzbericht - Gratulation der Gemeinde für den Jubilar

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