Essay frei nach Ionesco
Die Nashörner 2.0
- hochgeladen von Lara Amanda Michel
Die Nashörner und das Absurde
Wie unternimmt man etwas
wenn man in der Minderzahl ist
keine Macht und Kontrolle besitzt
nur weiß, was richtig und wahr ist
wie, dass der Geist des Menschen dem eines Nashorns
überlegen ist
und man wirklich lieber Mensch bleiben sollte
als sich zu wünschen, ein Nashorn zu sein
auch wenn alle anderen Nashörner geworden sind
denn er weiß, was Moral und Werte
für einen Stellenwert haben
und genau aufgrund dessen
wählt er Mitgefühl für das Tier
statt es zu verdrängen oder weg zu sperren
doch wieso sollte eine Gruppe vorgeben
was angesagt ist
besser und erstrebenswert
wenn sie stärker und überlegen ist
gewaltsam und aggressiv
Verwirrung ist der Anfang der Dinge
routiniert und gewohnt
alle machen mit
-
der Zug rast
seufzend Blicke in den Himmel werfen
Klavierklänge flimmern lebendig
lungenatmen und das Herz offen
meine Bildergeschichte durchblättern
graphologisch betrifft es mich
die Zeit lässt nicht nach
sie fängt uns auf
Stadtleben zieht durchs Fenster
weht Fotos von Szenen auf einer Wand
zu Großstadträumen
auf dem Bildschirm
entspringen Worte
galoppieren wie Nashörner ohne Reiter
eine Flut an Erinnerungen an den vergangenen Abend
ich habe fast nichts vergessen
darauf musst du stolz sein
ich saß auf der Anklagebank, sogar im Traum
das ist nicht meine Rolle
ich sah deine Fürsorglichkeit und Fairness
dafür danke ich dir
bewegen uns in verschiedene Richtungen
so jeder seine Erfahrungen macht
bis wir uns vielleicht wieder
über den Weg laufen
ob ich mich dann nochmal an deinen Arm lehnen darf?
-
Zwiespalt ist etwas
was unter uns herrschte
der Kern davon war Einigkeit
oh könnte doch das Universum auch lieben
dann wäre endlich Frieden
Beine braun gebrannt strecken sich gen Sonne
Beats wimmern von unter dem Balkon
die Krähen landen nur auf unserem Haus
es wird sich alles ändern
mit der Zeit
nur unsere Vorstellungen bleiben
von der Zeit
smaragde Augenblicke glitzern wie Diamanten
im Herbstlicht
wir liegen in offengelegten Minen
sengende Schwertspitzen picken
dem Atom ins Auge
-
Im Spiegel
blickst du mich an
du mein selbst
Auf Fotos
blickst du mich an
du mein selbst
lange trug dich die Zeit
nun trägst du sie selbst
denn du gehörst ihr
versucht nicht Feinde zu sein
wenn morgen kommen soll
wenn alles sich dagegen sträuben soll
unsere Welt ist dicht und undurchdringlich
verneinend mit Intensität
hoffe und frag warum
die Schönheit ist auch unmenschlich
dem einen bist du überdrüssig
und siehst ihn nutzlos
worüber du dich ekelst
der Tod kommt eh
die Welt entgleitet dir
sie rückt weg
und wird so hoffentlich wieder sie selbst
Wie weit gehst du, um niemals auszuweichen?
-
Im Heimweh
ordnet sich meine Welt, die ich ersehne
In meinem Herzen
zerbricht diese Welt, jedes Mal
wollen weckt Widersprüche
mein selbst und mein Wissen zerrinnt
keiner Form entsprechend
wäre die Welt meine
mit ihren Elektronen
wären Planetensysteme sichtbar
und Kunstwerke der Beginn
doch liege ich gefesselt hier
unvernünftig und absurderweise
zwischen dem Wunsch nach Klarheit
verhalte mich gewiss aufrichtig
wenn mein Denken in diesen Einöden besteht
begeistert strebt mein Herz nach vorne
und löscht sich wiederum aus
doch bin ich nicht angstvoll
mache mir auch wenig Sorgen
so kann die Welt mir viel bieten
und statt Trümmer auf Trümmer
bleibt frischer Wind, der mich trägt
-
fragend blickst du mich an
ich schweige
ganz klar ist mir unsere Lage nicht
wir sind lebendig
der Dschungel unseres Geistes ähnelt einander
sind wir beide zu hoch geschaukelt
-am Abgrund schreien-
aber wir sind hier
in der menschenleeren Steppe
von Nashorn Herden zertrampelt
es ist unmöglich ein Tier zu werden
so haben wir nur noch uns
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