Aktions- und Gedenktag am 3. März
Artenschutz in Kärnten

Prof. Helmut Zwander: "Jeder Bürger kann etwas für den Naturschutz bzw. Artenschutz tun. Er muss sich nur überlegen, was er bereit ist, auszugeben."
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  • Prof. Helmut Zwander: "Jeder Bürger kann etwas für den Naturschutz bzw. Artenschutz tun. Er muss sich nur überlegen, was er bereit ist, auszugeben."
  • hochgeladen von Bernhard Knaus

Der Tag des Artenschutzes ist ein im Rahmen des Washingtoner Artenschutzübereinkommens eingeführter Aktions- und Gedenktag, der alljährlich am 3. März stattfindet. Der Artenschutz befasst sich mit dem generellen Erhalt von Tier- und Pflanzenarten in ihren natürlichen Lebensräumen. Es sollen gefährdete, wild lebende Tier- und Pflanzenarten in ihrer natürlichen und historisch gewachsenen Vielfalt durch den Menschen geschützt und gepflegt werden. In Kärnten gibt es im Großen und Ganzen drei Ebenen, die sich um die Artenschutzangelegenheiten, wie zum Beispiel die Biodiversität, kümmern.

KLAGENFURT. Die oberste Ebene ist der sogenannte beamtete Naturschutz, d.h. die Spezialisten kommen aus der Abteilung 8 der Landesregierung. In dieser Abteilung wird dafür Sorge getragen, dass die gesetzlichen Grundlagen eingehalten werden. Dazu meint Helmut Zwander: „Es ist keine leichte Aufgabe, die die Spezialisten für Umwelt- und Naturschutz zu bewältigen haben. Die Politik und ihre Fachbeamten sind zum Beispiel verpflichtet, geltendes EU-Recht umzusetzen. Ich erinnere mich an die großen Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Natura-2000-Gebiete. Diese Gebiete sind ein zusammenhängendes Netz von Schutzgebieten innerhalb der Europäischen Union. Der damalige Landesrat hatte große Widerstände seitens der Grundeigentümer zu überwinden.“

Ökologiebüros

Unter dieser Ebene gibt es die sogenannten Ökologiebüros. Diese Büros gibt es in Klagenfurt in bereits größerer Anzahl. Doch auch eine Vielzahl von Einzelpersonen haben sich in den letzten Jahren mit Ökologiebüros selbstständig gemacht. „Die gute Zusammenarbeit zwischen den Ökologiebüros und dem Land Kärnten“, so der Artenschutzexperte Helmut Zwander, „ist enorm wichtig, um zum Beispiel EU-Projekte zum Arten- und Biotopschutz einzureichen. Zum Glück funktioniert das in Kärnten bestens. So konnten in der Vergangenheit bereits etliche Projekte erfolgreich abgeschlossen werden, auch grenzübergreifende Projekte. Einlangende Ideen werden durch diese Büros auf ihre Sinnhaftigkeit und Machbarkeit hin überprüft und zur Einreichung aufbereitet. Die Ideenlieferanten sind oftmals Vereine, ab und zu auch Einzelpersonen.“

Grund- und Gartenbesitzer

Die dritte Ebene sind die Grund- und Gartenbesitzer. In Österreich gibt es rund drei Millionen Haushalte mit Hausgärten und Grünflächen, 2,2 Millionen davon haben einen Garten. Coronabedingt wird der Trend dorthin sogar noch stärker. Diese Ebene ist die wichtigste, zugleich aber auch die schwierigste“, so Helmut Zwander, „Gegen den Grundbesitzer geht überhaupt nichts. Es ist daher die primäre Aufgabe aller Beteiligten, für Verständnis der Naturschutzmaßnahmen zu sorgen. Obwohl es finanzielle Abgeltungen gibt, ist die Schaffung und der Erhalt von schützenswerten Flächen an strikte Vorschriften, wie zum Beispiel die genau geregelte Bewirtschaftung etc., gebunden. Erklärt sich ein Grundeigentümer bereit, Flächen in ein Agrar-Umweltprogramm wie ÖPUL zu melden, dann wird hier laufend geprüft und kontrolliert. Und wie gesagt, niemand muss hier mitmachen, daher ist ein gutes Gesprächsklima immens von Vorteil.“
Mit dem Agrarumweltprogramm, dem „Österreichischen Programm zur Förderung einer umweltgerechten, extensiven und den natürlichen Lebensraum schützenden Landwirtschaft“ (ÖPUL), wird eine umweltschonende Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen unterstützt. Das bisher sehr erfolgreiche Umweltprogramm sollte 2020 auslaufen, wurde aber bis 2022 verlängert.

