Equal Pension Day
Wenn Lebensleistung nicht in der Pension ankommt
- Kinder, Haushalt, Pflege: Viele Frauen leisten jahrzehntelang wertvolle Arbeit, die am Pensionskonto unsichtbar bleibt.
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Sie haben Kinder großgezogen, Angehörige gepflegt und den Alltag am Laufen gehalten – doch diese unbezahlte Arbeit zeigt sich oft nicht auf dem Pensionskonto. Der Equal Pension Day am 8. August macht auf die große Pensionslücke zwischen Frauen und Männern aufmerksam.
NÖ. Jahrzehntelang war Erna für alle da. Wenn in der Nacht ein Kind mit Albträumen aufwachte, war sie zur Stelle. Noch vor Sonnenaufgang stand sie auf, bereitete Frühstück und Jausen vor, weckte die Kinder, brachte sie in Kindergarten und Schule. Danach warteten Haushalt, Garten, Einkäufe und die Betreuung älterer Angehöriger. Mittags wurde gekocht, am Nachmittag bei den Hausaufgaben geholfen, Freunde der Kinder mitversorgt, abends das Essen vorbereitet. Dazwischen noch Arzttermine, Besorgungen und unzählige kleine Aufgaben, die niemand sieht. Und das sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag.
Kommt Ihnen das bekannt vor? Für viele Frauen, die heute in Pension sind, war genau das Alltag. Sie haben ihr Leben lang gearbeitet, nur wurde ein großer Teil dieser Arbeit nicht bezahlt und scheint deshalb auch nicht auf dem Pensionskonto auf.
145 Tage weniger Pensionseinkommen
Am 8. August 2026 ist Equal Pension Day in Niederösterreich. Dieser Tag macht sichtbar, wie groß die Lücke zwischen den Pensionen von Frauen und Männern noch immer ist: Männer haben statistisch bereits so viel Pension erhalten, wie Frauen erst bis zum Jahresende beziehen. Rechnerisch fehlen Frauen damit 145 Tage an eigenem Pensionseinkommen.
Die Pensionslücke in Niederösterreich liegt weiterhin bei knapp 40 Prozent. Die Gründe dafür entstehen meist bereits während des Berufslebens: Frauen übernehmen häufiger unbezahlte Sorgearbeit, unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit für Kinderbetreuung oder Pflege und arbeiten öfter Teilzeit. Diese Entscheidungen wirken sich Jahrzehnte später direkt auf die Pension aus.
Altersarmut
„Wer Altersarmut von Frauen wirklich bekämpfen will, muss dort ansetzen, wo sie entsteht: im Erwerbsleben“, betont AK-Präsidentin Renate Anderl. Teilzeit, geringere Einkommen und unbezahlte Arbeit würden sich langfristig auf die Pension auswirken.
Auch ÖGB-Frauenvorsitzende Christa Hörmann fordert bessere Rahmenbedingungen: „Transparenz ist ein wesentlicher Schlüssel zu mehr Gerechtigkeit.“ Es brauche unter anderem faire Einkommen, gute Arbeitsbedingungen und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Edith Kollermann von den NEOS fordert: „Die Politik steht in der Pflicht, ausreichend Unterstützungsangebote zu schaffen. Das heißt auch, dass finanzielle Mittel dorthin zu lenken sind, wo sie Familien und pflegende Angehörige tatsächlich entlasten, etwa durch den Ausbau von Tagespflegeeinrichtungen und der Kinderbetreuung.“
Sorgearbeit bleibt nicht ohne Folgen
„Frauen übernehmen den Großteil unbezahlter Care Arbeit, unterbrechen dafür ihre Erwerbstätigkeit und sind häufig in Teilzeit beschäftigt“, erklärt die Landesobfrau der Wir Niederösterreicherinnen-ÖVP Frauen, LAbg. Silke Dammerer. Diese Entscheidungen würden sich später unmittelbar in der Pensionshöhe zeigen.
Auch Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister sieht Handlungsbedarf: „Aktuell bekommen Frauen durchschnittlich knapp 40 Prozent weniger Pension als Männer.“ Gleichzeitig verweist sie auf Maßnahmen wie bessere Finanzbildung und Angebote zur Stärkung der finanziellen Eigenständigkeit von Frauen.
Pensionssplitting als möglicher Ausgleich
Eine Möglichkeit, die Jahre der Kindererziehung stärker zu berücksichtigen, ist das Pensionssplitting. Dabei können Eltern Pensionsgutschriften übertragen, wenn ein Elternteil wegen der Kinderbetreuung beruflich zurücksteckt.
Ingrid Korosec, Präsidentin des Österreichischen Seniorenbundes, fordert hier eine Weiterentwicklung: „Nachdem das freiwillige Pensionssplitting – also, wenn beide Partner das möchten - nicht wirklich gut angenommen wird, bin ich für ein „Opt-out“-Splitting.“
- Lebensleistung ohne Pensionsgutschrift: Unbezahlte Arbeit wird für viele Frauen im Alter zum Problem.
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Dabei könnte auf das Splitting nur verzichtet werden, wenn ein Partner dies ausdrücklich ablehnt. Korosec sieht darin eine Verbesserung für jene Person, die für die Familie beruflich zurücksteckt – „und das ist nach wie vor meistens die Frau“.
Vorsorge beginnt früh
Der Equal Pension Day zeigt: Die Pensionslücke entsteht nicht erst im Alter. Sie ist das Ergebnis vieler Entscheidungen und Rahmenbedingungen über Jahrzehnte hinweg.
Mehr finanzielle Bildung, klar geregelte und abgesicherte Aufteilung von Familienarbeit und bessere Möglichkeiten zur Vorsorge können dazu beitragen, dass sich Lebensleistung später auch in der Pension widerspiegelt.
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