Schusterhandwerk anno dazumals
Einer von der alten Schule: Der letzte gelernte Schustermeister Haslachs im Gespräch

Die alte Schusterwerkstätte von Rupert Hörlezeder verrät viele Geheimnisse aus der Vergangenheit.
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  • Die alte Schusterwerkstätte von Rupert Hörlezeder verrät viele Geheimnisse aus der Vergangenheit.
  • hochgeladen von Helmut Eder

HASLACH (hed). „1927 gab es noch zehn Schustermeister, zwei Gesellen und zwei Lehrbuben in Haslach“, erzählt Rupert Hörlezeder. In der einen Hand ein Foto mit Jahreszahl. In der anderen sein Gesellenprüfungszeugnis von 1953. „Übriggeblieben bin nur ich“. 2007 schloss auch sein Geschäft. Die Werkstätte hingegen ist noch erhalten. Zeitweise repariert er dort Schuhe oder bessert Taschen aus – als Freundschaftsdienst. Ledergeruch liegt nach wie vor in der Luft. Ein Kasten mit Schubläden fällt ins Auge, sorgfältig beschriftet: Ösen, Haken, Schnallen, Absätze, Lederreste, Sohlen, Schuhbänder. Im Magazin alte Schuhe, Absätze, allerlei Schusterwerkzeug und Kleinkram. „Manchmal kommt jemand vorbei und fragt nach einer Schnalle, Lederresten oder Schuhsohlen zum Ausbessern." Eine Singernähmaschine steht neben dem Magazin. Daneben ein „Tacks-Fuß“. „Der dient zum Fersen klopfen." Spontan nimmt er einen Schuh und beginnt mit dem Hammer gleichmäßig darauf zu klopfen – gelernt ist gelernt. „Darauf hat auch noch mein Vater gearbeitet, ebenso auf der Nähmaschine – ein Edelstück“.

Wenn der Schuh drückt

Die Chronik erzählt: 1925 heiratete der Schuhmachermeister Rupert Hörlezeder sen. aus Morau bei St. Oswald auf das Haus 80 (ehemalige Weberei) und eröffnete dort eine Schusterei. 1931/32 wurde umgebaut: Es kam der Leder- und Schuhhandel dazu. Die neue Aufschrift: „Schuhe und Leder Hörlez-eder“. Nun geht es vorbei an der Schleifmaschine. „Die benutzte mein Vater nicht mehr. Die habe ich später erworben“. Hörlezeder heiratete 1965 Olga und übernahm das Geschäft. „Die Schusterei lernte ich bei meinem Vater, den Lederhandel in Linz“, berichtet er. 1967 bauten sie das Portal um, so wie heute noch sichtbar. Gerne erinnert er sich an die Kirtagsausfahrten mit seinem Vater und an die Zeiten als Aussteller am Urfahraner Jahrmarkt. Sein Vater hatte 1952 damit begonnen. „Das letzte Mal war ich mit Olga 1997 dort. Es war stets eine willkommene Abwechslung und die Leute kannten einen schon“. In einem Nebenraum steht die Streckmaschine. „Die dient zum Vorfuß drehen." Gekonnt zeigt er die Tätigkeit vor. „Die verwende ich auch heute noch, wenn mal bei jemandem der Schuh drückt“, schmunzelt er. „Sieben Verkäuferinnen habe ich im Geschäft ausgebildet – drei mit Auszeichnungen. Es war eine schöne Zeit“, resümiert der 82-Jährige.

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