11.11.2017, 15:53 Uhr

Psychische Erkrankungen: Alleine hat man keine Chance

Am Podium - Dr. Peter Sturm, Primar Dr. Marc Keglevic, Günter Scholze (ein Betroffener), Sigrid Steffen (Vorsitzende des Vereins AhA! - Angehörige helfen Angehörigen psychisch erkrankter Menschen), Mag. Barbara Aigner (Verein JoJo - Projektleiterin von "Belastete Familien im Pinzgau stärken) sowie LH-Stv. Mag. Dr. Christian Stöckl. (Foto: Fotoa: Christa Nothdurfter)

Ein Appell an psychisch kranke Menschen: Bitte nehmen Sie professionelle Hilfe in Anspruch!

STUHLFELDEN/PINZGAU (cn). Bei der Veranstaltung "Seelisch krank - was nun?", zu der am vergangenen Donnerstag das Salzburger Bildungswerk Stuhlfelden eingeladen hatte, saß auch Günter Scholze am Podium.

Schwere Depressionen: Günter Scholze aus Saalfelden

Der betroffene Saalfeldner erkrankte vor einiger Zeit an einer schweren Depression: "Ich war eigentlich immer stark, auch für die anderen, aber irgendwann - nach einigen Schicksalsschlägen - musste ich feststellen, dass vieles nicht mehr stimmt mit mir. Für eine Arbeit, die normalerweise ein paar Minuten in Anspruch nimmt, brauchte ich den ganzen Tag. Mein Hausarzt hat mich ins KH Schwarzach geschickt, wo ich auch später noch einige Male stationär aufgenommen wurde. Mittlerweile geht es mir wieder viel besser, vor allem auch die Ergotherapie - ich habe sie Bastelstunde genannt - hat mir geholfen. Zum Glück, denn wenn man das Schöne nicht mehr sieht, ist das ganze Leben nichts mehr."

Medikamente, ein oft wichtiger Teil der Therapie

Ganz ohne Medikamente kommt Günter Scholze aber noch nicht aus, und er bricht auch eine Lanze dafür - ebenso wie Primar Dr. Marc Keglevic, der Leiter der Psychiatrischen Abteilung in Schwarzach: "Natürlich müssen psychisch kranke Patienten ganzheitlich betrachtet werden. Jeder Mensch hat eine persönliche Geschichte und auch die Gene spielen eine Rolle. Beim biologischen Anteil helfen Psychopharmaka, aber sie sind nur ein Teil der Therapie, allerdings ein wichtiger."

Dr. Peter Sturm: "Auch ich habe Psychopharmaka genommen...."

Der ebenfalls am Podium sitzende Haus- und Sprengelarzt Dr. Peter Sturm erzählte, dass auch er selber zwei Jahre lang Medikamente genommen habe und dass das für ihn sehr hilfreich gewesen sei: "Ich hätte sonst meine Aufgaben nicht mehr bewältigen können." Sturm sprach auch darüber, dass den Hausärzten naturgemäß das komplexe Wissen rund um seelische Krankheiten fehle; zum einen werde es in der Ausbildung nicht gelehrt und zum anderen würden diesbezüglich leider kaum Zusatzkurse angeboten. Außerdem kritisierte der Allgemeinmediziner den schier undurchdringlichen und nur konfus machenden Informationsdschungel, der im Internet herrscht. Er äußerte den Wunsch nach Vernetzung und nach einer Plattform, auf der die unterschiedlichen Hilfsangebote übersichtlich und effizient dargestellt sind, denn "es hat auch nicht jeder die maximale Versorgung mit einem Krankenhausaufenthalt nötig".

Die Psychiatrie ist ein sogenanntes "Mangelfach"

Zur Sprache kam auch das Faktum, dass das Versorgungsangebot mangelhaft ist, vor allem in den südlichen Bezirken. Dies liegt laut Gesundheitsreferent LH-Stv. Christian Stöckl auch an den fehlenden Fachärzten, vor allem für Kinder und Jugendliche. So hat es etwa drei Jahre lang gedauert, für das Versorgungszentrum für Kinder und Jugendliche in Salzburg eine Ärztin zu finden.

Besonders wichtig jedenfalls noch die Schlussworte von Günter Scholze: "Lasst euch helfen! Sprecht mit den Leuten, die sich auskennen!"


• Die Krisen-Hotline Pinzgau ist rund um die Uhr erreichbar: 06542-72600 
• Psychosozialer Dienst Pinzgau:  0662-8042-3599

HIER ein Bericht zu diesem Thema: Infos vom Pinzgauer Amtsarzt

HIER ein Kommentar der Redakteurin
2
Diesen Mitgliedern gefällt das:
1 Kommentarausblenden
19.463
rudi roozen aus Pinzgau | 11.11.2017 | 18:13   Melden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.