Zusammengeführt
Einrichtungen für Suchthilfe bündeln Angebot in Wörgl

Renate Mauracher, Psychosoziales Zentrum (PSZ) Wörgl, Wolfgang Sparber, Geschäftsführer der Suchthilfe Tirol, Sabine Höller, Beraterin Suchthilfe Tirol/Wörgl und Josef Obermoser, Berater Suchthilfe Tirol/Wörgl (v.l.) wollen Menschen mit einer Suchterkrankung helfen.
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  • Renate Mauracher, Psychosoziales Zentrum (PSZ) Wörgl, Wolfgang Sparber, Geschäftsführer der Suchthilfe Tirol, Sabine Höller, Beraterin Suchthilfe Tirol/Wörgl und Josef Obermoser, Berater Suchthilfe Tirol/Wörgl (v.l.) wollen Menschen mit einer Suchterkrankung helfen.
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Sucht ist im Bezirk Kufstein weiterhin ein Thema. Neue Einrichtung in Wörgl "Suchthilfe Tirol" soll effizientere Beratung für suchtkranke Menschen liefern. 

WÖRGL, BEZIRK KUFSTEIN (bfl). Die "Suchthilfe Tirol" will schnelle und kostenlose Hilfe für suchtkranke Menschen im Bezirk Kufstein anbieten. Entstanden ist sie aus der Zusammenführung des Vereins "sucht.hilfe BIN" (Beratung, Information, Nachsorge) und der Suchtberatung Tirol. Dass deren gebündelte Kräfte im Bezirk Kufstein auch tatsächlich gebraucht werden, zeigt die Statistik der Beratungsstelle in Wörgl. 

420 Klienten im Jahr 2020

Im Jahr 2020 betreute die Suchthilfe Tirol in Wörgl 420 Klienten, wobei davon sechzig Prozent Männer und vierzig Prozent Frauen waren. Laut Schätzungen sind im Bezirk Kufstein rund 4.000 Menschen alkoholkrank, etwa 8.000 weitere zeigen bereits ein missbräuchliches Verhalten und sind gefährdet, in die Sucht abzurutschen. Damit ist aber noch lange nicht Schluss. Glaubt man Schätzungen, so hatten dreißig bis vierzig Prozent der Erwachsenen im Bezirk Kufstein bereits Konsumerfahrungen mit Cannabis. Dennoch konsumiert nur ein Bruchteil davon regelmäßig illegale Drogen, bei einem Prozent entwickelt sich ein Suchtverhalten bzw. eine Abhängigkeit.

Fusion ermöglicht bessere Beratung

Im Psychosozialen Zentrum (PSZ) Wörgl erläuterten die Verantwortlichen nun, welche Verbesserungen die Zusammenführung in der Beratung und Betreuung von Menschen mit Suchterkrankung im Bezirk Kufstein mit sich bringt, aber auch welche Auswirkungen die Corona-Pandemie auf den Suchtmittelkonsum im Bezirk hat. 
Der Vorteil des Zusammenschlusses liegt darin, dass sich Betroffene und Angehörige nun an eine Stelle wenden können, erklärt Wolfgang Sparber, Geschäftsführer der Suchthilfe Tirol. Die Fusion bringe mehr Austausch und Zusammenarbeit sowie ein breiteres Angebot, erklärt auch Renate Mauracher, Sprecherin des Psychosozialen Zentrums Wörgl, das auch eingebunden ist. Man habe die Erfahrung gemacht, dass sich die Themen und Probleme der Klienten vermischen – zu psychischen Problemen kommen also oft auch Alkoholprobleme oder Ähnliches hinzu. 

