27.07.2016, 10:44 Uhr

Wienerisch-Workshop: A schware Partie - für Nichtwiener, aber auch für Wiener (mit Video)

Was heißen die Wörter "Kieberer", "Paradeiser" und "Fetzen"? Mikie, Aron, Shoaib, Mussab sowie bz-Redakteurinnen Conny Sellner und Christine Bazalka beim Wienerischlernen. (Foto: Max Spitzauer)

In Mariahilf gibt es die Chance, in Wienerisch-Workshops am perfekten "Heast, Oida" zu feilen. Zwei bz-Redakteurinnen haben sie gemeinsam mit vier Sprachschülern wahrgenommen.

MARIAHILF. "Euuu", tönt es aus Arons konzentriert zusammengezogenem Mund. "Weuuid?", setzt er hoffnungsvoll hinzu, während seine Augen das Whiteboard absuchen, das an der Stirnseite des Raumes hängt. "Nicht ganz", sagt Lehrer Michael Wiktora und deutet auf das Wort, um das es gerade geht: "Welt wird zu Wöd." "Wöd", wiederholt Aron, jetzt schon mit mehr Selbstbewusstsein.

Was sich zwischendurch wie eine dadaistische Performance anhört, ist durchaus ernst gemeint: Aron, Mikie, Shoaib und Mussab lernen heute Wienerisch. Die vier jungen Männer können schon ganz gut, aber noch nicht perfekt Deutsch. Bei der Aussprache kämpfen alle noch ein wenig mit den Zwielauten und Umlauten – ei, eu, ö und so weiter. Das Wienerische, mit seiner vielfältigen und schlampigen Vokalaussprache, erhöht den Schwierigkeitsgrad noch einmal – man denke dabei an das nasale "a" in "agrannt", das dunkle "å" in "Håts di?" und das undefinierbare Ende von "Kanäu". Keine einfache Kost, vor allem für den Engländer Mikie, bei dem "I a" schon einmal zu "Ei ä" wird.

"A Eitrige" am Würstelstand

Trotzdem ist er wie alle anderen auch mit Eifer bei der Sache. Egal, ob sie sich in Dialogen gegenseitig versichern, dass sich gerade "ned vüü" tut, oder sie am fiktiven Würstelstand "a Eitrige" bestellen, die vier bemühen sich redlich.

Genauso wie ihr Lehrer Michael Wiktora. Er hat sich den Inhalt des Wienerisch-Workshops selbst erarbeitet. "Meiner Meinung nach gibt es nichts Vergleichbares", sagt er, "und dementsprechend auch kein Lehrmaterial." Wiktora hat deshalb selbst Dialoge geschrieben, sich die Lautregeln des Wienerischen angesehen und zeigt Seiler-und-Speer-Lieder. Alles nicht unbedingt mit dem Ziel, dass seine Schüler nach dem Workshop perfekt Wienerisch können. "Ich merke, dass sie innerhalb kürzester Zeit viel mehr verstehen", sagt er, "das werte ich als Erfolg."

Wienerisch-Workshop in Mariahilf:

Umgebung besser verstehen

Das war auch der Grund, warum Kathrin Kreiner den Kurs ins Leben gerufen hat. Sie betreibt gemeinsam mit Michael Englberger den Dialog Sprachcampus, wo der Wienerisch-Workshop einmal im Monat angeboten wird. "Wir möchten unsere Kursteilnehmer auf die realen Bedingungen vorbereiten", sagt sie. "Wir richten unser Angebot an fortgeschrittene Deutschlerner, die in Wien leben und ihre Umgebung besser verstehen wollen." Das war auch der Grund für Aron, heute am Kurs teilzunehmen: "Meine Freundin ist halb österreichisch, halb ungarisch", erklärt der Budapester, "und ich möchte einfach ihren Vater besser verstehen. Außerdem finde ich Dialekt lustig."

Nach eineinhalb Stunden Wienerischlernen zeigt sich: Wer in Seiler und Speers Lied "Ham kummst" aus welchem Grund erst später nach Hause kommt – das könnte keiner der Teilnehmer mit Sicherheit beantworten. Genauso wenig, was eine "schware Partie" jetzt genau sein soll. Worüber sich aber alle einig werden können: "Ois leiwand!"

Zur Sache:

Infos zu diesem und weiteren Kursen der Dialog Sprachschule: www.sprachschule-deutschkurse-wien.at
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