Todesstrecke im Rückblick

Zahlreiche Unfälle prägten in den 70er-Jahren das Leben an der Gastarbeiterroute zwischen Schladming und Spielfeld.
  • Zahlreiche Unfälle prägten in den 70er-Jahren das Leben an der Gastarbeiterroute zwischen Schladming und Spielfeld.
  • Foto: Feuerwehr
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Die legendäre Gastarbeiterroute, eine der gefährlisten Streckenabschnitte Europas, ist Thema einer wissenschaftlichen Arbeit.

Sie war eine der gefürchtesten Straßenstrecken Europas - die Gastarbeiterroute. So wurde die Europastraße Fünf (E5) zwischen München und Istanbul nämlich genannt und dieser Titel wurde sogar in Kabarettprogrammen verwendet. „Schleich di auf die Gastarbeiterroute und dasteß di“, tönte zum Beispiel der österreichische Kabarretist Lukas Resetarits in den Siebzigerjahren. Zum Lachen war aber vielen Menschen auf dieser, auch oft als „Todesstrecke“ bezeichneten Straße, nicht zu Mute.

Die Gastarbeiterroute war die bevorzugte Autoreiseroute von südosteuropäischen Gastarbeitern in deren Heimatländer zu Urlaubszeiten. Die 250 Kilometer lange Strecke zwischen Schladming und Spielfeld ist zwar mittlerweile Vergangenheit, hat aber die Menschen auf und an der Straße bis heute geprägt. Jetzt wird dieses Stück steirische Geschichte erstmals wissenschaftlich aufgearbeitet. Manfred Pfaffenthaler aus Gai (Bezirk Leoben) hat die Gastarbeiterroute als Thema seiner Doktorarbeit gewählt. Die WOCHE wollte von dem jungen Mann wissen, warum er sich für die Gastarbeiteroute so interessiert? „In meiner Kindheit, in den 80er Jahren, habe ich immer die Unfall- und Staumeldungen im Radio gehört. Der Begriff „Gastarbeiterroute“ ist mir seit dieser Zeit in Erinnerung geblieben. Meine Eltern haben oft über diese Strecke gesprochen und gemeint, dass man dem Urlauberverkehr dort besser ausweichen sollte – alle haben diese Straße gemieden, sofern es irgendwie ging“, erzählt Manfred Pfaffenthaler.

Die zahlreichen Unfälle und tragischen Ereignisse begannen im Jahre 1970 als die Gastarbeiterströme (hauptsächlich zu Beginn der Sommerferien, zu Weihnachten und zu Ostern), für Chaos auf den österreichischen und jugoslawischen Straßen, die damals nicht für den Transit von jeweils rund zwei Millionen Personen innerhalb weniger Tage ausgelegt waren, sorgten. Die Gastarbeiterroute führte durch enge Dörfer und Städte. Ortsumfahrungen und Autobahnausbau befanden sich zumeist noch im Planungsstadium. Einige Bewohner von Gemeinden wie zum Beispiel Gröbming oder Stainach können noch über dramatische Ereignisse und Unfälle direkt im Ortszentrum erzählen. Einer der grauenhaftesten Unfälle passierte am 9. September 1974 bei Kalwang. Ein Frontalzusammenstoß forderte gleich zehn Tote.

Begonnen hat alles mit einem Pakt. Die Bundesrepublik Deutschland schloss vor 50 Jahren, im Oktober 1961, ein Anwerbeabkommen für Gastarbeiter mit der Türkei. Die ersten Jahre danach war es noch relativ ruhig auf den steirischen Straßen. Erst als die Gastarbeiter genügend Geld für eigene Autos verdient hatten, fuhren sie nicht mehr mit der Bahn, sondern machten sich damit auf den Weg in die Heimat, die Auswirkungen sind bekannt.
Der abschnittsweise Ausbau der Pyhrnautobahn entschärfte die klassische Gastarbeiterroute. Dieser Ausbau erstreckte sich von der Mitte der 70er bis Anfang der 90er Jahre. Der Gleinalmtunnel wurde 1978 eröffnet, der Streckenabschnitt „Wald-Kalwang“ erst 1993.

Der Beginn der Jugoslawienkriege 1991 brachte das endgültige Aus. Kurz davor ergab sich aber mit der Öffnung des „Eiserenen Vorhangs“ die Möglichkeit eine Route über Ungarn zu wählen. „Hier wird wieder deutlich, wie viele unterschiedliche Faktoren den Streckenverlauf bestimmten und die Schicksale entlang und auf der Strecke beeinflussten“, so Manfred Pfaffenthaler.

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