Schönwies: Wohnbauprojekt sorgt für Wirbel

Fridolin Raggl (re.), Sprecher der besorgten Anrainer, überreichte Bgm. Willi Fink 324 Unterschriften.
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SCHÖNWIES (otko). Ein geplantes Wohnprojekt im Ortsteil Starkenbach sorgt derzeit für Diskussionen in Schönwies. Bereits seit Wochen machen besorgte Anrainer und die Landecker Grünen gegen das Projekt mobil und eine Unterschriftenaktion wurde gestartet. Neben der "Angst vor der Rohdung und Bebauung des Lawinenschutzwaldes", "der Zerstörung eines der letzten intakten Lebensraumes in der Gemeinde" (Starkenbacher Föhrenwald) wird von den Gegnern auch die "Vernichtung des Lebensraums des Euscorpius germanus" – besser bekannt als "Alpenskorpion" – kritisiert. "Es ist fünf vor zwölf für den vom Aussterben bedrohten Alpenskorpion. Mit dem Wohnprojekt soll der einzige Lebensraum im Inntal zerstört werden. Wir verlangen Schutz für den Skorpion", betont Sprecher Fridolin Raggl. Auch Wolfgang Egg von den Grünen tritt vehement gegen das Projekt auf: "Die Gemeinde muss sich um einen alternativen Standort kümmern und nicht ein solch sensibles Gebiet zerstören."
Zusammen mit weiteren Mitstreitern hat Raggl 324 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt und diese dem Schönwieser Bürgermeister überreicht. "Bei den Unterstützern handelt es sich ausschließlich um Schönwieser", verweist Raggl.

Dringendes Wohnbedürfnis

Bei der Sitzung des Gemeinderates vergangenen Montag wurde eine Machbarkeitsstudie der Neuen Heimat Tirol (NHT) vorgestellt. "Wir haben die Neue Heimat Tirol eingeladen, die technische Machbarkeit einer Wohnbebauung für diesen attraktiven Standort zu prüfen. Zudem befindet sich der Grund im Besitz der Gemeinde", erläuterte Bgm. Willi Fink.
Laut NHT-Projektleiter Elmar Draxl wären zwei dreigeschossige Baukörper mit insgesamt 17 Wohnungen geplant. Die Gebäude würden als Passivhaus und Barrierefrei ausgeführt werden. Neben oberirdischen Stellplätzen und einer Tiefgarage, die zur Hälfte eingegraben werden soll, wäre auch eine Spielplatz angedacht. "Der Wohnbau in dieser Lage wäre sehr gut machbar", resümierte Draxl.
"Es geht hier um ein dringendes Wohnbedürfnis für junge Familien aus Schönwies. Auf der Gemeinde haben wir monatlich Anfragen von Gemeindebürgern, die eine leistbare Wohnung suchen", betonte Bgm. Fink.
Bisher gibt es aber noch keinen Antrag auf eine Umwidmung. "Erst bei einem positiven Gemeinderatsbeschluss startet die Abwicklung des Behördenverfahrens. Die Behörden untersuchen alles genau und seriöser kann man eine solche Geschichte nicht angehen", so Fink. Bisher haben sich auch schon 14 ernsthafte Wohnungswerber gemeldet.

"Gegner des sozialen Wohnbaus"

Zu den vorgebrachten Argumenten der Gegner meinte Fink, dass das der Standort vom aktuellen Gefahrenzonenplan derzeit nicht erfasst sei. Auch handle es sich um kein ausgewiesenes Naturschutzgebiet. "Dass dort Skorpione vorkommen streitet niemand ab, aber es geht um die Größe der Population und wir verbauen auch nicht den ganzen Hang sondern nur eine kleine Fläche", erklärt Fink. Zudem habe sich bisher auch niemand um den Skorpion im angrenzenden Schotterabbaugebiet gekümmert. "Mit diesen zwei luftigen Baukörpern wird keine Umwelt zerstört und sie passen hervorragend in die Landschaft", argumentierte Fink.
Gemeindevorstand Peter Raggl kritisierte die bisherige Vorgehensweise: "Das Projekt wurde von hinten aufgezäumt. Man hätte zuerst die Rahmenbedingungen abklären sollen und hätte sich damit die Unterschriftenaktion gespart."

Widmungsverfahren abwarten

NHT-Dir. Hannes Gschwentner weist ausdrücklich darauf hin, dass das Widmungsverfahren nicht im Einflussbereich der Neuen Heimat Tirol liege und von der Gemeinde Schönwies selbständig durchgeführt werde. "Falls sich im Rahmen dieses Widmungsverfahrens der Gemeinde Gründe ergeben, die gegen eine Umwidmung des Grundstückes sprechen, so wird dort auch kein Wohnbau errichtet werden können", stellt Gschwentner klar.
Manuel Wolf, Referatleiter Natur und Umwelt an der BH Landeck, meint, dass in diesem Bereich mit Skorpionen zu rechnen sei: "Es gibt aber noch kein offizielles Verfahren. Falls dort aber eine größere Population vorhanden ist, ist diese höchst schützenswert."

Autor:

Othmar Kolp aus Landeck

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