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Ein Tag beim Tierarzt

Tierarzt Ernest Kramberger-Kaplan mit sechs seiner tierischen Patienten.
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Die StadtRundschau Linz durfte Tierarzt Ernest Kramberger-Kaplan einen Tag in der Tierordination Urfahr begleiten und sprach mit ihm über seine tierischen Erlebnisse.

LINZ. Die Stimmung im Wartezimmer ist angespannt. Es riecht nach Desinfektionsmittel. An den Wänden hängen Bilder von ehemaligen oder aktuellen Patienten. Auch Infobroschüren – von Impfungen bis hin zu Feuerbestattungen für Haustiere – gibt es zur freien Entnahme. Nicht nur für Tiere, sondern auch für Menschen steht ein Wasserspender bereit.

Wie beim Frauenarzt

Die erste tierische Patientin des Tages ist Amy, eine trächtige französische Bulldogge. Bei einer Ultraschalluntersuchung stellt der Tierarzt Ernest Kramberger-Kaplan fest, ob ihre Jungen wohlauf sind. Die Untersuchung läuft ähnlich ab wie bei schwangeren Frauen. Der Tierarzt trägt Kontaktgel auf den Bauch der Hündin auf und legt das Ultraschallgerät an. Sie erwartet drei gesunde Welpen. Die Erleichterung bei der Besitzerin ist groß. Zu Hause steht die Wurfbox schon bereit.

Meerschweinchen-OP

Als Nächstes geht es zu einer Operation des zweijährigen Meerschweinchens Fritzi. Auf dem Rücken liegend und in Narkose wird es 20 Minuten lang an den Milchleisten operiert. "Nagetiere neigen zu Tumoren. Deshalb sollte man mit einer Operation nicht zu lange warten", sagt Yvonne Netzmann, die zweite Tierärztin in der Tierordination Urfahr.

Ein Herz für Hunde

Währenddessen macht Tierarzt Kramberger-Kaplan eine Nachkontrolle bei einem elfjährigen Chihuahua. Er kommt aus einer Massenzucht aus Ungarn und musste an beiden Knien operiert werden. Davon hat er sich gut erholt. Seine Besitzerin Maria Bugno hat sich der Rettung von Hunden aus Massenzuchten sowie Tötungsstationen aus aller Welt verschrieben. Insgesamt hat sie sechs ihrer Schützlinge beim Tierarztbesuch dabei. Einer davon ist die vier Jahre alte Lexi. Sie ist ein Zwergspitz und stammt aus Korea. "Koreaner behandeln Hunde wie Menschen. Sie ziehen sie an, färben ihnen die Haare und fahren sie im Kinderwagen durch die Gegend", erzählt Bugno.

Schrecken im Wartezimmer

Meist behandelt Kramberger-Kaplan in seiner Ordination Kleintiere – von Hunden und Katzen über Nagetiere bis hin zu Vögeln und Reptilien. Doch es sind auch exotische Patienten dabei. "Einmal kam ein Mann mit seiner fünf Meter langen Anakonda, die er in einem Kartoffelsack transportierte. Als die Riesenschlange ihren Kopf aus dem Sack steckte, erschreckte sie das ganze Wartezimmer", so der Tierarzt. Auch eine sechs Jahre alte Hamsterratte hatte er schon zur Behandlung in der Praxis. Sie sei in Afrika zum Suchen von Minen eingesetzt worden. Dieses außergewöhnliche Haustier könne nicht nur Schießpulver erschnüffeln, sondern auch den Geruch von Tuberkulose.

Zirkusziege als Haustier

Vor ein paar Jahren wurde der Tierarzt zu einem Notfall in einen Zirkus gerufen, der gerade in Linz haltmachte. Der junge vierhörnige Ziegenbock Macky hatte sich ein Bein gebrochen. Es war nicht sicher, ob er das Bein behalten konnte. Der Zirkus wollte kein Risiko eingehen und teilte Kramberger-Kaplan mit, er solle das Tier lieber einschläfern. Der Tierarzt entschied sich aber dafür, die Ziege zu retten und die komplizierte Fraktur zu operieren. Das sei garnicht so einfach gewesen, da Ziegen Wiederkäuer sind und leicht aufgasen können. Bereits eine Woche nach der Operation hatte sich die Zirkusziege wieder gut erholt und im Haus des Tierarztes eingelebt. Da sie dort aber alles zerlegte, bekam sie im Garten ein eigenes Ziegengehege. Mittlerweile hat Macky drei weitere Ziegen als Mitbewohner.

Skurrile Tiergeschichten

In seinen 28 Jahren als Tierarzt hat Kramberger-Kaplan auch skurrile Dinge erlebt. In einem Altersheim hatte eine demente Frau eine Katze. Da die übergewichtige Katze nicht aufs Klo gehen konnte, gab der Tierarzt ihr eine Infusion und einen Einlauf. Danach lief sie im Kreis und verrichtete ihr Geschäft. Nach einer Woche bekam er noch einmal einen Anruf mit der Nachricht, dass die Katze Verstopfung habe. Als die Katze den Tierarzt wieder sah, lief sie sofort im Kreis und ging auf ihre Katzenkiste. "Das ging zwei Monate lang so. Ich hatte eine abführende Wirkung auf die Katze", sagt Kramberger-Kaplan.

Der Vogel ist tot

Als er einmal einen Hausbesuch bei dem roten Kanarienvogel einer schon schlecht sehenden Dame machte, stellte Kramberger-Kaplan fest, dass der Vogel nicht mehr lebte. Er brachte es aber nicht übers Herz, der älteren Frau zu sagen, dass ihr geliebter Vogel tot war. Also nahm er den Vogel mit in die Praxis. In einem Tiergeschäft besorgte er einen ähnlich aussehenden roten Kanarienvogel und brachte ihn der Dame. "Ich glaube sie hätte einen Herzinfarkt bekommen, wenn ihr Hansi nicht mehr gewesen wäre", erzählt der Tierarzt.

Autor:

Carina Köck aus Linz

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