Bürgermeisterwahl 2019
Spannende Polit-Diskussion mit den Zeller Spitzenkandidaten

Podiumsdiskussion in Zell am See: Werner Hörl, Andreas Wimmreuter, Karl Kern, Christa Nothdurfter, Peter Padourek, Udo Voglreiter.
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  • Podiumsdiskussion in Zell am See: Werner Hörl, Andreas Wimmreuter, Karl Kern, Christa Nothdurfter, Peter Padourek, Udo Voglreiter.
  • Foto: Roland Hölzl
  • hochgeladen von Beate Meixner

Die Bezirksblätter Pinzgau luden gemeinsam mit dem ORF zur Wahldiskussion in die Wirtschaftskammer in Zell am See. Vier Kandidaten stellten sich nicht nur den Fragen von BB-Redakteurin Christa Nothdurfter und ORF-Moderator Karl Kern, sondern auch den Reaktionen des Publikums.

ZELL AM SEE.  Zum Einstieg führt ORF-Moderator Karl Kern eine Meinungsumfrage mit dem Publikum durch: "Wer glaubt, dass die ÖVP die absolute Mehrheit bekommt?" lautet die Frage. Zahlreiche Besucher heben die Hand. Kern erkundigt sich darauf hin beim amtierenden Bürgermeister Peter Padourek (ÖVP), warum er nicht aufgezeigt hat. "Aus Bescheidenheit", antwortet dieser schlagfertig.

Am Podium stehen vier Politiker, von denen einer Bürgermeister bleiben will, zwei würden das Amt gerne übernehmen, der vierte ist zufrieden, wenn seine Partei, die FPS, ein vorzeigbares Ergebnis aufweist.  Peter Padourek, Andreas Wimmreuter (SPÖ), Werner Hörl (Grüne) und Udo Voglreiter (FPS) fassen sich an diesem Abend mit Samthandschuhen an, betonen immer wieder, dass man meist einer Meinung sei und gut zusammenarbeite. Dennoch zeigten sich im Laufe der Diskussion zahlreiche gravierende Unterschiede zwischen den einzelnen Positionen.

Heiße Themen

Behandelt werden vorrangig die brennenden Themen Verkehr, leistbares Wohnen und (Massen)-Tourismus. Für Kenner der Zeller Stadtpolitik wenig überraschend gab es vor allem in Bezug auf die Entlastungsstraße in Schüttdorf heftige Kontroversen. Bürgermeister Padourek geht von einer Umsetzung im Jahr 2020 aus, Beeinspruchungen von Anrainern sollten bis dahin geklärt sein.

Für Werner Hörl ist dieses Millionen-Projekt ein schwerer Fehler. "Die Entlastung bringt nur 20 Prozent, eine zusätzliche Straße in diesem Bereich ist daher nicht sinnvoll. Es soll zuerst der vierspuriger Ausbau zwischen Lutz und Einkaufszentrum erfolgen, dann muss man schauen, wie sich das entwickelt", so Hörl.

Für Udo Voglreiter sind die derzeitigen Lösungsvorschläge überhaupt nur "Symptombekämpfung". Man dürfe jetzt nicht zufrieden sein und müsse Druck auf das Land ausüben. "Ich kenne die Kollegen als kämpferisch und stur, die Stadtgemeinde wird sicher dran bleiben", lobt der FPS-Kandidat seine Mitbewerber.

Umfahrung und Straßenbahn

Andreas Wimmreuter sieht das Verkehrsproblem speziell in der Hauptsaison. "Das ist ein überregionales Thema, das nur mit wirksamen Verkehrslösungen bewältigt werden kann", so der Vizebürgermeister. "Politik ist die Kunst des Machbaren. Die Entlastungsstraße wird ihrem Namen gerecht und bringt eine große Entlastung", verteidigt er das Projekt.  Er plädiert jedoch auch dafür, dass der öffentlicher Verkehr das Rückgrat der Mobilität werden müsse.  Wimmreuter sieht das Land gefordert, endlich ein einheitliches günstiges Ticket zu ermöglichen. Die Wirksamkeit dieser Maßnahme habe sich bei der Sperre des Tunnels im Herbst gezeigt. 

Hörl dazu: "Wir verlassen uns auf eine sündteure Straße, aber andere Dinge werden nicht umgesetzt. Wir brauchen eine  zusätzliche S-Bahn Haltestelle in Schüttdorf sowie Geh- und Radwege." Zwischen den Metropolen Zell am See und Kaprun solle eine Straßenbahn als modernes Verkehrsmittel pendeln, fordert der grüne Gemeindevertreter und Hotelier.

