09.08.2018, 06:00 Uhr

Die Salzburger Fiakerei

Der Fiaker reicht seinen Pferden Wasser. (Foto: Franz Neumayr)

Die Fiaker gehören zum Salzburger Stadtbild. Sie verstehen ihr Handwerk und kümmern sich um die Pferde. Tierschutzvereinen ist die Fiakerei jedoch verhasst.

SALZBURG (sm). Mit den dunklen Hosen, den karierten Hemden, dem Gilet und dem typischen Salzburger Trachtenhut treten sie einheitlich in Erscheinung. Die Kutschen stehen am Residenzplatz, jetzt im Sommer im Schatten. Neulich rief die Stadt ein Hitzefrei für die Pferde aus.

Offiziell dürfen die Fiaker bis 35 Grad fahren, aber oftmals wird darauf verzichtet. "Jedes Jahr gibt es zwei bis drei Tagen, an denen es zu heiß ist, obwohl das Thermometer noch unter den 35 Grad liegt. Da reden wir uns mit der Stadt und dem Magistrat zusammen und beschließen gemeinsam nicht zu fahren. Das haben wir in den letzten Jahren immer so gemacht", sagt Franz Winter über sein Fiakerunternehmen. 

Anfeindungen der Fiaker

"Es gibt schon einige, die uns als Tierschinder beschimpfen", sagt Winter, "aber die haben null Ahnung von Pferden. Viele zerreißen sich das Maul und wissen nichts über die Materie." Anfeindungen gibt es genug. Oft seien die Tierschützer Studenten. Oft wird verallgemeinert. So denken viele irrtümlich, das schäumende Maul des Pferdes sei ein Indiz von Durst. Dabei ist der Schaum vor dem Pferdemaul ein Zeichen von Entspanntheit.

Pflege der Fiakerpferde

Den Pferden am Residenzplatz steht ausreichend Wasser zur Verfügung. Die Fiaker kümmern sich um die Tiere und achten auf deren Wohlergehen, schließlich sind sie auf die Pferde angewiesen. "Das ist unser Kapital", sagt Franz Winter über die Tiere, die einen Anschaffungswert zwischen 3.000 bis 8.000 Euro haben.

Die Beurteilung eines Pferdes

Ob ein Pferd für die Fiakerei taugt "merkt man sofort, wenn man das Pferd einspannt. In zwei bis drei Tagen sieht man, ob es für die Stadt geeignet ist", so Winter. Er kaufe immer auf Probe, oft bei Züchtern, die er kennt und weiß, die Pferde sind vom Kopf her rein. Ein halbes Jahr werden die Pferde geschult, bevor sie ihren Dienst antreten. Die Pferde sind das Kapital der Fiaker, weshalb besonders viel Wert auf die Pflege der Tiere gelegt wird. Jedes Pferd hat zwei Freie Tage. 

So wird man Fiaker

Die Fiakerei steht jeden offen. Wer Interesse hat, darf ein paar mal beim Kutscher mitfahren, um zu prüfen, ob die Tätigkeit der Vorstellung entspricht. "Das ist etwas anderes, als das Reiten", sagt Winter und erklärt, dass 30 Prozent die ihren Traum von der Fiakerei antreten wieder fallen lassen. Für alle anderen heißt es lernen: Pferdekunde, Geschirrkunde, Kutschenkunde, Stadtkunde stehen auf dem Plan. Anschließend muss bei der Wirtschaftskammer eine Prüfung abgelegt werden.

Der Arbeitsalltag eines Fiakers

Franz Winter steht früh auf. Für ihn beginnt der Tag um 5:30 Uhr. Er geht in den Stall, mistet aus, sieht nach den Pferden und füttert sie. Nach dem einspannen geht es gegen 9:30 Uhr in die Stadt.

Fiaker fahren im Sommer länger als im Winter

Das Wetter und die Touristen bestimmen die Arbeitszeit der Fiaker. Während man im Sommer und vor allem zur Festspielzeit bis 20:00 Uhr fahren kann, kann es schon mal vorkommen, dass die Fiaker im Winter bereits um 14:00 Uhr Schluss machen. Bei einem Gewitter oder starken Regen, wenn die Touristen weg sind, gibt es auch nicht viel zu tun. 
Es gibt fixe Preise und eine interne Reihenfolge, nach der die Kutscher drankommen.

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