Saatbau Linz erklärt
Österreichs Versorgungssicherheit – Wo Risiken lauern und Lösungen wachsen
- Am Standort in Reichersberg, einem europäischen Kompetenzzentrum für Sojazüchtung, verfolgt man seit 2006 das Ziel, eine eigenständige, langfristig abgesicherte und gentechnikfreie europäische Sojazüchtung aufzubauen.
- Foto: Saatbau Linz
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Saatbau Linz warnt vor steigenden Risiken. Versorgungssicherheit bei Lebensmitteln wird zur strategischen Herausforderung. Soja als Schlüssel für Europas Eiweißversorgung.
LEONDING. Die sichere Versorgung mit Lebensmitteln und Agrarrohstoffen wurde in Österreich über Jahrzehnte hinweg als selbstverständlich angesehen. Sowohl heimische Produkte als auch ein stetig wachsendes internationales Angebot sorgten für Stabilität. Doch aktuelle Entwicklungen zeigen, wie anfällig globale Versorgungssysteme geworden sind.
Kriege, Handelskonflikte, die Folgen des Klimawandels sowie zunehmende Marktkonzentrationen setzen die Landwirtschaft und die Lebensmittelversorgung zunehmend unter Druck. Die Saatbau Linz, Österreichs führender Spezialist für Saatgut, sieht darin eine zentrale Herausforderung und investiert gezielt in langfristige Lösungen.
Sperre der Straße von Hormus
zeigt globale Abhängigkeiten
Die derzeitige Sperre der Straße von Hormus wird vor allem wegen ihrer Auswirkungen auf den internationalen Ölhandel diskutiert. Weniger Beachtung findet hingegen ein weiterer kritischer Aspekt: Auch die weltweite Versorgung mit landwirtschaftlichen Düngemitteln wird dadurch erheblich beeinträchtigt.
Die Folgen könnten sich auch in Europa und Österreich bemerkbar machen. Josef Fraundorfer, Geschäftsführer der Saatbau Linz, erläutert die Zusammenhänge:
„Wenn den heimischen Landwirten weniger Dünger zur Verfügung steht oder sie diesen wesentlich teurer kaufen müssen, bedeutet dies nicht sofort, dass Hunger in Österreich ausbricht. Aber es wird zur Folge haben, dass die Produktionskosten steigen und niedrigere Erträge in geringerer Qualität eingefahren werden.“
Klimawandel und Strukturwandel
erhöhen den Druck
Neben geopolitischen Krisen und gestörten Lieferketten sieht Fraundorfer weitere Faktoren, die die Versorgungssicherheit langfristig beeinflussen. „Auch die immer spürbarer werdenden Auswirkungen des Klimawandels mit Trockenheit und Extremwetter-Situationen, der wuchernde Bodenverbrauch oder die strukturellen Veränderungen in der heimischen Landwirtschaft sorgen für neue Rahmenbedingungen“, sagt der Saatbau-Geschäftsführer.
Trotz dieser Entwicklungen bewertet er die Versorgungslage in Österreich aktuell grundsätzlich positiv. Vor allem bei Fleisch, Milch sowie mehreren Ackerkulturen sorgt die hohe Eigenproduktion für Stabilität.
Gleichzeitig verweist Fraundorfer auf bestehende Schwachstellen: „In manchen Bereichen, beispielsweise bei Obst, Gemüse, pflanzlichen Ölen, Eiweißfuttermitteln oder bei Düngern, besteht aber aufgrund der Importabhängigkeit ein selektives Risiko.“
Soja als Schlüssel für
Europas Eiweißversorgung
Besonders deutlich zeigt sich die Bedeutung einer unabhängigen Landwirtschaft am Beispiel der Sojabohne. Sie zählt weltweit zu den wichtigsten Rohstoffen für die Erzeugung tierischer Lebensmittel. Importierte Sojabohnen, etwa aus Brasilien, standen in der Vergangenheit immer wieder wegen möglicher Regenwaldrodungen und gentechnischer Veränderungen in der Kritik. Österreich hat sich inzwischen zu einem bedeutenden Sojaproduzenten Europas entwickelt.
Im vergangenen Jahr wurden auf rund 86.000 Hektar Anbaufläche etwa 272.000 Tonnen Sojabohnen geerntet. Mehr als ein Drittel der Ernte stammt aus kontrolliert biologischer Produktion. Bemerkenswert ist dabei, dass bis zu 50 Prozent der heimischen Sojabohnen direkt in die Lebensmittelherstellung fließen. International wird Soja hingegen überwiegend als Futtermittel eingesetzt.
