Die Wahrheit im Fokus
Erinnerung an die Bücherverbrennung in Salzburg
Vor 84 Jahren, am 30. April 1938, wurden am Salzburger Residenzplatz Bücher verbrannt. Die Initiative "freies Wort" erinnert an das damalige Verbrechen. Mit einer Veranstaltung am 30. April 2022 wird eine neue Melodie des Glockenspiels an die Situation der Juden erinnern. Mit einer Podiumsdiskussion widmet sich dem Thema der Wahrheit. Am Podium sprechen unter anderem Ilija Trojanow.
SALZBURG. "Wenn jemand behauptet, in der Ukraine wird derzeit kein Krieg geführt, der lügt", sagt Tomas Friedmann von der Initiative Freies Wort. Die Initiative wurde 2011 mit dem Hintergrund gegründet, eine zivilgesellschaftliche Plattform zu erschaffen.

- Johannes Dines von der Caritas Salzburg. Er hofft darauf, das die Medienlandschaft in Österreich gut recherchiert berichtet und dass die Menschen zwischen den verschiedenen Wahrheiten, die präsentiert werden, unterscheiden können.
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Mit der Veranstaltung am Samstag, 30. April 2022 widmet man sich dem Thema der Wahrheit und erinnert an die Bücherverbrennung, die damals am 30. April 1938 am Salzburger Residenzplatz stattfand. Man verbrannte damals etwa 1200 Exemplare diverser Schriften, darunter auch Texte von Stefan Zweig, Heinrich Heine, Kurt Tucholsky Arthur Schnitzer oder eine Biografie über Max Reinhardt.
"Eine Bücherverbrennung ist im Grunde Menschenverbrennung, denn dort werden Menschen verbrannt, die so denken." Johannes Dines, Direktor Caritas Salzburg.
Für Friedmann seien auch die Löschungen von wissenschaftlichen Daten im Internet eine gewisse Art der Bücherverbrennung. Der Vorschlag sich heuer dem Thema der Wahrheit zu widmen schlug Martin Hochleitner, Direktor des Salzburg Museum vor. "Für uns war klar, dass wir uns als Museum einbringen wollen", erklärt Hochleitner und würdigt das Engagement der Initiative Freies Wort, die heuer das Thema Wahrheit wählten. "Es ist ein riesiges Thema. Es betrifft die Wissenschaft, die Kunst und den Journalismus", sagt Karl Müller, ebenfalls von der Initiative Freies Wort.
Donna, Donna erklingt am Residenzplatz
Anlässlich dem Gedenken wurde auch das Salzburger Glockenspiel neu programmiert. Für heuer wurde das Stück "Dona, Dona" ausgewählt, dessen Melodie in der Stadt ein Monat lang erklingen wird.

- Das Mahnmal der Bücherverbrennung am Residenzplatz in Salzburg.
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"Das Lied, das harmlos wirkt, ist eigentlich die Situation der Juden", erklärt Müller über das Lied, in dem es heißt: "Kälbchen kann man fesseln und zum Schlachter schleppen hin. // Lacht der Wind, lacht und lacht und lacht, lacht den ganzen Tag darüber und noch die halbe Nacht."
Im Video kannst du dir an Lied "Donna, Donna" anhören:
Rückblick auf die Erinnerungskultur
Lange Zeit nach der Bücherverbrennung 1938 war es still um diesen Akt der Grausamkeit. Erst vierzig Jahre später im Jahre 1987, erinnerte erstmals eine Initiative der Salzburger Autorengruppe (SAG) an die Bücherverbrennung und die NS-Kultur in Salzburg.

- Jahrelang wurde in der Stadt diskutiert, wo das Mahnmal stehen soll. Am Residenzplatz ist es vor dem Salzburger Heimatwerk zu finden.
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Weitere 20 Jahre später, im Jahre 2007 fand erneut eine Gedenkveranstaltung statt. Wenige Jahre später, es jährte sich der 75. Jahrestag, wurde im April 2013 die Erinnerungen unter den Motti "Zivilcourage" und "Haltung" begannen.
Umgang mit Fake News
Russland führt derzeit gegen die Ukraine einen Krieg, der im eigenen Land offiziell nicht als Krieg bezeichnet werden darf. Tut man es dennoch, können bis zu 15 Jahre Haft drohen. Die russische Bevölkerung wird mit Desinformation und Lügen verwirrt. Die jüngsten Ereignisse in der Ukraine zeigen deshalb, wie wichtig die Thematik der Wahrheit und der damit verbundenen Pressefreiheit sei. Warum man vor diesem Hintergrund das Thema Wahrheit wählte, erklärt Friedmann so: "Wir sind der Meinung, es ist ein zentraler Begriff der Gegenwart."

- Das Mahnmal der Erinnerung der Bücherverbrennung befindet sich seitlich am Salzburger Residenzplatz.
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Infos zur Veranstaltung:
Die Veranstaltung findet am 30. April 2022 um 11 Uhr am Salzburg Museum statt. Diskussion & Musik. Eintritt frei. Um 12.30 ertönt beim Mahnmal am Residenzplatz das Glockenspiel "Donna, Donna. Du bist nicht vor Ort, >>hier<< wird die Veranstaltung übertragen.
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