11.04.2017, 18:00 Uhr

Holub: "Transparenz eignet sich für Angstmache"

Umweltreferent Rolf Holub stellt der Sauberkeit Kärntens ein gutes Zeugnis aus. Müll kostet dennoch unnötig Millionen

Verschmutzung der Kärntner Umwelt nimmt ab, das Bewusstsein dafür zu. Dennoch: Sie kostet dem Land Millionen.

KÄRNTEN. "Es wird besser, weil wir genauer hinsehen", stellt Grünen-Landesrat Rolf Holub der aufkommenden Umweltverschmutzung in Kärnten ein recht gutes Zeugnis aus. Ein Beispiel: "Wir leben unter den Folgen einer frei gelassenen Industrie", so Holub. "Damals war einfach alles möglich." Nun habe aber in Kärnten ein "externer Experte" 60 Betriebe untersucht. Holubs Fazit: "Alles ok." In einem Ampelsystem haben manche lediglich ein Gelb bekommen. Rot setzte es für keinen Kärntner Betrieb.
Die öffentliche Wahrnehmung, wie es um die Sauberkeit der Umwelt steht, beurteilt Holub aber anders. "Die steigende Transparenz bei solchen Themen sorgt für das Gefühl, die Verschmutzung steige", ist er überzeugt. "Diese Transparenz eignet sich zur Angstmache."

Strenge Grenzwerte in Kärnten

Auch zunehmende Messgenauigkeit bei Überprüfungen – oder auch noch junge Verfahren – unterstützt dieses negative Gefühl. Gerade bei geogenen Substanzen – also solche, die in der Natur ohnehin vorkommen – gebe es eine gefühlte Zunahme. Holub spricht vor allem von Uran und Radon. "Bis vor zwei Jahren haben wir Uran gar nicht gemessen", erinnert er. Nun werde das gemacht – mit strengen Grenzwerten. Das Ergebnis: "In manchen Fällen ist Trinkwasser nicht für Säuglinge geeignet", so Holub. Ergänzung: "Wir haben für Trinkwasser zehn Mal so strenge Kriterien wie für Mineralwasser."
Im Falle von Radon – es kann die Lunge schädigen – ist es ähnlich. Messungen finden nun flächendeckend statt. Holubs Tipp an die Kärntner: "Man soll vor einem Hausbau messen lassen, um sicher zu sein." In bestehenden Häusern hilft "regelmäßiges Lüften". In seinem Referat hat er auch etwas vor: "Eine Karte, auf der diese Substanzen und ihre Konzentration in den Regionen Kärntens ersichtlich ist."

Müll kostet Kärnten Millionen

Holubs recht gutes Zeugnis soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Verschmutzung von Umwelt wichtiges Thema ist. Allein der Müll, der jährlich aus dem Kanal gefischt wird, kostet das Land vier Millionen Euro. "Es werden Sexspielzeuge, tote Tiere und sogar Fahrräder gefunden", wundert er sich. Sein Appell: Nichts im WC oder über den Kanal zu entsorgen.
Am meisten Probleme bereiten die Feuchttücher, sie sorgen für Verstopfung von Rohren und Abwasserleitungen. Das Problem: "Bei einigen steht auf der Packung, dass sie im Klo entsorgt werden können, stimmt aber nicht", ärgert sich Holub. Von einem Verbot der Tücher hält er nichts, vielmehr will er die Hersteller in die Pflicht nehmen. "Ihnen die Kosten für die Reinigung anteilsmäßig hinaufdividieren, immerhin produzieren die Hersteller das Problem", kündigt er an. Das Thema werde er bei der nächsten Umweltreferenten-Sitzung auf die Tagesordnung setzen.
Auch abseits von bewusst in Toiletten entsorgten Substanzen, ortet Holub Handlungsbedarf: Über den Toilettegang gelangen eingenommene Medikamente in den Kreislauf – das kann für Resistenzen sorgen und Medikamente wirkungslos machen. Holub: "Wir wollen Filter installieren, die auch Rückstände von Medikamenten aus dem Wasser filtern."
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