100-Jährige im Interview: "Die Kufsteiner Festung war unser Spielplatz!"

Theresia Horngacher feierte am 22. September ihren 100. Geburtstag und kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken.
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  • hochgeladen von Barbara Fluckinger

LANGKAMPFEN (bfl). Auf 100 Jahre zurückblicken konnte Theresia Horngacher zu ihrem runden Geburtstag am 22. September. Im Interview mit den BEZIRKSBLÄTTERN gibt sie einen Einblick in ihr bewegtes Leben und verrät wie man 100 Jahre alt wird. 
Im schicksalshaften Jahr 1918 wurde Horngacher in Thiersee als ältestes von drei Kindern bei einem kleinen Bauern in Thiersee geboren. Die Volksschule und Hauptschule besuchte sie dann in Kufstein – ihr Lieblingsfach: Geschichte. Schon als Kind faszinierte sie ganz besonders die Geschichte eines russischen Gefangenen, der in früheren Jahrhunderten in einer Zelle auf der Kufsteiner Festung festgehalten wurde. "Die Festung war unser Spielplatz", sagt Horngacher im Gespräch. Sie erzählt von Abenteuern dort oben, so wie sie beispielsweise einmal mit einer Freundin versuchte ein Gitter zu erklimmen, um mehr Blicke zu erhaschen, und dabei fast steckenblieb. 
Nach der Hauptschule arbeitete Horngacher als Hausmädchen in Schaftenau, wo sie ihren zukünftigen Mann kennenlernte. Nach der Heirat kam ihr Sohn 1938 auf die Welt, zehn Jahre später erblickte eine Tochter die Welt. Dazwischen lagen Kriegsjahre, die Horngacher noch sehr gut in Erinnerung sind. Bereits 1938 wurde ihr Mann für den Polen-Feldzug im zweiten Weltkrieg an die Front geschickt.
In den Jahren die folgten musste sie alleine für sich und ihren Sohn sorgen und war dabei sehr auf die Hilfe von guten Nachbarn und ihren Eltern angewiesen. Das schlechteste Jahr war für Horngacher dabei 1945, in dem die Lebensmittel für die kleine Familie mehr als knapp wurden. Einmal musste sie mit ihrem Sohn sogar zum Bauern gehen und um Lebensmittel betteln. "Das Schlimmste war die Angst, dass mein Mann nicht mehr zurückkommt", sagt Horngacher über die Kriegsjahre. Als ihr Mann, Hans Horngacher, 1945 in die Heimat zurückkehrte, fand er schnell Arbeit und es ging für die Familie wieder bergauf. Das Ehepaar baute ein wenig später ein Haus, wobei Theresia Horngacher sogar selbst an der Mischmaschine Hand anlegte. 
Gemeinsam mit ihrem Mann konnte Horngacher auf 61 Ehejahre verbringen, ehe er 1999 verstarb. Horngacher ist trotz einer Hüftoperation, die sie mit neunzig Jahren bekam, noch sehr rüstig – mit 95 nähte sie sich auf ihrer Nähmaschine selbst ein Kleid. Seit rund einem Jahr wohnt sie nun im Altenwohnheim Langkampfen. Die Größe ihrer Familie ist beträchtlich: Neben zwei Kindern hat Horngacher vier Enkel, vier Urenkel und einen Ururenkel – der zweite ist unterwegs. Auf die Frage hin, ob sie ein Rezept für das Erreichen eines so hohen Alters hat, lacht Horngacher: "Ja, hart arbeiten!"

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