"Für das Psychosoziale Zentrum Wörgl mit seiner besonderen Lage in einem Einkaufszentrum bedeutet die Bündelung der Kräfte in der Suchthilfe Tirol die Fortführung des ständigen Ausbaus des sozialpsychiatrischen Angebots in Wörgl", sagt Renate Mauracher, Psychosoziales Zentrum (PSZ) Wörgl.
  • "Für das Psychosoziale Zentrum Wörgl mit seiner besonderen Lage in einem Einkaufszentrum bedeutet die Bündelung der Kräfte in der Suchthilfe Tirol die Fortführung des ständigen Ausbaus des sozialpsychiatrischen Angebots in Wörgl", sagt Renate Mauracher, Psychosoziales Zentrum (PSZ) Wörgl.
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Corona-Pandemie mit Folgen

Was die Corona-Pandemie betrifft, so gab es durchaus unterschiedliche Auswirkungen. Durch das Ausfallen von Partys hatten es Alkoholiker, die vor allem durch "soziales Trinken" der Sucht verfallen sind, leichter. Anders sieht es durch die Pandemie für viele andere Suchtkranke aus, für sie ist das Risiko gestiegen.

„Vier Fünftel der befragten KlientInnen geben an, dass sich ihr Suchtverhalten verändert hat. 25 Prozent der Befragten geben an, dass sie jetzt mehr Suchtmittel konsumieren, rund zwölf Prozent geben an, dass sie weniger konsumieren. Zehn Prozent geben an, dass sie eine Substanz gar nicht mehr konsumiert haben. Als Gründe für die Konsumveränderungen werden der Wegfall von sozialen Kontakten, Ängste, Sorgen und Langeweile genannt“, sagt Sparber.  

Die Suchtberater in Wörgl glauben, dass sich die Auswirkungen der Pandemie erst zeigen werden und befürchten nun ein vermehrtes Auftreten von Suchterkrankungen. 

"Der Fokus der Arbeit der Suchthilfe-Beratungsstelle Wörgl liegt in der Beratung, Begleitung und Nachsorge von Menschen mit Alkohol-, Drogen-, Nikotin- und Medikamentenabhängigkeiten sowie von stoffungebundenen Abhängigkeiten wie Spielsucht“, berichtet Suchthilfe Tirol Geschäftsführer Wolfgang Sparber.
  • "Der Fokus der Arbeit der Suchthilfe-Beratungsstelle Wörgl liegt in der Beratung, Begleitung und Nachsorge von Menschen mit Alkohol-, Drogen-, Nikotin- und Medikamentenabhängigkeiten sowie von stoffungebundenen Abhängigkeiten wie Spielsucht“, berichtet Suchthilfe Tirol Geschäftsführer Wolfgang Sparber.
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Bedarf auch in Kufstein da

Was grundsätzlich auffällt: Vierzig Prozent der Klienten in Wörgl kommen aus den Städten Kufstein und Wörgl, der Rest verteilt sich auf den ganzen Bezirk. Bedarf für eine fixe Beratungsstelle sehen die Suchthilfe-Berater demnach auch in der Stadt Kufstein. Sie wären bereit, auch dort ihre Beratung anzubieten. Gerade in der Festungsstadt ist das Thema Drogen brandaktuell, zeigte doch das abwasserbasierte Drogenmonitoring für das Jahr 2020, dass Kufstein innerhalb von Österreich den höchsten Kokainkonsum hat und auch bei Ecstasy den traurigen ersten Platz im Land einnimmt. 
In der Stadt will man in einer Sitzung des Sicherheitsausschusses darüber beraten, wie man auf das Thema Drogenkonsum am besten reagieren soll. Einige Fraktionen haben sich dabei bereits dafür ausgesprochen, eine fixe Beratungsstelle in Kufstein einzurichten. Aktuell gibt es "nur" die mobile Drogenberatung, die MDA Basecamp aus Innsbruck, die auch in der Festungsstadt unterwegs ist. 

Glaubst du, dass eine weitere Beratungsstelle in Kufstein notwendig ist?

Mehr Infos dazu findest du auf  www.suchthilfe.tirol
Aktuelle Nachrichten aus dem Bezirk Kufstein gibt‘s hier.
Alle Beiträge zum Thema Corona in Tirol gibt‘s hier.

Kufstein hat höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Kokain
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