Wildniss zum Greifen nah

Jagdpächter Thomas Tscherne unter seinen Hirschen.
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  • Jagdpächter Thomas Tscherne unter seinen Hirschen.
  • hochgeladen von Julia Hettegger

Die 150 Hirsche von Jagdpächter Thomas Tscherne dulden bei ihrer Fütterung im Winter menschliche Besucher. Scheu und leicht zu verschrecken, aber dennoch sicher, dass von den Menschen keine Gefahr ausgeht, kommen sie Scharenweise an den Futterplatz auf 1.500 Metern Seehöhe im Angertal. In der kalten Jahreszeit hält sich das Rudel nur wenige Kilometer um den Futterplatz herum auf. Im Sommer ist es in einem Gebiet von bis zu 50 Quadratkilometern unterwegs – von der Schlossalm bis zum Stubnerkogel. Gejagt wird dort schon seit 20 Jahren nicht mehr. "Sonst wäre eine 'Schaufütterung' wie diese nicht möglich", erklärt Tscherne.

Kein Platz zum Überwintern

Während Thomas Tscherne das Futter austeilt, ruft er den Tieren: "Hirschal, Hirschal" – ein klares Erkennungszeichen für seine Hirsche. Erst einzeln, dann in ganzen Gruppen, ziehen die Tiere herab. Die "Zuschauer" nehmen auf Bänken nahe den Futterstellen Platz und genießen das Schauspiel.
"Das Wild hatte einst zwei Überwinterungsstrategien. Entweder, sie zogen hinauf in die höheren Lagen oder sie überwinterten unten im Augebiete entlang der Flussläufe", erklärt der Jäger. "Unten haben wir unsere Siedlungen und landwirtschaftliche Flächen gebaut, oben entstanden unsere Skigebiete. Daher musste man Futterstellen einrichten, auch, damit das Vieh die Bäume nicht anfrisst."

Zwölf Jahre "bewegungslos"

Als Tscherne im Angertal zu füttern begonnen hat, tat er das für "Phantome". Er sah die Hirsche nicht, weil sie nur in der Nacht kamen. "So begannen wir eine tägliche Fütterungs-Routine einzuführen, um für die Tiere berechenbar zu werden. Täglich kamen wir für 15 Minuten, immer um die gleiche Zeit und beschritten immer die gleichen Wege." Daneben begannen Tscherne und seine Helfer zu Reden, um die Tiere an Geräusche zu gewöhnen. "Irgendwann blieben wir so lange sitzen, bis die Tiere trotz unserer Anwesenheit gekommen sind. Ich wollte, dass sie erkenne, dass von mir keine Gefahr ausgeht und sie mein Verhalten nicht beeinflussen können", so Tscherne. Erst nach zwölf Jahren duldeten die Tiere Bewegungen während der Fütterung und nach 20 Jahren andere Menschen als "Gäste".

Zusammenleben von Mensch und Tier

"Es war ein langer Weg bis hier her, aber er hat sich bezahlt gemacht. Nicht einmal Jäger sehen Hirsche so nahe, wie wir hier im Angertal", sagt Tscherne stolz. Er hat erkannt, dass er viel Informationsarbeit bei seiner Schaufütterung leisten kann: "Hier können unsere Gäste die intakte Natur erfahren und das Zusammenleben von Mensch und Tier erleben. Wir betreiben hier Aufklärungsarbeit und Sensibilisierung." So erfahren die Zuschauer z.B. dass das Tourengehen und Skifahren abseits von Pisten die Tiere stresst, weil sie flüchten müssen und dabei für den Winter zu viel Energie verbrauchen. "Bei Tieren die ohnehin im Winter unterernährt sind, kann das tödlich sein", weiß der Jäger und genießt nach 20 Jahren heute noch wie damals selbst dieses einzigartige Naturschauspiel.

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