"Nationalpark Garten"

Was man aber zunehmend erkannt hat, ist die große Bedeutung der Kleingrundbesitzer für die Biodiversität. „Man spricht hier schon vom „Nationalpark Garten“ und das zurecht“, meint Zwander, „In Deutschland hat man ausgerechnet, dass die Summe aller Gärten eine größere Fläche darstellt als die Flächen aller Nationalparks zusammen. Und in Österreich wird es vermutlich nicht viel anders aussehen. Sehr positiv ist, dass man das große vorhandene Potential erkannt hat. Man muss dem Gartenbesitzer die Angst vor verwilderten Stellen in seinem Garten nehmen und ihnen vor Augen führen, dass die übergroße Ordnungsliebe in ihren Gärten mehr schadet als nutzt.“
Jeder Gartenbesitzer hat die Möglichkeit, aktiv zum Artenschutz einen Beitrag zu leisten. Es hilft, Schmetterlinge und andere Insekten zu schützen, indem im eigenen Garten möglichst viele über das Jahr verteilt blühende Blumen-, Kräuter oder Gemüsesorten angepflanzt werden. Unbedingt verzichtet werden sollte auf chemische Schädlingsbekämpfungsmittel. 2017 wurden rund 700 Tonnen Pestizide nur in Haus- und Kleingärten versprüht. Herumliegende Äste oder Baumreste können Igeln oder Eidechsen Unterschlupf bieten. Und das klassische Vogelhäuschen im Garten bietet sich als Nistplatz für Stare, Meisen oder andere Kleinvögel an.

Größte Bedrohung Artensterben

Wie vordringlich die Lösung des Problems Artensterben ist, führt eine Aufstellung des Weltbiodiversitätsrates IPBES deutlich vor Augen. Hier wird der Verlust der Artenvielfalt als die größte Bedrohung für den Planeten Erde angeführt, das Artensterben bedroht die Existenz der Menschen. „Es ist erschreckend, mit welcher Geschwindigkeit das Artensterben fortschreitet. Wenn man bedenkt, dass alle 10 Minuten eine Art ausstirbt“, führt Helmut Zwander aus, „in Österreich sind dies vor allem Insekten und Vögel. Seit 1980 ist die Vogelpopulation um 60 Prozent zurückgegangen. Die großen Kulturlandschaften und hier vor allem die intensive Form der Landwirtschaft durch große Agrarkonzerne sind das größte Problem im Land, sogar noch vor der Verwendung der Pestizide und der Überdüngung. Doch den ersten Schritt müssten die Konsumenten machen und sich die Frage stellen, was bin ich bereit für ein gesundes Produkt aus unserer heimischen Landwirtschaft auszugeben. Mit dieser Frage steht und fällt alles.“
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Bewusstseinsbildung in den Schulen. Erfreulich für Zwander ist es, dass die Themen „Ökologische und artgerechte Tierhaltung“ bereits im Lehrplan verankert sind. „Man möchte nicht glauben, wie nachhaltig ein Besuch einer Schulklasse bei einem Biobauern ist, wie beeindruckt die Kinder von diesem Besuch sind.“

Naturwissenschaftlicher Verein Kärnten

Helmut Zwander ist nicht nur als Biobauer von den beiden Themen Naturschutz und Artenschutz direkt betroffen, sondern widmet auch noch einen großen Teil seiner Freizeit dem „Naturwissenschaftlichen Verein Kärnten“, dessen ehrenamtlicher Präsident er seit 2006 ist. Der Verein wird bei großflächigen Erschließungen für zum Beispiel den Wintertourismus oder bei Bauvorhaben wie z.B. Windräder oder größeren Solaranlagen etc. konsultiert. Der Verein selbst hat zwar keine eigene Sektion Naturschutz, ist aber im Naturschutzbeirat des Landes Kärnten mit zwei Mitgliedern vertreten. Der Verein hat zurzeit rund 2000 Mitglieder in insgesamt 11 Fachgruppen. Die Kernaufgabe des Vereines ist es, gute Strukturen und Grundlagen für die naturwissenschaftliche Erforschung Kärntens zu schaffen. Momentan wird an einer Publikation mit dem Titel „Die Säugetiere Kärntens“ gearbeitet. Jedes Jahr werden an die 15.000, - Euro für Projektförderungen an junge Wissenschaftler ausgeschüttet. 2023 sollen dann die „Rote Liste der Tiere Kärntens“ und die „Rote Liste der Pflanzen Kärntens“ erscheinen.