Nicht jede Sojabohne
eignet sich für Tofu
Für die Verarbeitung zu Lebensmitteln gelten deutlich strengere Qualitätsanforderungen als für Futtermittel. Entscheidend sind nicht nur Ertrag oder Proteingehalt, sondern zahlreiche weitere Eigenschaften. „Dies stellt an das Ausgangsprodukt ganz andere Anforderungen im Hinblick auf Qualität und Verarbeitungseigenschaften. Hier geht es nicht mehr um größtmöglichen Ertrag, Futterwert oder Protein. Bei Speisesoja zählen Korngröße, Homogenität, Reinheit, Textur und Prozessstabilität“, erklärt Fraundorfer.
Anders formuliert: Nicht jede Sojabohne eignet sich automatisch für die Herstellung von Tofu. Bereits bei der Züchtung müssen jene Eigenschaften berücksichtigt werden, die entlang der gesamten Wertschöpfungskette – vom Feld bis zum fertigen Produkt – erforderlich sind.
Europäisches Kompetenzzentrum
für Sojazüchtung
Am Standort Reichersberg betreibt die Saatbau Linz seit 2006 den Aufbau einer eigenständigen europäischen Sojazüchtung. Ziel ist eine langfristig gesicherte, gentechnikfreie Versorgung mit leistungsfähigen Sorten. Die Ergebnisse dieser Strategie sind beachtlich. Über die Saatzucht Donau, ein gemeinsames Unternehmen der Saatbau Linz und der Probstdorfer Saatzucht, wurden bislang 71 Sojasorten in Europa registriert. Damit nimmt das Unternehmen in den sechs wichtigsten Sojaanbauländern Mitteleuropas die Marktführerschaft ein. Jede dritte Sojafläche in Mitteleuropa wird mittlerweile mit Sorten der Saatzucht Donau bewirtschaftet. Fraundorfer betont die Bedeutung dieser Entwicklung: „Mit dieser Arbeit leisten wir einen wesentlichen Beitrag zur europäischen Eiweißsouveränität.“
Tofu-Nachfrage
wächst kontinuierlich
Parallel zur Entwicklung in der Landwirtschaft steigt auch die Nachfrage nach pflanzlichen Lebensmitteln. Vor allem proteinreiche und möglichst wenig verarbeitete Produkte gewinnen zunehmend an Bedeutung. Davon profitiert insbesondere Tofu. Christoph Eschner, Geschäftsführer der Sojarei, des größten österreichischen Tofu-Produzenten, beobachtet seit Jahren ein kontinuierliches Wachstum. „Tofu hat mittlerweile den Sprung von einem Nischenprodukt zu einem Standardartikel geschafft, der in jedem Supermarkt gelistet ist“, sagt Eschner. Das Unternehmen verarbeitet ausschließlich heimische Bio-Sojabohnen, ist seit 1984 am Markt aktiv und exportiert seine Produkte inzwischen in zahlreiche europäische Länder.
Enge Zusammenarbeit
sichert Produktqualität
Die Qualität von Tofu beginnt bereits bei der Auswahl der richtigen Sojasorte. Deshalb arbeiten Saatbau Linz und Sojarei eng zusammen, um die gewünschten Eigenschaften exakt zu definieren. „Dies reicht von der Farbe über die Textur bis hin zum gewünschten Proteingehalt“, erläutert Eschner. Neben den Produkteigenschaften spielen auch stabile Lieferketten und sichere Produktionsprozesse eine entscheidende Rolle.
„Dies sind für unsere weitere Entwicklung ganz wesentliche Faktoren. Auch deshalb sind wir sehr froh, dass wir hier mit einem so kompetenten heimischen Partner wie der Saatbau Linz zusammenarbeiten können.“
Saatbau Linz setzt auf
Innovation und Züchtung
Wirtschaftlich blickt die Saatbau Linz auf ein stabiles Geschäftsjahr zurück. Im Jahr 2025 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 261,5 Millionen Euro und lag damit auf dem Niveau des Vorjahres. Auch für die kommenden Jahre erwarten die Verantwortlichen eine solide Entwicklung. „Die erfolgreiche Einführung neuer Sorten sowie unsere stabile Marktposition in den wesentlichen Kulturen sorgen für ein tragfähiges wirtschaftliches Fundament, von dem aus wir unsere Ziele verfolgen werden“, sagt Fraundorfer.
Im Mittelpunkt steht weiterhin die Entwicklung neuer Sorten, die den Herausforderungen des Klimawandels gewachsen sind. Das Unternehmen passt sein Portfolio laufend an regionale Anforderungen, Marktbedingungen und strategische Zielsetzungen an. „Konkret wollen wir dafür die eigene Genetik für Saatmais, Sojabohne, Getreide, Kürbis und Sonnenblumen nutzen.“ Zudem plant die Saatbau Linz, bestehende Kooperationen mit anderen Züchtungsunternehmen weiter auszubauen, um ihre Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.
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