09.11.2017, 16:17 Uhr

„Patienten freuen sich über männliche Pfleger“

Wie es ist, in einem Pflegeberuf zu arbeiten, erfuhren die Schüler der 4a-Klasse der NMS St. Michael am Boys' Day am LKH Leoben.

Um junge Männer für klassische Frauenberufe zu begeistern, ermöglicht der Boys‘ Day Einblicke, wie etwa kürzlich am LKH Leoben.

LEOBEN/ST. MICHAEL. Pflege- und Kinderbetreuungsberufe sind nach wie vor großteils weiblich besetzt. Um das zu ändern, fand kürzlich der Boys‘ Day, veranstaltet vom Sozialministerium, statt. Rund 650 steirische Burschen konnten dabei in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Behinderteneinrichtungen sowie Kindergärten vermeintlich typisch weibliche Berufsluft schnuppern. Am LKH Leoben nahmen neun Burschen der 4a-Klasse der NMS St. Michael diese Gelegenheit wahr und tauchten in Begleitung ihres Klassenvorstandes Christine Kressmaier in die Welt der Pflegeberufe ein.

Physiotherapeut

Nur einer von ihnen, Andrè Thaler, konnte sich vor Beginn des Boys‘ Day vorstellen, einen Beruf dieser Art auszuüben. „Physiotherapeut wäre interessant. Ich kenne die Arbeit ausschnittsweise von meinem Physiotherapeuten und ich denke, das würde mir gefallen“, erzählt der 13-jährige, fußballbegeisterte St. Michaeler. Seine Schulkollegen haben bereits andere Berufspläne. „Ich möchte etwas mit Holz machen, eine Arbeit, bei der ich kreativ sein kann, wie etwa Tischler oder Zimmerer“, sagt Patrick Prasshofer. Leon Wagner tendiert zu Maschinenbautechnik. Typisch männliche Berufe. Warum aber kein Pflegeberuf? „Das Interesse ist nicht groß genug dafür und irgendwie hat man im Hinterkopf, dass das Berufe für Frauen sind und dass man dafür vielleicht ausgelacht wird“, geben Thomas Berger und Thomas Wernbacher zu.

Angenehmes Arbeitsklima

Dieses Vorurteil versucht Rüdiger Hausharter, langjähriger diplomierter Kranken- und Gesundheitspfleger am LKH Leoben, gleich einmal aus den Köpfen zu verbannen. Männer würden dringend gebraucht. Erstens weil gemischtes Personal ein angenehmes Arbeitsklima schaffe, Männer die körperliche Kraft mitbringen und zudem viele Patienten große Freude mit männlichen Pflegern hätten. Hausharter erzählt, dass er selbst einmal einen technischen Berufsweg eingeschlagen hatte, sich nach dem Zivildienst aber für den Pflegeberuf entschied. Ein Pflegeberuf schließe die Technik außerdem nicht aus, im Gegenteil. Die hochtechnologischen Geräte, etwa auf der Intensivstation, erfordern großes technisches Wissen.

Brandblasen vom Gips

Ungeschönt zeigte Hausharter den Schülern den Alltag eines Gesundheits- und Krankenpflegers. Nachdem die Burschen weitere Berufsbilder, wie etwa Radiologietechnologe, kennenlernten, ging der Boys‘ Day in den praktischen Teil über. Da wurden etwa von Gipsassistent Burkhard Ritter die Unterarme der Schüler eingegipst und die nötigen Infos dazu gegeben. „Das Wasser, mit dem der Gips befeuchtet wird, muss die richtige Temperatur haben. Andernfalls wird der Gips zu heiß und es können Brandblasen entstehen“, erklärt er. An anderen Stationen wurde von Daniela Pomberger und Kerstin Maier, den Praxisanleiterinnen, das richtige Desinfizieren der Hände gezeigt, der Geschmackssinn getestet und ein EKG ausprobiert. Am Ende des Boys‘ Day konnte sich auch Patrick Preissl einen Beruf in diesem Bereich vorstellen. Allerdings keinen, wo zu viel Blut fließt. Darin waren sich auch seine Freunde einig. Die meisten von ihnen halten an ihrem herkömmlichen Berufswunsch fest, der Boys‘ Day war für sie aber eine Bereicherung und „total interessant“.

Nur 15 Prozent sind männlich

Für die KAGes-Vorstände Karlheinz Tscheliessnigg und Ernst Fartek besitzt das „Praxisschnuppern“ am Boys' Day einen beachtlichen Mehrwert: „Rund 77 Prozent der KAGes-Belegschaft sind weiblich. In unserer größten Berufsgruppe, der Pflege, sind lediglich knapp 15 Prozent männlich. Männer können auch in bisher frauentypischen Berufen eine wertvolle Ergänzung und Bereicherung sein und sind uns herzlich willkommen. Daher offeriert die KAGes jungen Männern interessante Jobchancen mit tollen Berufsperspektiven. Neben gesellschaftlich sehr hoch angesehenen Jobs bietet die KAGes als mehrfach prämiertes familienfreundliches Unternehmen auch ein interessantes Sozialpaket.“
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