Rettung der Zwergohreneule

Selbst wird auch aktiv an verschiedenen Projekten mitgearbeitet. Ein sehr erfolgreiches Artenschutzprojekt wurde mit der Rettung der Zwergohreneule abgeschlossen. Diese zweitkleinste Eulen-Art verbringt ihren Winter in Afrika. Im September fliegt sie rund 4000 Kilometer nach Mittelafrika und kommt im April wieder zurück nach Kärnten, um hier zu brüten. „Für uns Wurdacher war die Eule immer da. Man sieht sie zwar sehr selten, aber man kann sie am Abend sehr gut hören“, erzählt Helmut Zwander, „Mit der Zeit fiel uns auf, dass dieses melodische Pfeifen immer seltener zu hören war. Nach Gesprächen mit Ornithologen wurde uns mitgeteilt, dass die Eulenbestände in Niederösterreich, im Burgenland und der Südsteiermark bereits erloschen wären und dass das in Wurdach auch so passieren wird.“
Um der Zwergohreneule in Kärnten das gleiche Schicksal zu ersparen, wurde von Ernst Modritsch, Gerald Malle, Remo Probst, Christian Kau und Helmut Zwander eine Artenschutz-Projektgruppe gegründet. Als erste Maßnahme wurden hunderte Nistkästen aufgehängt. Diese Quartierschaffung wurde bestens angenommen. Um das Fressverhalten studieren zu können, wurde ein Nistplatz mit drei Infrarotkameras überwacht. Das Ergebnis dieser Beobachtung war, dass Heuschrecken, Großinsekten und Falter hauptsächlich auf der Speisekarte der Eule stehen. Obwohl Wurdach und Umgebung ein „Hotspot“ der Heuschreckenvielfalt waren, wurde die Population der Heuschrecken mit dem Erhalt und Neuschaffung südseitig gelegener Wiesen erhöht. Des Weiteren wurde die Anpflanzung von Obstbäumen forciert. Die Zwergohreneule braucht diese Hochstamm-Streuobstwiesen, denn besonders dort lebt und gedeiht eine Heuschreckenart, die der Eule als Nahrungsquelle dient. „Zurzeit befinden sich in Wurdach und Umgebung wieder rund 35 brütende Eulenpärchen. Das ist Rekord in Österreich“, meint Helmut Zwander nicht ohne Stolz.

Bäuerliche Obstbaumschule

Im Zuge des Artenschutzprojektes wurde die „Bäuerliche Obstbaumschule Wurdach“ von Ernst Modritsch gegründet. Hauptaugenmerk wurde hier in erster Linie auf die Pflege und Anpflanzung der alten Birnen- und Apfelsorten gelegt. Im Oktober gibt es jedes Jahr Verkaufstage, wo Interessenten aus ganz Kärnten ihre Obstbäume erwerben können. „Dieser Biotop-Typ ging in den letzten Jahrzehnten immer mehr verloren. Dadurch, dass die Landwirte diese alten Sorten wieder beziehen können, gab es einen enormen Aufschwung. Der Verkauf wird sehr gut angenommen“, so Zwander.
Und trotz aller Bemühungen, zeigt sich der promovierte Botaniker besorgt: „Wenn ich mich ab und zu ein wenig zurücklehne und meine Gedanken in die Zukunft schweifen lasse, so stellt sich für mich die große Frage, ob unsere Kinder und Kindeskinder in Zukunft bereit sein werden, die Natur zu schützen. Naturschutz kostet etwas und dadurch, dass unsere Kinder sich sehr viel in virtuellen Welten aufhalten, geht die Verbundenheit mit der Natur immer mehr verloren. Ich bin überzeugt von dem Gedanken „Kinder brauchen Dreck“.“

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