Die Haltestelle in Schüttdorf wird auch vom Publikum thematisiert. Richard Rieder, dessen Frau grüne Gemeindevertreterin ist, wirft der Gemeinde vor, man habe das Haltestellenprojekt nicht umgesetzt, obwohl die Pläne dafür bereits mit der ÖBB vereinbart waren. "Beide Fraktionen haben nichts dafür getan - warum?", will er wissen. Geduldig erklärt Padourek, was bereits seit langem bekannt ist und worauf immer wieder hingewiesen wird: "Die Haltestelle würde die Verkehrsproblem aufgrund der langen Wartezeiten an den Eisenbahnschranken noch verstärken."  Wimmreuter fügt hinzu: "Es wäre verantwortungslos, diese Haltestelle zu errichten - das wäre eine Politik des 'ein Loch zu, ein riesiges Loch auf'."

Was ist leistbar?

Emotional wurde die Stimmung auch beim Thema Wohnen: Alle Herren am Podium sind zwar für leistbares Wohnen und gegen Appartementhotels mit illegalen Zweitwohnsitzen - man ist sich aber nicht einig über die geeignete Vorgehensweise. Restaurantmanager Voglreiter lobt zwar das Wohnbauprojekt Limberg, an dem die Gemeinde zu 30 Prozent beteiligt ist, findet die Mieten aber zu hoch. "Was ist leistbar? Das ist ein gesellschaftliches Problem", entgegnet Padourek.

Auf den Vorwurf aus dem Publikum, dass die Anlage besonders hässlich sei, entgegnet Wimmreuter: "Über Optik kann man streiten. Ich wohne selber in einer Anlage, die vor 20 Jahren ein Aufreger war - wichtig ist, dass sich die Bewohner wohlfühlen.  Es wurde sehr verdichtet gebaut, um erschwinglichen Wohnraum zu schaffen, dazu stehe ich.10 Euro pro Quadratmeter ist absolut in Ordnung."

Gegen Ausverkauf der Heimat

Noch stärker beschäftigte die Anwesenden das Problem mit den Zweitwohnsitzen. Padourek und Wimmreuter sind der Ansicht, es gäbe keine Möglichkeit, dagegen vorzugehen, zumal der Nachweis sehr schwierig sei. 14 Musterverfahren habe man bereits geführt, alle wurden abgeschmettert. "Die Gemeinde hätte sehr wohl Mittel, um Objekte wie das Parkhotel zu verhindern. Das muss man wollen und tun, damit der Ort nicht zum Spekulationsobjekt wird", kritisiert Hörl. "Dieses hilflose Agieren ist der  reinste Ausverkauf und treibt die Grundpreise in die Höhe."

Gegen diesen Vorwurf verwehren sich Bürgermeister und Vizebürgermeister. "Wir sind alle gegen den Ausverkauf der Heimat und gegen Appartmenthotels, die wie Schwammerl aus dem Boden schießen", so Wimmreuter. Man fühle sich aber vom Land im Stich gelassen. Als Ansatz überlegt die Gemeinde eine Infrastrukturabgabe, die mindestens 50 bis 100 Euro pro Quadratmeter ausmachen sollte. Hörl bleibt dabei: "Diese Themen trennen uns, obwohl wir sonst eine gute Zusammenarbeit in der Stadtgemeinde haben."

Auch die Stimmen aus dem Publikum lassen diese Argumentation nicht gelten. "Wer was wo vermietet, kann leicht eruiert werden" findet Willi Haarlander.  Auf einen entsprechenden Vorwurf von Elfriede Pommer reagiert Peter Padourek: "Man darf auch nicht vergessen, dass der viel beklagte Ausverkauf von Zell am See von den Zellern selber kommt, die ihre Grundstücke verkauft haben - was wir jetzt haben, ist ein Produkt dieser Politik."

Ermäßigungen für Einheimische

Damit wird nahtlos zum dritten großen Themenbereich Tourismus übergeleitet - der letztendlich viel zu den vorab besprochen Problemen Verkehr und Wohnen beiträgt. Schließlich verzeichnet die Region Zell am See - Kaprun rund 2,8 Millionen Übernachtungen pro Jahr. Die Stadt Salzburg hat nur knapp weniger.

Vizebürgermeister Wimmreuter weist darauf hin, dass Einheimische das ganze Jahr über die hohen Touristen-Preise zahlen müssen. Er setze sich daher für eine Ermäßigung für Einheimische ein.  Auf der Schmitten, in den Bädern und beim Essen solle es für die Bevölkerung günstiger werden. Auf die Frage des Moderators, ob man da nicht Schwierigkeiten wegen einer Ungleichbehandlung bekomme, meint Wimmreuter. "Ich habe keine Angst vor der EU. Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben. Man muss das natürlich geschickt machen, z. Bsp.  mit einer Art Gutscheinsystem." 

