25.07.2018, 09:36 Uhr

"Fortschritt in der Medizin stellt uns vor Herausforderungen"

Landeshauptmann-Stellvertreter Christian Stöckl ist für die Ressorts Finanzen, Vermögensverwaltung, Landesbeteiligungen, Gesundheit und Spitäler sowie Krankenanstaltenpersonal zuständig.

VIDEO: Landesrat Christian Stöckl fordert Lösung auf Bundesebene, wie mit teuren Medikamenten umzugehen ist.

Herr Landesrat Christian Stöckl, Sie wurden für eine zweite Periode als Landesrat für Finanzen sowie für Gesundheit und Spitäler angelobt. War es ihr Wunsch, diese Ressorts zu behalten?
CHRISTIAN STÖCKL:
Ich bin 2013 als Finanzlandesrat angetreten und habe erfolgreich gearbeitet. Wir haben den Finanzskandal aufgearbeitet und ausgeglichene Budgets vorgelegt. Ich habe die Spitals- und Gesundheitsreform vorangebracht und vieles bewältigt. Für die nächsten fünf Jahre ist es wichtig, kontinuierlich so weiterzumachen und die Finanzen stabil zu halten. Im Gesundheitsbereich werden wir die österreichweite Gesundheits- und Spitalsreform auch in Salzburg weiterführen. Ich bin schon eingearbeitet, damit haben sich mir die Ressorts aufgedrängt. So kann die Arbeit nahtlos weitergeführt werden.

Wenn ich Sie bitten würde, mir für die nächsten fünf Jahre Headlines für Ihre Ressorts zu liefern, welche wären das?
CHRISTIAN STÖCKL:
Mein Auftrag ist es, die Spitäler, das Gesundheitswesen und die Finanzen zukunftsfit zu halten bzw. zu machen.


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Welche Problemfelder werden Ihnen das schwer machen?
CHRISTIAN STÖCKL:
Es wird immer schwieriger, bei limitierten Finanzen die vielen zusätzlichen Aufgaben zu erfüllen und die großen Erwartungen der Gesellschaft an die Politik zu erfüllen. Einnahmen werden langsamer wachsen, als die Aufgaben und Wünsche; Und in diesem ganzen Bereich haben wir auch Verträge einzuhalten – den Stabilitätspakt und das Maastricht Abkommen – was uns enge Grenzen in der Budgetpolitik vorgibt.

Im Ressort Gesundheit und Spitäler weiß man, was die Bürger erwarten: Das Angebot muss ausgebaut, verbessert und kostenfrei sein – wo muss man klar sagen: Mehr geht nicht?
CHRISTIAN STÖCKL:
Ein Problem wird durch die alternde Bevölkerung entstehen. Nicht nur durch den höheren Anteil an Kranken und pflegebedürftigen Menschen, sondern auch, weil dadurch die Krankheitsbilder steigen. Durch die Fortschritte in der Medizin, Technik und Wissenschaft ergeben sich immer mehr Möglichkeiten auch bei seltenen Krankheiten einzugreifen, welche aber auch teuer in der Behandlung sind.

Bedeutet das, man müsste eine Regelung treffen, unter welchen Umständen man welche Personen wie und wie lange behandelt?
CHRISTIAN STÖCKL:
Es gibt Medikamente, die pro Person und Jahr über eine Millionen Euro kosten. Die Erwartungshaltung der Betroffenen und Angehörigen zu erfüllen, ist hier schwer. Wir müssen eine Lösung auf Bundesebene einfordern. Es sollen österreichweit Richtlinien erlassen werden, die festlegen, wann, welches Medikament eingesetzt wird und wie es finanziert wird. Sonst steigen die Kosten in den Spitälern.

Wer soll diese Regelung bestimmen? Es geht hier ja um Entscheidungen, wie Leben verlängert wird.
CHRISTIAN STÖCKL:
Das muss eine Entscheidung von Politik, Medizin, Ethik und Wissenschaft sein. Die Frage: "Wann setzt man die treuen Medikamente und Behandlungen ein", wird die Gesellschaft und die Ethik lösen müssen.

Der angesprochene demographische Wandel spielt auch beim Mangel an Pflegekräften eine Rolle Wie geht’s hier weiter?
CHRISTIAN STÖCKL: Wir müssen verstärkt Menschen in die Ausbildung bringen. Jedes Jahr stellen wir mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung. Trotzdem haben wir noch nicht genug Personal.

Für den Pflegeberuf muss man aber geboren sein. Gibt es überhaupt genug Menschen, die für die Pflege "gemacht" sind, um alle Stellen besetzen zu können?
CHRISTIAN STÖCKL:
Das stimmt, es gibt Aufnahmebedingungen und es braucht entsprechende Kompetenzen. Das ist auch unsere Sorge. Ich denke, wir müssen Menschen mit Migrationshintergrund verstärkt einbeziehen. Außerdem müssen wir das Berufsbild erklären und um Umsteiger werben. Eine Pflegeplattform an der sich auch das AMS beteiligt, soll Initialzündung sein. Es gibt viele Institutionen, die Ausbildungsmöglichkeiten bieten. Alle bemühen sich um Schüler und jeder wirbt für sich. Da es aber ein landesweites Anliegen ist, Pfleger zu finden, sollte man die Interessen Bündeln.

Wie schaut es aus mit dem Ausbau der Betreuung psychisch Erkrankter im Innergebirg aus?
CHRISTIAN STÖCKL:
Wir haben zu wenig Fachärzte, vor allem in der Jugendpsychiatrie. Das Fach ist als Mangelfach anerkannt, daher können derzeit pro Facharzt je zwei Assistenzärzte ausgebildet werden. Parallel dazu bauen wir die Infrastruktur auf. Wir haben in Schwarzach und St. Veit (Pongau) 20 Akutbetten geschaffen und den tagesklinischen Bereich ausgebaut. Außerdem implementieren wir das "Salzburger Modell der integrierten psychiatrischen Versorgung". Eine enge Zusammenarbeit zwischen Akutbereich, niedergelassen Ärzten und Nachbetreuung daheim soll den Drehtüreffekt vermeiden. Dieses Modell ist im Aufbauen begriffen.

Was wollen Sie tun, um die Ambulanzen zu entlasten?
CHRISTIAN STÖCKL:
Derzeit testen wie die telefonische Gesundheitsberatung in Wien, Niederösterreich und Vorarlberg – mit guten Erfolgen. Sie soll heuer oder spätestens nächstes Jahr auch bei uns integriert werden. Unter einer bestimmten Rufnummer erhalten Menschen am Telefon Empfehlungen, was Sie am besten tun können, wenn Ihnen Ihre Gesundheit Sorgen bereitet. Damit wollen wir die Ambulanzen entlasten und das suchen nach Krankheiten im Internet verringern.

Die Ressorts "Finanzen" und "Gesundheit" sind sehr konträr, im einen Bereich wollen die Menschen, dass Geld ausgegeben wird, im anderen muss Geld gespart werden – salopp gesagt.
CHRISTIAN STÖCKL:
Das stimmt. Wir werden Prioritäten setzen müssen. Wir wollen uns nicht auf kosten der nächsten Generation verschulden. Wir haben die Verpflichtung in Zeit von guter Konjunktur Schulden zu verringern.
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