Mobbing
Kramsacherin will Kinder mutiger durch die Schule gehen lassen
- Gegen Mobbing im Bezirk Kufstein: Kinder können verschiedene Verhaltensweisen erlernen, um erst gar nicht in den „Kampf“ ziehen zu müssen.
- Foto: Hochkogler
- hochgeladen von Barbara Fluckinger
Mobbing an der Schule ist keine Seltenheit. Warum man dem bereits in der Volksschule entgegenwirken sollte, erklärt die Mentaltrainerin Anna Hochkogler aus Kramsach.
KRAMSACH, BEZIRK KUFSTEIN. Jedes fünfte Schulkind in Österreich erfährt Mobbing – das belegen Studien. Wie man Mobbing den Kampf ansagen kann und was bei einem Fall von Mobbing für die Eltern wichtig ist, erklärt Anna Hochkogler.
Sozialkompetenz als Schulfach
Die Kramsacherin hat eine Ausbildung zur Mentaltrainerin absolviert und sich über die Ausbildung beim deutschen Ausbildungsinstitut "Stark auch ohne Muckis" auf die Arbeit mit Kindern spezialisiert. Derzeit bietet sie in der Region zwischen Kiefersfelden und Schwaz offene Trainings für Kinder an. Die Kurse seien immer ausgebucht, es kämen aber oft nur die schüchternen Kinder, die eher Opfer von Mobbing sind. Man müsse aber auch die, die mobben, erreichen. "Wenn Mobbingfälle passieren, gehören sie dort aufgelöst, wo es passiert", sagt Hochkogler.
- "Wenn Mobbingfälle passieren, gehören sie dort aufgelöst, wo es passiert", sagt Hochkogler.
- Foto: Barbara Fluckinger
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Ihr Ziel ist es deswegen, in ihrer Arbeit das Thema Mobbing auch direkt an Schulen aufzugreifen. "Sozialkompetenz sollte ein Schulfach sein", betont Hochkogler. "Kinder lernen Geschichte und wann Kriege angefangen und geendet haben, jedoch nicht, wie man sich im Hier und Jetzt verhalten kann, damit wir in Zukunft keine mehr erleben müssen", so die Kramsacherin.
Widerstandsfähigkeit stärken
Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten, um Kinder zu unterstützen – und zwar bereits im Volksschulalter, denn resiliente (also psychisch widerstandsfähige) Kinder können das Risiko für Angriffe jeglicher Art um ein Vielfaches reduzieren. Genau das macht Hochkogler in ihren Trainingseinheiten. "Mein Training nach dem Konzept von 'Stark auch ohne Muckis' setzt vor Selbstverteidigung an", erklärt die Mentaltrainerin. Kinder lernen verschiedene Verhaltensweisen, um erst gar nicht in den „Kampf“ ziehen zu müssen. Sie werden von innen heraus gestärkt und lernen, Herausforderungen selbstsicher, eigenverantwortlich und gewaltfrei zu meistern. Es geht also darum, wie sich Kinder verhalten können und welche Körpersprache sie brauchen, damit andere sie erst gar nicht angreifen. Die Kinder sollen diese Fähigkeiten im Training durch Spiele erlernen.
- Die Kinder lernen im Training spielerisch, ohne Muckis stark zu sein.
- Foto: Hochkogler
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Kinder als Spiegel
Dabei zeigen Eltern oder Erwachsene bei Mobbingfällen oft eine "falsche" Reaktion. Sätze wie "Lass dir das nicht gefallen!", "Wehre dich!" oder der direkte Gang zur Lehrperson seien hier nicht hilfreich. Jegliche "Weg-Von-Haltung" sei nicht zielführend. "Wichtig wäre zu fragen, was das Kind gemacht hat und wie es sich verhalten hat", sagt die Mentaltrainerin. Man sollte sich mit dem Kind gemeinsam der Frage widmen, was man tun kann, damit das Mobbing nicht mehr passiert.
Auch Kritik von Lehrern an Eltern und umgekehrt ist weder zielführend noch im Sinne der Kinder. Ein wichtiger Aspekt, der vielleicht oft unterschätzt wird: Kinder tun nicht, was Erwachsene sagen. Sie tun, was Erwachsene tun. "Kinder sind der Spiegel unserer Gesellschaft", erklärt die Mentaltrainerin. Klare Grenzen, Vereinbarungen und Regeln sind wichtig für Kinder, genauso wie logische, nachvollziehbare Konsequenzen. Wenn sich die Eltern nicht (immer) an die Regeln halten, wird es das Kind folglich auch nicht tun.
Mehr Gemeinschaftssinn
Wichtig sei dabei auch zu bedenken, dass jeder Mensch immer aus seiner besten Option heraus handelt – auch die Mobber. Hinter jedem Kind, das schikaniert und beleidigt, steckt also auch immer ein Bedürfnis. "Räumen wir diesem Gedanken mehr Platz ein, können wir damit beginnen, etwas zu verändern", sagt die Mentaltrainerin.
Wenn Kinder also dank des Trainings anders denken und handeln, können sie den Mobbern durch ihr neues Verhalten den Wind aus den Segeln nehmen und das System Mobbing auflösen. Eine Garantie gibt es laut Hochkogler nicht. Aber: Jedes gestärkte Kind ist ein Multiplikator und trägt einen Teil dazu bei, dass mehr Gemeinschaftssinn und Frieden in den Klassenzimmern einkehrt.
Vortrag in Ebbs
Mentaltrainerin Anna Hochkogler hält am 4. Februar einen Vortrag in Ebbs „Mobbingvortrag beginnt zuhause“. Mehr Infos rund um offene Trainings oder Klassentrainings für Schulen finden Sie auf www.annahochkogler.at.
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