Für Gastronom Werner Hörl sind die Belastungen hausgemacht. "Der Tourismus ist der Turbo für die Region, aber mit seinen Auswirkungen sind wir nun an der Grenze", meint Hörl, der vor allem der Ansicht ist, die bereits genehmigten zusätzlichen 1000 bis 3000 Betten müssten gestoppt werden. "Wir wollen keine Geisterstadt ohne Einheimische werden. Grenzenloses Wachstum soll nicht mehr möglich sein, das fällt uns allen auf den Kopf."

"Klasse statt Masse"

Natürlich sind sich alle einig, dass der Tourismus der wichtigste Wirtschaftsfaktor der Region ist. Was die mit den steigenden Gästezahlen verbundenen Herausforderungen betrifft, hört man daher  Schlagworte wie "mehr Qualität statt Quantität" und "Klasse statt Masse". Was genau damit gemeint ist, bleibt vage, alle Kandidaten betonen allerdings, dass sich Gemeinde, Bergbahnen und Tourismusverband intensiv Gedanken machen müssten, wie das Wohl der Gäste und der Bevölkerung auch in Zukunft garantiert werden könne.

Dazu fordert auch Wirt Johannes Suntinger: "Es braucht Qualitätstourismus, die Preisspirale nach unten muss durchbrochen werden. Besser gestalten als verwalten!"

Zuhörerin Elfriede Pommer kritisiert viele in ihren Augen sinnlose Veranstaltungen, die den Massentourismus anziehen und nur Lärm und Umweltverschmutzung bringen. Als Beispiele nennt sie Traktor, Vespa- und Oldtimertreffen. Der Bürgermeister gibt ihr recht und meint, es stelle sich wirklich die Frage, ob es alle diese Veranstaltungen brauche. Das müsse gemeinsam mit dem TVB und den Vereinen abgeklärt werden. "Wo bleibt die Urlaubsqualität für den Gast, wenn ein Höhepunkt, eine Veranstaltung die andere jagt? Auch Zeit haben und die Natur genießen sind wichtig", so Padourek. "Wir sind in einem Hamsterrad und haben durch die Schnelligkeit keine Zeit mehr zu leben. Dadurch steigt die Sehnsucht nach Ruhe und Geborgenheit", meint der Bürgermeister nachdenklich.

Restaurantmanager Voglreiter empfiehlt, der Bevölkerung den Tourismus wieder schmackhaft zu machen. Der Tourismus müsse wieder attraktiv werden. Auch er sieht das in einem Zusammenspiel mit den wichtigen Playern in der Stadt. "Zell am See muss die Stärke haben, weiter zu wachsen."

Kostenpflichtige Strandbäder?

Von den interessierten Zuhörern wurden auch noch einige kleinere, für sie relevante Themen aufgeworfen, wie die Begegnungszone in Thumersbach, Naturschutz, scheinbar mutwillig gefällte Bäume und auch eine drohende Parkgebühr beim Strandbad Haus Gabi. Paul Zehentner sprach im Namen zahlreicher Betroffener seine Sorge darüber aus, dass auf diese Weise das Baden Zell am See in Zukunft kostenpflichtig wird.

Die Reaktionen dazu:
Peter Padourek: Die Parksituation wird angedacht, ich bin für alles offen.
Andreas Wimmreuter: Die Thematik wurde noch nicht besprochen. Ich bin für einen freien Zugang zu Strandbädern.
Werner Hörl: Damit habe ich mich noch nicht befasst. Vor Jahren war das Strandbad bereits gebührenpflichtig. Es kommen ja auch viele Nicht-Zeller, warum sollten wir nicht für das Parken etwas verlangen? Im Übrigen ist der Badeplatz gut mit dem Fahrrad befahrbar, zumal die Thumersbacher Straße  ausgebaut wird.
Udo Voglreiter: Von mir kommt ein klares Nein. Die Hundewiese dort macht den Leuten viel Freude, Badegäste am See und Spaziergänger im Naturschutzgebiet sollen das gratis nützen können. Eine Gebühr wäre völlig fehl am Platz.

Eine lebhafte Diskussion, in einer an sich entspannten Atmosphäre, die aber wohl vor allem durch eine Wortmeldung von Sabine Hörl, der Ehefrau des grünen Spitzenkandidaten in Erinnerung bleiben wird: "Es wird so viel gelogen in der Politik, da kommt mir das speiben. Als Unternehmer wird man behandelt wie das Letzte."

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