Hallein- TVB-Chef unter Druck
Bauzäune der Schande spalten die Stadt
- TVB-Geschäftsführer Rainer Candido und Bgm. Alexander Stangassinger
- Foto: Josef Wind
- hochgeladen von Josef Wind
Das Halleiner Stadtfest, das eigentlich die Innenstadt beleben und die Gastronomie stärken soll, entwickelt sich zum politischen und wirtschaftlichen Streitfall. Nach massiver Kritik an den Teilnahmebedingungen für Gastwirte werden nun Rücktrittsforderungen gegen die Spitze des Tourismusverbands Hallein laut. Gleichzeitig mehren sich Berichte, wonach der Unmut über die Führung des Tourismusverbands bereits seit Jahren wächst.
HALLEIN. Wie mehrere Medien berichten, steht insbesondere die Vorgehensweise des Tourismusverbands Hallein unter Geschäftsführer Rainer Candido im Mittelpunkt der Kritik. Auslöser sind die Vorgaben für Gastronomiebetriebe beim diesjährigen Stadtfest. So mussten teilnehmende Betriebe eine Teilnahmegebühr von 960 Euro entrichten und sich verpflichten, auf ihren Außenflächen ausschließlich Getränke des offiziellen Sponsors auszuschenken.
Zwei Halleiner Gastronomen lehnten diese Bedingungen ab. Die Konsequenz sorgte weit über die Stadtgrenzen hinaus für Aufsehen: Ihre Gastgärten wurden während des Stadtfests mit blickdichten Bauzäunen vom Veranstaltungsgelände getrennt. Bilder dieser Absperrungen verbreiteten sich rasch und lösten in der Bevölkerung ebenso wie in der Politik Unverständnis aus.
Politischer Druck wächst
Die Grünen sehen darin einen massiven Imageschaden für Hallein und fordern den Rücktritt des gesamten Vorstands des Tourismusverbands. Auch die FPÖ verlangt Konsequenzen. Sollte es nicht gelingen, wieder zu einem konstruktiven Miteinander zwischen Tourismusverband, Gastronomie und Wirtschaft zurückzukehren, müsse Geschäftsführer Rainer Candido seine persönliche Eignung für die Funktion hinterfragen.
Die ÖVP schließt sich der Kritik an und fordert eine umfassende Aufarbeitung der Ereignisse. Ein Stadtfest müsse verbinden und nicht Betriebe gegeneinander ausspielen.
Offener Brief mit breiter Unterstützung
Wie unter anderem die Salzburger Nachrichten berichten, wird ein offener Brief der beiden betroffenen Unternehmer mittlerweile von weiteren 15 Halleiner Betrieben unterstützt. Darin wird kritisiert, dass die aktuelle Entwicklung kein Einzelfall sei. Hinter den Kulissen habe es bereits seit der Übernahme der Organisation des Stadtfests durch den Tourismusverband im Jahr 2019 immer wieder Unzufriedenheit über Kommunikation, Entscheidungsprozesse und Zusammenarbeit gegeben.
TVB-Geschäftsführer Rainer Candido verteidigte die Vorgangsweise mit den vertraglichen Verpflichtungen gegenüber dem Getränkesponsor. Man habe die vereinbarte Exklusivität einhalten müssen und könne bestehende Verträge nicht einfach ignorieren. Gleichzeitig ließ er offen, ob das Stadtfest in Zukunft überhaupt noch stattfinden werde.
Bürgermeister setzt auf Dialog
Alexander Stangassinger (SPÖ) kündigte angesichts der aufgeheizten Stimmung einen runden Tisch mit allen Beteiligten an. Ziel sei es, die Ereignisse aufzuarbeiten und gemeinsam Lösungen für die Zukunft des Stadtfests zu finden.
Ob dieser Dialog ausreicht, um das beschädigte Vertrauen zwischen Tourismusverband, Gastronomie und Wirtschaft wiederherzustellen, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Fest steht bereits jetzt: Aus einem Stadtfest ist eine Debatte über Führungsstil, Kommunikation und den Umgang mit den eigenen Wirtschaftspartnern geworden.
Aktuelle Nachrichten aus Salzburg auf
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.