Rahmen für die Zukunft schaffen

Frage: Sie sind erfolgreiche Gastronomin und Bürgermeisterin von Pürgg-Trautenfels. Was hat Sie nun dazu bewogen für den Nationalrat zu kandidieren?
Krenn: Erstens bin ich die Vertreterin einer von Stagnation und Abwanderung gezeichneten Region. Das kann man hinnehmen oder versuchen, etwas dagegen zu unternehmen. Zweitens bin ich 365 Tage im Jahr  Bürgermeisterin, konfrontiert mit den Problemen und Wünschen der Bevölkerung, Gott sei Dank aber auch mit den Ideen und  Impulsen meiner MitbürgerInnen. Und drittens kämpfen die vielen tüchtigen Frauen unserer Region und der gesamten Obersteiermark mit denselben Problemen: Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Karrieregefährdung durch Kindesobsorge und -erziehung, soziale Schlechterstellung vor allem im Alter. Für sie mache ich mich stark – mit meiner Stimme und meinem Netzwerk!

Frage: Warum ist es wichtig auch Unternehmer in den Nationalrat zu entsenden?
Krenn: Wir müssen weg von der typisch österreichischen Versorgungsmentalität, die fördert nur Gleichgültigkeit und Gruppenegoismus – nach dem Motto: Hauptsache, mir geht’s gut. Das ist Gift für die Kreativen und Visionäre in unserem Land! Was wir  brauchen, ist   eine neue Form der Risikokultur, die Ideen nicht nur zulässt, sondern deren Umsetzung ermöglicht und fördert. Unternehmer sind gewohnt, in die Zukunft zu schauen und Risiko zu übernehmen. Deshalb brauchen wir sie im Nationalrat, in viel größerer Zahl, um die nötigen Rahmenbedingungen herbeizuführen!

Frage: Wie kann die Politik Anreize schaffen, um speziell Frauen den Schritt in die unternehmerische Selbstständigkeit zu erleichtern?
Krenn: Frauen verfügen bekanntermaßen über weniger Netzwerke und Seilschaften. Ein „Mentoring-Programm“ würde den Einstieg erleichtern und helfen die gröbsten Fehler zu vermeiden. Regelmäßige Peer-Groups mit Gleichgesinnten und Supervisionen könnten zusätzlich Sicherheit geben. Wir müssen die vielen bürokratische Hürden und Hindernisse beseitigen und die vielen Beamtenwege erleichtern. „One-Stop-Shop“ sollte auch für UnternehmerInnen-Vertretungen kein Fremdwort sein. Das leidige Problem der JungunternehmerInnen-Kredite wird derzeit nicht einfacher, hier wartet ein langwieriges Bohren harter Bretter.

Frage: Welche Maßnahmen würden Sie setzen, um Frauen nach Ihrer Mutterschaft den Wiedereinstieg in die Berufswelt zu erleichtern?
Krenn: Tatsächlich ist im letzten Jahr viel passiert, gerade im Bereich der sozialen Absicherung von Unternehmerinnen: Krankengeld für Selbständige, höheres Wochengeld, geringfügige Beschäftigung neben dem Bezug des Kinderbetreuungsgeldes – das kann sich sehen lassen! Gerade für hochqualifizierte Frauen wird die Babypause zum Karrierekiller. Einfache Rezepte gibt es hier nicht, die Väterkarenz ist eher ein Minderheitenprogramm. Also muss man die Rahmenbedingungen verändern: Kinderkrippen, Kindergärten (auch in den Ferien), einheitliche Schulzeiten, Ganztagesschulen. Das sind die Aufgaben des Staates. Wer will, dass die Wirtschaft konkurrenzfähig bleibt, muss investieren – und nicht nur verteilen!

Frage: Welche Anreize für ein unternehmerfreundliches Umfeld in den Regionen werden Sie im Nationalrat schaffen?
Krenn: Das Stichwort heißt: Mut zum Risiko! Wir müssen die Mutigen, Risikobereiten unterstützen und das sind per se die Jungen und die Unternehmer – am besten also die jungen Unternehmer und vor allem die Unternehmerinnen: von denen gibt es noch viel zu wenig! Dass unsere Region und allgemein die Obersteiermark schlechte Prognosen hat, wissen wir. Dass der Staat diese Entwicklungen aufhält, können wir nicht verlangen, aber dass er Rahmenbedingungen schafft für private Ideen, Initiativen und Projekte – dafür werde ich kämpfen! Konkret heißt das: Runter mit den Einkommenssteuern im mittleren Segment, runter mit den Lohnnebenkosten für Kleinbetriebe, her mit einer Regionalförderung für JungunternehmerInnen. Warum nicht einen bundesweiten „Solidarbeitrag“ der Wirtschaftszentren für die Problemregionen andenken? Das ist erst die Grundlage für mögliche Veränderungen.

Frage: Wo sehen Sie in der Bildung und Lehrlingsausbildung Handlungsbedarf?
Krenn: Wir müssen den Horizont der jungen Leute erweitern und sie ermutigen, die eigenen Talente zu verwirklichen! Wir sollten Anreize schaffen, dass nicht nur Friseurin und Mechaniker lohnende Berufsziele sind. Das muss schon vor der Berufswahl geschehen und konkret gefördert werden: warum nicht Boni für „exotische“ Lehrberufe? Die Bildungsschienen sind schon durchlässig, aber längst nicht ausgenützt. Wir sollten in viel stärkerem Ausmaß an die AbsolventInnen von Höheren Schulen, Universitäten und Akademien herangehen und sie ermutigen, ihre praktischen Fähigkeiten zu ihrem Beruf zu machen. Besser ein akademisch gebildeter High-Tech-Unternehmer als der hundertste arbeitslose Pädagoge.

Autor:

Angelika Marianne Wohofsky aus Liezen

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